Stiftung Kindergesundheit

Wie viel Süßes für Kinder?

Die Stiftung Kindergesundheit warnt in einer aktuellen Stellungnahme: Zu viel Zucker macht Kinder dick, Erwachsene krank und Senioren zahnlos.

 

Süßigkeiten

Die Stiftung Kindergesundheit plädiert dafür, in den Familien von Anfang an feste Regeln im Umgang mit Süßigkeiten aufzustellen. | Fotolia/mmphoto

Das waren noch Zeiten: „Zucker zaubert - Ihre Linie bleibt so schlank wie eine Pinie“, versprach die Werbung der Süßwarenproduzenten in den 60-er Jahren. Die Behauptung hat sich längst als „fake news“ entpuppt, stellt die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme fest: Zucker in Süßigkeiten, Süßgetränken und Lebensmitteln macht in Wahrheit dick, fördert die Entstehung von Diabetes und schadet den Zähnen.

Prof. Dr. Detlev Ganten

Diabetes ist eine der größten Volkskrankheiten unserer Zeit: Rund 350 Millionen Menschen sind laut WHO weltweit betroffen, fast zwei Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen. Sie können von Herzkreislaufproblemen über Nierenversagen bis sogar zur Erblindung reichen.

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„Mit der hohen Zuckerzufuhr in Deutschland haben wir bei Kindern wie Erwachsenen ein Riesenproblem“, erläutert Prof. Dr. Berthold Koletzko, Stoffwechselexperte der von Haunerschen Kinderklinik der LMU München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Die nachweislichen Folgen eines hohen Zuckerverzehrs sind Übergewicht, Diabetes Typ 2 und Karies. Dicke Kinder laufen Gefahr, später an Zivilisationskrankheiten wie hohem Blutdruck, Herz- und Kreislaufleiden und Gicht zu erkranken“.

Neue Studien zum Zuckerkonsum

Diese Zusammenhänge sind seit langem durch viele Studien wissenschaftlich bestätigt und durch neue Studien untermauert. Als Beispiel verweist die Stiftung Kindergesundheit auf zwei aktuell publizierte Untersuchungen:

1. Was passiert im Körper eines Kindes, wenn es mal eine Weile auf Zucker verzichtet? Diese Frage untersuchten kalifornische Wissenschaftler bei 41 adipösen Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 9 und 19 Jahren, die täglich mehr als 50 Gramm Zucker in Form von Fruktose zu sich nahmen. Die Versuchspersonen erhielten neun Tage lang Mahlzeiten mit dem gleichen Gehalt an Kalorien und Nährstoffen wie zuvor, jedoch mit einer Ausnahme: Die Nahrung enthielt Stärke statt Zucker.

Das Ergebnis am zehnten Tag nach Beginn der Studie war eindeutig: Die Werte an Leberfett sanken von 7,8 Prozent auf 3,8 Prozent, das Bauchfett nahm von 123 cm³ auf 110 cm³ ab und auch die Insulinausschüttung wurde deutlich verringert, während beim Subkutanfett keine signifikanten Veränderungen gemessen wurden. Das Körpergewicht der Teilnehmer sank durchschnittlich um 0,9 Kilogramm. Und dies schon nach nur neun Tagen.

Fazit von Prof. Dr. Jean-Marc Schwarz und seinen Kollegen von der Universität Kalifornien in San Francisco: „Diese Ergebnisse unterstützen die Bemühungen, den Zuckerverbrauch zu senken“ (Schwarz J-M, et al.: „Effects of Dietary Fructose Restriction on Liver Fat, De Novo Lipogenesis, and Insulin Kinetics in Children with Obesity“, Gastroenterology (2017), doi: 10.1053/j.gastro.2017.05.043).

2. Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Biotechnology Research and Information Network AG (BRAIN AG) werteten Daten zum Vorkommen von Karies, Zahnfleischentzündungen (Parodontitis) und Zahnverlust, entsprechende Behandlungskosten und Krankheitslasten sowie zum Zuckerverbrauch in 168 Ländern für das Jahr 2010 aus. Daraus errechneten sie den Anteil an den Gesamtkosten durch übermäßigen Zuckerkonsum. „Die Daten zeigen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Zucker und dem Vorkommen von Karies, Parodontitis und als Folge Zahnverlust“, so Studienerstautor Dr. Toni Meier.