Informationstechnologie

Wie die Digitalisierung die Gesundheitsbranche verändert

Moderne elektronische Technologien und IT-Systeme ermöglichen die Organisation von Krankenhäusern, die Verwaltung und Dokumentation von Patientendaten, steigern diagnostische Möglichkeiten und bieten Alternativen zu invasiven operativen Eingriffen.

Digitalisierung

Fast in jedem Haushalt arbeiten und leben die Menschen mit Smartphones. Auch in der Medizin ist der Beginn eines tiefgreifenden Wandels zu spüren. | georgejmclittle/Fotolia

Fast in jedem Haushalt arbeiten und leben die Menschen heute mit Smartphones oder Computern, sie kaufen online ein, streamen Filme, lesen Nachrichten auf ihren Tablets oder nutzen soziale Netzwerke und Messenger-Programme, um sich innerhalb von Sekunden mit Menschen rund um den Globus zu vernetzen. Auch im Gesundheitssektor hat die Informationstechnologie nachhaltige Veränderungen hervorgebracht. Zwar verläuft der Trend zur Digitalisierung durch die hohen Qualitätsanforderungen und Regulierung langsamer als in anderen Bereichen, dennoch ist auch in der Medizin der Beginn eines tiefgreifenden Wandels zu spüren.

Fachberufekonferenz

Wie wirkt sich die Digitalisierung im Gesundheitswesen auf die Arbeitsbedingungen der Gesundheitsberufe aus? Mit dieser und weiteren Fragen befasste sich die Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen.

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So nutzen Ärzte bereits heute täglich moderne elektronische Technologien und IT-Systeme. Sie ermöglichen die Organisation von Krankenhäusern, die Verwaltung und Dokumentation von Patientendaten, steigern diagnostischen Möglichkeiten, bieten Alternativen zu invasiven operativen Eingriffen und geben Patienten in einigen Ländern sogar die Chance, den Arztbesuch von zu Hause per Videokonferenz zu erledigen.

Ein Blick auf den Stand der aktuellen Forschung und neueste klinische Studien verrät, welche entscheidende Rolle die Informationstechnologie im medizinischen Alltag spielen wird. So beschäftigt sich zum Beispiel ein aktuelles Forschungsgebiet mit neuronalen Interfaces, sogenannte Brain-Computer-Interfaces. Basis dafür ist die Kopplung von Nervenzellen im Gehirn mit einer Recheneinheit oder einem Computer.

Die Medizin steht erst am Anfang ihrer technischen Möglichkeiten

Diese Schnittstellen werden dann dazu genutzt, Recheneinheiten anzusprechen, wodurch sich Computerprogramme oder Prothesen durch die normale Gehirnaktivität steuern lassen. Eine klinische Studie aus den USA nutzt eine solche Technologie zur Therapie von Patienten mit refraktärer fokaler Epilepsie.

Solche wahrscheinlich in naher Zukunft einsetzbaren Methoden erfordern ein hohes Maß an technischem Verständnis, damit eine erfolgreiche Therapie gewährleistet werden kann. Von Ärzten der Zukunft wird erwartet, Funktionalität und Aufbau solcher Technologien verstehen und mit dem technischen Personal besprechen zu können. Nur dann kann interdisziplinäre Zusammenarbeit gewährleistet werden, die dem Patienten nutzt.

„Das Leistungsvermögen von moderner IT-Technologie wächst exponentiell, unzählige Studien zeigen, dass die Medizin erst am Anfang ihrer technischen Möglichkeiten steht“, sagt Philip Boehme, der an der Universität Witten/Herdecke einen Kurs zur digitalen Transformation des Gesundheitswesens leitet. „Eine High-Tech-Versorgung ist aber immer nur so gut wie der Arzt, der sie durchführt. Er muss daher mehr als ein grundlegendes Verständnis dafür besitzen. Moderne Mediziner benötigen dringend auch die Kompetenz, neue Methoden kritisch hinterfragen sowie Vorteile und Risiken einschätzen zu können. Dafür braucht es ein Umdenken an den Universitäten, die die Studierenden auf die veränderte Arbeitswelt vorbereiten müssen. Das Medizinstudium an vielen Universitäten hat sich den neuen Entwicklungen noch nicht angepasst“, sagt Prof. Dr. Jan Ehlers, Vizepräsident der Universität Witten/Herdecke (UW/H).

Um die Digitalisierung des Gesundheitswesens wissenschaftlich zu untersuchen, wurde aus vielen Interviews mit Experten ein Fragebogen entwickelt, um die Erwartungen von Medizinern und Nicht-Medizinern an die Digitalisierung zu erheben. „Es ist großartig, wenn sich möglichst viele Menschen ein paar Minuten Zeit nehmen und den Fragebogen ausfüllen“, appelliert Ehlers, der die Arbeit betreut.


Quelle: UW/H, 30.01.2018