Als MTA in einem kleinen Tropenkrankenhaus

„Weltwärts“ in Togo

Das gesamte Gesundheitssystem funktioniert in Togo nur über Vorkasse, lediglich ein geringer Anteil der Bevölkerung ist krankenversichert, hauptsächlich Beamte. Das bedeutet, dass ein Patient nur die Leistung erhält, die er auch bezahlen kann. Der notorisch leere Geldbeutel der Patienten zwingt die Ärzte oftmals, mit minimalsten Mitteln eine Diagnose zu stellen und eine Behandlungsempfehlung zu geben. Die gängigsten Laboruntersuchungen sind aus diesem Grund lediglich die Bestimmung des Hämoglobinwerts und der Leukozytenzahl sowie der Dicke Tropfen zur Malariadiagnostik, auch wenn weitere Untersuchungen im Labor technisch möglich wären.

Das CMS Solidarité besteht aus einer Allgemeinmedizin, der Geburtshilfe, einer Krankenhausapotheke und dem Labor. Nach einer Woche Patientenaufnahme war ich zwei Monate in der Allgemeinmedizin und Krankenpflege tätig und anschließend zwei Monate in der Geburtshilfe, bevor ich im Labor mithalf. Alle Bereiche sind 24 Stunden besetzt, und die Klinik mit ihren 20 Betten ist stets gut besucht. Die Klinik liegt in einem der ärmsten Viertel der Stadt, einem muslimischen Viertel, ohne funktionierendes Wasser- und Abwassersystem und oftmals ohne Strom.

Wenn ein Patient in die Klinik kommt, wird er stets von mindestens einem Familienangehörigen begleitet, der sich um sein Wohlergehen kümmert. So ist zum Beispiel die Versorgung mit Essen und Trinken sowie die eigentliche Pflege Aufgabe der Familie. Die Krankenschwestern und -pfleger kümmern sich ausschließlich um die medizinische Versorgung.

Große Blutbilder und diverse klinisch-chemische Parameter

Vier Kollegen teilen sich die Dienste im Labor und sind sowohl für die Präanalytik als auch die Analytik in zwei getrennten Räumen zuständig. Im Entnahmeraum führen sie die venösen und kapillaren Blutentnahmen durch, entnehmen die Vaginalabstriche und bereiten die Stuhl- und Urinproben zur Nativmikroskopie vor. Im Analysenzimmer werden dann die Blutausstriche und Dicke Tropfen nach der Pappenheim-Färbung mit den Farbstoffen May-Grünwald und Giemsa entsprechend gefärbt und beurteilt sowie alle anderen Proben so schnell wie möglich bearbeitet. Laut Aussage meiner vier Kollegen sind in Togo fast nur Männer im Labor tätig, die Frauen würden sich zu sehr vor dem ganzen Kram ekeln, so die gängige Meinung.

Die Hämoglobinkonzentration wird photometrisch bestimmt und die Leukozytenzahl in der Malassez-Zählkammer gezählt. Das Blut für diese drei Parameter wird kapillar entnommen. Für die Bestimmung der Hämoglobinkonzentration, der Leukozytenzahl und die Malariadiagnostik mittels Dicken Tropfen müssen die Patienten umgerechnet 2,70 Euro zahlen. Bei Patienten, die sich eine aufwendigere Diagnostik leisten können, wird meistens ein großes Blutbild am Automaten erstellt.

Neben großen Blutbildern, die an einem Blood Cell Counter ausdifferenziert werden, können an einem Photometer auch diverse klinisch-chemische Parameter gemessen werden, wie Glukose, Kreatinin, Bilirubin, Calcium und Magnesium, oder ein Leberstatus und Lipidstatus angefertigt werden. Im Bereich Serologie stehen HIV- und Hepatitis-B-Tests im Vordergrund. Sie werden anhand von Teststreifenmethoden durchgeführt. Eine differenziertere Diagnostik wäre technisch und auch finanziell nicht möglich.