Umfrage

Zeitumstellung: Bei jedem Zweiten ist das Schlafverhalten gestört

Inzwischen ist bei jedem Zweiten das Schlafverhalten oder Wohlbefinden in den Tagen nach der Zeitumstellung gestört. Frauen und Familien mit kleinen Kindern sind besonders betroffen.

Zeitumstellung

Durch die Zeitumstellung können innere Uhr und Tagesablauf aus dem Gleichgewicht geraten. | Romolo Tavani - stock.adobe.com

Am kommenden Wochenende wird wieder an der Uhr gedreht: Dies hat für immer mehr Deutsche negative Auswirkungen, wie eine forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse im Vergleich zu früheren Befragungen ergeben hat. Inzwischen ist bei jedem Zweiten das Schlafverhalten oder Wohlbefinden in den Tagen nach der Zeitumstellung gestört. In den Jahren 2016 und 2019 gaben dagegen nur 33 beziehungsweise 43 Prozent der Befragten an, deshalb unter Gereiztheit oder Schlafproblemen zu leiden. Frauen und Familien mit kleinen Kindern sind besonders betroffen. So gibt mehr als ein Viertel der weiblichen Befragten an, wegen der Zeitumstellung tagsüber müde oder gereizt zu sein. Bei den Männern äußert dies nur jeder fünfte Umfrageteilnehmer. Wenn Kinder unter 12 Jahren im Haushalt leben, gehört sogar in etwa jeder dritten Familie miese Laune nach dem Uhrendreh zum Alltag.

Zeitunstellung

Knapp ein Drittel der Menschen leidet nach der Zeitumstellung an körperlichen oder psychischen Problemen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der DAK-Gesundheit. Damit bleibt der Wert mit 29 Prozent auf dem Höchststand der vergangenen Jahre.

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„Durch die Zeitumstellung können innere Uhr und Tagesablauf aus dem Gleichgewicht geraten. Besonders schwierig ist das für Menschen, die bereits unter Schlafstörungen oder organischen Erkrankungen leiden oder deren Tagesablauf sich wenig flexibel gestalten lässt“, erklärt Dr. Sonja Hermeneit, Ärztin bei der KKH. „Studien zeigen zudem, dass in den ersten drei Tagen nach einer Zeitumstellung 15 bis 20 Prozent mehr Krankenhausaufnahmen wegen Herzbeschwerden erfolgen als sonst durchschnittlich im Jahr. Und es gibt acht bis zwölf Prozent mehr Arztbesuche in dieser Zeit.“

Bewegung an der frischen Luft

Doch nicht jeder Betroffene muss gleich einen Mediziner aufsuchen. Die beste Strategie gegen die Übellaunigkeit ist laut Umfrageteilnehmern Bewegung an der frischen Luft: 45 Prozent aller Befragten kommen auf diese Weise zu positiver Stimmung und einer geruhsamen Nacht. Eltern setzen hingegen vor allem darauf, die Schlafens- und Essenszeiten in den Tagen nach der Zeitumstellung langsam anzupassen (40 Prozent).

Die Müdigkeit mit dem Konsum von koffeinhaltigen Getränken zu bekämpfen, ist inzwischen eine weniger verbreitete Methode. Während 2016 noch jeder Vierte nach einer Tasse Kaffee oder einem Energiegetränk griff, ist dies aktuell nur noch für 18 Prozent der Umfrageteilnehmer eine geeignete Möglichkeit, um wach zu bleiben. „Koffein putscht unser System nur kurzzeitig. Besser ist es, die Anpassung an die neue Zeit mit Entspannungstechniken, guter Schlafhygiene und häufigeren Erholungspausen zu beschleunigen – ohne tagsüber zu schlafen. So pendeln sich innere Uhr und Tagesablauf innerhalb weniger Tage wieder aufeinander ein“, sagt Dr. Sonja Hermeneit.

Hoffnung auf positive Auswirkungen durch eine Abschaffung

Eigentlich sollte die Zeitumstellung längst der Vergangenheit angehören, doch die EU-Pläne wurden aufgrund der Coronapandemie zurückgestellt. Die überwiegende Mehrheit der Befragten, die Probleme mit dem Zeitwechsel haben, erhoffen sich jedoch positive Auswirkungen durch eine Abschaffung. Während im Jahr 2019 noch mehr Frauen davon ausgingen, dass sich die Umsetzung der EU-Pläne positiv auf ihren Biorhythmus auswirkt, ist das Geschlechterverhältnis bei dieser Frage inzwischen ausgeglichen. Sowohl 75 Prozent der Männer als auch der Frauen geben dies an.

Quelle: KKH, 26.10.2021