Als MTA in einem kleinen Tropenkrankenhaus

„Weltwärts“ in Togo

Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen in der Geburtshilfe der Klinik bespricht die Hebamme bei jedem Vorsorgetermin mit der Schwangeren, wie sie es finanzieren kann, um nach und nach alle empfohlenen Laboruntersuchungen bis zur Geburt durchführen zu lassen. Dazu zählen ein HIV-Test, ein Hepatitis-B-Test, ein großes Blutbild, ein Dicker Tropfen, parasitologische Stuhluntersuchung, ein TPHA-Test und eine Blutgruppenbestimmung.

Die Blutgruppenbestimmung wird meistens zuerst durchgeführt, um Rhesus-negative Mütter im Vorfeld schon über eine eventuell nötige Anti-D-Prophylaxe zu informieren. Diese ist nämlich so teuer, dass die werdenden Eltern während der gesamten Schwangerschaft schon für die Prophylaxe, die hier nur mit einer einmaligen Injektion nach der Entbindung verabreicht wird, sparen müssen. Im Labor werden das AB0-Merkmal und der Rhesusfaktor dann auf einer Tüpfelplatte in einer Einfachbestimmung bestimmt.
Meine persönliche Vorliebe galt der Parasitologie, in der ich täglich mikroskopiert habe. Da wir von fast jedem Patienten einen Dicken Tropfen angefertigt haben, konnte ich viel über die Malariadiagnostik lernen, ein Fachbereich, der mich schon während meiner Ausbildung sehr fasziniert hat.

Leider mangelte es aber in meiner Schule oder während meiner Praxisanleitung im Labor immer an guten Präparaten. Schnell habe ich begriffen, dass das Augenmerk nicht in der Bestimmung der Plasmodienspezies, sondern in der Bestimmung der Parasitendichte lag. Da in Togo fast ausschließlich Plasmodium falciparum, der Erreger der klassischen Malaria tropica, endemisch auftritt, wurde meist gar kein Blutausstrich angefertigt, um die genauen Formen zu untersuchen, sondern so schnell wie möglich die Parasitendichte im Dicken Tropfen bestimmt. Die gezählten Trophozoiten werden dann in Relation zu den weißen Blutzellen gesetzt und so die Parasitendichte errechnet. Die Parasitendichte gibt dem Arzt dann Auskunft über die Schwere der Malaria sowie die benötigte Medikamentendosis und Behandlungsdauer.

In Deutschland gilt als Goldstandard in der Malariadiagnostik der Antigen-Schnelltest, der Blutausstrich und der Dicke Tropfen, alle drei Tests in Kombination. Der Antigenschnelltest, der in Togo nur für die Spezies Plasmodium falciparum spezifisch ist, wird vom togoischen Gesundheitsministerium und der Weltgesundheitsorganisation unentgeltlich in jeder Krankenstation im ganzen Land angeboten und richtet sich an die ärmsten Patienten. Modernste Malariadiagnostik zum Beispiel mittels PCR, wie sie in Deutschland mittlerweile bei Reiserückkehrern üblich ist, könnte sich fast niemand leisten.

Stromausfälle machen das Leben schwer

Stromausfälle sind in Kpalimé an der Tagesordnung und machen den Menschen das Leben schwer. Dass wir im Krankenhaus auf Elektrizität für die Beleuchtung, die Laborgeräte und die Ventilatoren angewiesen waren, liegt auf der Hand. Dank einer Solaranlage auf dem Klinikdach gibt es in der gesamten Klinik eine Notbeleuchtung in den wichtigsten Zimmern und eine Notfallstromversorgung für die Mikroskope und Geräte im Labor. Fließendes Wasser steht in einem der Laborräume, im Krankenpflegezimmer und im Kreißsaal zur Verfügung. Der Rest des Krankenhauses wird mit Brunnenwasser versorgt. Unser tägliches Arbeiten war stets auf absolute Sparsamkeit und einen verantwortungsbewussten Umgang mit allen technischen Geräten ausgerichtet.

Neben der Malariadiagnostik wurde in der Klinik viel Stuhldiagnostik betrieben. Zahlreiche Patienten erreichen das Solidarité mit schweren Magen-Darm-Infektionen, aufgrund der schlechten hygienischen Verhältnisse. Gemeinsam mit meinen erfahrenen Kollegen habe ich viele Erreger im nativen Stuhl, die ich bis dato nur aus dem Lehrbuch kannte, live vor das Objektiv bekommen. Die häufigsten Parasiten waren dabei Entamoeba histolytica, Entamoeba coli, Trichomonas intestinalis, Giardia lamblia, Schistosoma mansoni im Stuhl, Schistosoma haematobium im Urin und andere Hinweise auf schwere gastro-intestinale Infektionen wie Erythrozyten, Leukozyten und abgeschilferte Darmepithelien. Charcot-Leyden-Kristalle, als Indiz für Fadenwürmer, waren ebenfalls weit verbreitet, was den Betroffenen oftmals schwere Bauchkrämpfe verursacht hat.