Potenzielle Überzeugungskraft des sozialen Umfelds

Wie lässt sich die Impfbereitschaft steigern?

Angesichts sinkender Impfzahlen und steigender Inzidenzen appelliert die Politik an die Bevölkerung, Impfangebote weiter wahrzunehmen. Doch die Anzahl der täglich verabreichten Erstdosen ist derzeit rückläufig, weil viele Menschen einer Immunisierung immer noch skeptisch gegenüberstehen. Wie lässt sich das ändern?

Impfbereitschaft steigern

Impfbereitschaft steigern | © Alexander Raths - stock.adobe.com

Knapp über die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland hat den vollen Impfschutz. Obwohl für die Eindämmung der Coronapandemie diese Quote noch nicht ausreicht, geht die Zahl der täglichen Impfungen zurück. Die Gründe, aus denen sich Menschen gegen die Spritze entscheiden, sind vielschichtig. Ein Faktor, der zur Ablehnung einer Impfung führen kann, sei der Einfluss von Verschwörungstheorien über die COVID-19-Vakzine, die in den sozialen Medien kursieren. „Dass Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, auch skeptischer gegenüber Impfungen sind, wurde in der Forschung bereits wiederholt belegt und in vielen Ländern nachgewiesen“, erklärt Dr. Kevin Winter, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Soziale Prozesse am Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) in Tübingen, die Problematik.

Wie lässt sich der Einfluss von Verschwörungstheorien abschwächen?

In Zusammenarbeit mit der University of Queensland (Australien) führten er und weitere Forscher/-innen des IWM fünf Studien mit über 1.200 Teilnehmern durch. Erstmals konnten so Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie sich der negative Einfluss von Verschwörungstheorien auf die Impfbereitschaft abschwächen lassen könnte. „Der entscheidende Faktor ist das soziale Umfeld“, sagt Projektleiter Winter. Wenn Freunde und Familie eine positive Einstellung und Erwartung signalisieren, sind auch Personen, die einer Impfung ansonsten skeptisch gegenüberstehen, eher dazu bereit. Dies gilt neben der Immunisierung gegen COVID-19 auch für weitere Schutzimpfungen wie etwa der Impfung gegen FSME („Zeckenimpfung“).

Frühzeitige persönliche Gespräche reduzieren Impfskepsis

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IWM geben allerdings zu bedenken, dass auch durch ein entsprechendes soziales Umfeld vermutlich nicht alle überzeugt werden können. „Menschen, die Impfungen grundsätzlich ablehnen oder bereits sehr tief in ein verschwörerisches Weltbild abgetaucht sind, sind vermutlich schwer zu erreichen“, ordnet Winter die Studienergebnisse ein. Dennoch lassen sich aus den Ergebnissen Empfehlungen für den Alltag ableiten: Ein frühzeitiges Gespräch mit Bekannten und Verwandten, die entsprechende Bedenken äußern, könnte nicht nur der Ausbreitung von Verschwörungstheorien entgegenwirken, sondern auch deren Impfbereitschaft steigern.

 

Literatur:

Kevin Winter, Lotte Pummerer, Matthew J. Hornsey, Kai Sassenberg: Pro-vaccination subjective norms moderate the relationship between conspiracy mentality and vaccination intentions. British Journal of Health Psychology, First published: 18 July 2021, DOI: doi.org/10.1111/bjhp.12550.


Quelle: idw/Leibniz-Institut für Wissensmedien