Interview mit dem DGIM-Vorsitzenden Prof. Dr. Claus Vogelmeier

„Wir müssen von unserem Elfenbeinturm weg!“



Ihr Fachgebiet ist die Pneumologie. Wie zeigt sich das auf dem Kongress, zu welchem Fach gibt es die bedeutendsten interdisziplinären Zusammenhänge?

Prof. Dr. Claus Vogelmeier: Es wird viele Sitzungen zum Thema Lunge geben. Mir war dabei besonders wichtig, das Organ Lunge nicht isoliert zu betrachten, sondern im Zusammenhang mit anderen Fächern. Grundsätzlich glaube ich, dass wir einen ganzheitlichen Ansatz brauchen, wenn wir in der Medizin weiterkommen wollen. Das gilt besonders mit Blick auf die Multimorbidität, über die wir eben schon gesprochen haben. Die Lunge ist ja ein typisches Organ, bei dem sich viele Probleme auch von anderen Organen manifestieren können. Lungenerkrankungen können wiederum auch auf andere Organe Auswirkungen haben. Deswegen haben wir eine Reihe von Sitzungen, bei denen genau diese Interaktionen beleuchtet werden. Da geht es zum Beispiel um „Lunge und Rheuma“ oder „Lunge und Herz“, da geht es auch um Komorbiditäten der COPD. Es ist ein Versuch, kein pulmozentrisches Weltbild zu haben, sondern sich im Konzert der Inneren Medizin wiederzufinden.

Die ganzen Aspekte der digitalen Medizin

 Was sind Ihre persönlichen Highlights? Warum sollte jeder Internist die Jahrestagung besuchen?

Prof. Dr. Claus Vogelmeier: Ich freue mich sehr, dass wir mit ausgewählten Experten die Gelegenheit haben, die ganzen Aspekte der digitalen Medizin zu beleuchten. Mir macht auch ganz besonders Freude, dass wir besonders für junge Kolleginnen und Kollegen viele Veranstaltungen anbieten können. Es ist schließlich so, dass die Mehrzahl der Besucher beim DGIM-Kongress jünger ist als 35 Jahre. Dann ist es mir auch gelungen, einen Medienpreis auf den Weg zu bringen, den es bei der DGIM in diesem Jahr zum ersten Mal geben wird. Auch das ist ein Thema, das mir sehr wichtig erscheint: Wir müssen von unserem Elfenbeinturm weg. Wir müssen uns mehr mit dem Thema auseinandersetzen, wie wir unsere Botschaften transportiert bekommen. Deshalb müssen wir auch die Journalistinnen und Journalisten auszeichnen, denen es gelungen ist, medizinische Inhalte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Und warum sollte jeder Internist den Kongress besuchen? Es ist ja so, dass die DGIM eine sehr lange Historie hat. Es ist jetzt der 125. Kongress. Und für mich ist auch der Blick in die Zukunft mit einem historischen Bewusstsein wichtig: Deshalb werden wir auch eine Ausstellung zu DGIM-Gründer Prof. Friedrich Theodor von Frerichs auf dem Kongress haben, der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag hat. Die große Ausstellung wird dann an der Charité stattfinden. Ich glaube, das Tolle an dem Kongress ist: Er hat eine große Breite, aber auch eine enorme Tiefe. Man kann sich in jeder Richtung bewegen. Die ganze Breite wird auf einem hohen Niveau und sehr kompakt präsentiert – und noch dazu in einer schönen Umgebung.

Der 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin findet vom 4. bis 7. Mai 2019 im RheinMain Congresscenter Wiesbaden statt.