Als MTA in einem kleinen Tropenkrankenhaus

„Weltwärts“ in Togo

„Des einen Freud ist des anderen Leid“

Während wir Labormitarbeiter uns über außergewöhnliche Parasitenfunde immer gefreut haben und uns ausgiebig beratschlagen konnten, wartete der leidende Patient oft ungeduldig vor dem Labor auf seinen Befund. Der enge Patientenkontakt hat in diesem Fall den Vorteil, dass man sich mit dem Patienten über seine Krankheitsgeschichte auch als nicht-ärztliches Personal austauschen kann und so interessante Geschichten zum Beispiel über die Krankheitsentstehung erfährt.

Spermiozytogramme wurden mehrmals pro Woche von Labormitarbeitern angefertigt, da die Fruchtbarkeit eines Mannes an oberster Stelle steht und Kinder in Togo eine Art Altersvorsorge darstellen. 60 Prozent der Bevölkerung sind unter 25 Jahre, 42 Prozent davon unter 15 Jahre jung. Die ältere Generation setzt ihre ganze Hoffnung in die junge Generation, auf dass es endlich zu einem sozialen Aufstieg und positiven Wandel in allen Lebensbereichen kommt. Reich ist, wer viele Kinder hat. Ob ein Familienvater aber auch die Lebenshaltungskosten und Krankenhausrechnungen seiner ganzen Kinder zahlen kann, ist eine andere Frage.

Im Großen und Ganzen war ich sehr froh, dass ich mich mit dem Klinikpersonal und dem Großteil der Patienten auf Französisch, der offiziellen Amtssprache Togos, unterhalten konnte. Ältere Menschen oder Erwachsene, die nicht zur Schule gegangen sind, haben oftmals nur Stammessprachen wie Ewe oder Kotokoli gesprochen. Aber auch das war kein Problem, da ich einige Redewendungen auf Ewe schnell gelernt hatte und meine netten und überaus hilfsbereiten Kolleginnen und Kollegen jederzeit um Hilfe bitten konnte.

Auch das mangelnde medizinische Fachvokabular auf Französisch habe ich in der Praxis letztlich schnell gelernt. Das weitaus größere Dilemma war für mich, immer wieder mit Patienten konfrontiert zu werden, die kein Geld für die Behandlung hatten. Die meisten von diesen Sozialfällen, wie sie bei uns genannt wurden, bleiben zu Hause und sterben. Diejenigen, die trotz ihres leeren Geldbeutels zu uns kommen, werden dank der Gelder eines Sozialfonds des Vereins „Hilfe für Togo e.V.“, von der schwäbischen Alb, grundlegend medizinisch versorgt.

Eine große Bereicherung und Herausforderung

Das Arbeiten in einem der ärmsten Länder der Welt sowie das Leben in einer togoischen Gastfamilie waren eine große Bereicherung, die mich jedoch auch vor Herausforderungen gestellt hat. Es war mein erster Berührungspunkt mit dem afrikanischen Kontinent und anfangs ganz schön schwierig, mich an die einfache Lebensweise, ohne Zugang zu fließendem Wasser oder einer richtigen Toilette, zu gewöhnen. Auch mein Magen-Darm-Trakt wurde durch die komplett ungewohnte Ernährung und das Wasser zunächst auf eine große Belastungsprobe gestellt. So kam es, dass ich mich das ein oder andere Mal in die Obhut meiner Kollegen im Solidarité begeben musste, die sich stets sehr liebevoll um mich gekümmert und mich wieder aufgepäppelt haben.

Man wächst mit seinen Aufgaben und Herausforderungen ein Stück über sich hinaus und man wird zufriedener. Zufriedener und dankbarer für die kleinen Freuden des Lebens, für den Wohlstand, den wir in Deutschland haben, die Arbeits- und alltäglichen Lebensbedingungen. Einen gefüllten Kühlschrank oder ein Wasserhahn, aus dem sauberes kaltes oder warmes Wasser kommt, weiß ich inzwischen viel mehr zu schätzen als vorher. Ich sehe mittlerweile vieles mit anderen Augen, worüber ich unheimlich dankbar bin. Und eines ist sicher: Es wird nicht mein letzter Arbeitseinsatz in Afrika gewesen sein.

Carolin Specht hat nach ihrer MTA-Ausbildung in Frankfurt am Main im Bereich Transfusionsmedizin gearbeitet und sich dann für einen Freiwilligendienst im westafrikanischen Togo entschieden. Mittlerweile ist die 24-jährige Hessin zurück in ihrer Heimat und bereitet sich auf ihr bevorstehendes Medizinstudium an der TU Dresden vor.

Weitere Informationen zum entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ unter www.weltwärts.de

 

Entnommen aus MTA Dialog 10/2016