Wie gut kennen Sie den Stammgast im histologischen Labor?

Xylol

 

Das Xylol-Biomonitoring wurde 2016 mehrmals an verschiedenen TAs durchgeführt. Um einen Vergleich zu haben, ließ ich mich privat von einem anderen Arbeitsmediziner testen, der außerdem in einem anderen Labor die Analyse durchführen lässt. Hiermit möchte ich besondere Aufmerksamkeit auf die Präanalytik lenken. In einem Telefonat mit Dr. med. Köster (Facharzt für Laboratoriums-, Umweltmedizin, Medizinisches Labor Bremen, mlhb) wurde betont, dass die Präanalytik der Lösungsmittelanalyse das „A und O“ sei. Dr. Köster erläuterte mir sowohl die Vorgehensweise als auch den Grund dafür:

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass die Einstichstelle nicht mit alkoholhaltigem Desinfektionsmittel gereinigt werden darf, da dies das Ergebnis verfälscht (aufgrund der Verbindung von Xylol und Alkohol). Weiterhin ist bei der Entnahme sowie bei dem Transport darauf zu achten, dass spezielle Röhrchen benötigt werden, sogenannte Rollrandröhrchen, die aus Glas sind und als Durchstechampullen zu bedienen sind. Es dürfen keine Kunststoffröhrchen benutzt werden, da Kunststoff Xylol absorbiert. Sie benötigen zwei Rollrandröhrchen, die beide mit mindestens 2 ml Blut befüllt werden. Die Blutentnahme wird nach Beendigung der Schicht durchgeführt (nicht während der Schicht, bei einem Test zeigten sich deutliche Unterschiede im Ergebnis). Die Nachweisgrenze liegt bei 1 µg/L Blut.

Xylol findet man nicht nur in der Pathologie, sondern vor allem in Lacken, Farben, Klebstoff, Kfz-Benzin und Pestiziden. Es wirkt neurotoxisch und wird über die Haut sowie über die Atemwege aufgenommen. In der Fachliteratur und im Internet findet man unterschiedliche Äußerungen zur kanzerogenen Wirkung von Xylol. Da besteht noch Klärungsbedarf, da eine fruchtschädigende Wirkung ebenfalls nicht auszuschließen ist. Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen akuter und chronischer Intoxikation und deren Organismusschädigung.

Nach „Daunderer – Handbuch der Umweltgifte“, Ausgabe 6/2006, ist Xylol nur der kommerzielle Name und ein technisches Produkt, das aus verschiedenen Isomeren (es gibt drei verschiedene Xylol-Isomere) und einem Teil Ethylbenzol besteht. Folglich ist Xylol als Lösungsmittelmischung mit Benzol „verunreinigt“. Dies macht Xylol gefährlicher, und es erfordert mehr Aufklärung. In Anwesenheit von Ethanol wird der Abbau zur Methylhippursäure (nachgewiesen im Urin) um 50 Prozent herabgesetzt, was zur Folge hat, dass der Blutgehalt von Xylol um das 1,5- bis 2,0-fache ansteigt. Xylol zählt zu den aromatischen Kohlenwasserstoffen, die eine besonders ausgeprägte fettlösende Eigenschaft besitzen und somit leicht die lipoiden Membranen der Alveolarzellen passieren und schnell in den Blutkreislauf gelangen. Xylol wird sowohl in der Leber und Niere als auch in der Lunge metabolisiert. Hier stellt sich nun die Frage, ob das zusätzliche Messen der Leber- und Nierenwerte Sinn ergibt. Kann man davon ausgehen, dass, solange diese in der Norm liegen, der Organismus nicht geschädigt wird? In der Fachliteratur heißt es, dass der Körper nach ungefähr fünf Tagen Xylol abgebaut hat (wenn denn kein Kontakt mehr mit Xylol besteht).

Ich hoffe durch meinen Bericht mehr Aufmerksamkeit auf Xylol lenken zu können. Denn auch wenn ein gewisses Berufsrisiko bestehen bleiben wird, hoffe ich auf mehr Aufklärung, was Xylol betrifft. Ganz besonders auf die Langzeitstudien in Bezug auf die chronische Intoxikation, wie wir sie in der Pathologie erleben. Bedenkt man, wie lange Formalin schon in der Patho benutzt wird und neueste Forschungen dazu führten, dass im Jahr 2015 die Gefahrstoffklassen sogar geändert wurden, lohnt es sich, doch dies auch für Xylol zu tun.

Literatur

1.     http://www.toxcenter.org/klin-tox/allg/loesemittel-allg.pdf.
2.     www.haufe.de/arbeitsschutz/arbeitsschutz-office/xylol_idesk_PI957_HI870203.html.
3.     http://www.umweltanalytik.com/lexikon/ing33.htm.
4.     Marquardt H, Schäfer S, Barth H: Toxikologie. 3rd edition. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2014.
5.     Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Begründung zu Formaldehyd in der TRGS 900. Ausgabe: Februar 2015: www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/TRGS/TRGS.html.
6.     MAK-Kollektion, Begründung der MAK und BAT Werte, Deutsche Forschungsgemeinschaft. Grenzwerte im biologischen Material: Xylol.

Zur Person

Sabrina Rader ist 34 Jahre alt und hat eine Ausbildung zur Arzthelferin absolviert, im Anschluss daran, an der Fachschule nach drei Jahren, das Examen als MTA bestanden und ist seit 2004 in der Pathologie tätig. Berufsbegleitend hat sie das Abitur nachgeholt sowie den Aufbau eines histologischen Labors koordiniert. Auf der Histologica hält Frau Rader am 10. Juni 2017 einen Vortrag zum Thema „Xylol – hilft uns Biomonitoring weiter?“

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns Ihre Erfahrungen zum Thema mitteilen (redaktion@mta-dialog.de).

 

Entnommen aus MTA Dialog 3/2017