Motto: „Find the missing millions“

Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli 2018

Sie betreiben derzeit eine Studie zu Hepatitis B in Burkina Faso. Welche Daten erfassen Sie dabei und was ist das Ziel der Studie?
Wir erheben in dieser Studie bei einer repräsentativen Bevölkerung den Sero-Status hinsichtlich der chronischen HBV-Infektion, stellen also anhand von Blutuntersuchungen fest, wie häufig die chronische HBV-Infektion in der Bevölkerung ist oder welcher Anteil gegen HBV geimpft ist. Hinzu kommt eine Befragung mittels Interview, in welchem wir bestimmte Risikofaktoren für die Infektion erfragen. Burkina Faso ist ein Land, in dem es bislang wenige Daten zu Hepatitis gibt – und wenn, dann häufig nur von bestimmten Personengruppen oder aus urbanen Gebieten wie der Hauptstadt. Dies ist in vielen ressourcenschwachen Ländern Westafrikas ein Problem, da sich die Bevölkerung in ländlichen Gegenden dort oft stark in Gesundheitsstand und Gesundheitsinformation oder Zugang zu Diagnostik und Versorgung unterscheidet von Personen in städtischen Gebieten. Des Weiteren zeigen die vorhandenen Daten, dass in diesem Land die chronische HBV-Infektion hoch endemisch, sprich stark verbreitet ist, Ursachen dafür jedoch nicht umfassend erforscht sind. Die Studie in Burkina Faso betreiben wir in enger Kooperation mit dem Uniklinikum Heidelberg und dem Centre de Recherche en Santé de Nouna (CRSN) in Burkina Faso. Beide Kooperationspartner blicken auf mehrjährige gemeinsame Forschungsarbeiten zurück, was ein großer Vorteil für die Durchführung eines solch umfangreichen epidemiologischen Projekts ist.

Wie gefährlich sind die anderen klassischen Hepatitis-Viren? Forschen Sie auch daran?
Die Gefährdung durch einen Erreger ist immer auch abhängig von soziodemographischen Faktoren der betroffenen Person, zum Beispiel dem Alter, sowie vom Zugang zur medizinischen Versorgung und von den Zielgruppen gesundheitspolitischer Intervention wie Impfungen. Bei Hepatitis A, einer Infektion, die nicht chronisch verläuft, sehen wir eine epidemiologische Transition, das heißt ein Infektionsrisiko in bestimmten Altersgruppen. In Europa betrifft dies ältere Personen, welche nicht durch eine Impfung geschützt sind und auch keine natürliche Infektion mit dem Hepatitis A-Virus (HAV) in jüngeren Jahren durchgemacht haben. Somit erfahren sie tendenziell schwerwiegendere und auch lebensbedrohliche Krankheitsverläufe. Um epidemiologisch relevante Fragen zur HAV-Transition zu erforschen, haben Kollegen in der Abteilung einen serologischen Test entwickelt, welcher zwischen der durch HAV-Infektion und der durch HAV-Impfung hervorgerufenen Immunität unterscheiden kann. Dieser soll nun in serologischen Studien in Südamerika zum Einsatz kommen und Hinweise auf Präventionsbedarfe und gefährdete Altersgruppen geben.

Hinsichtlich der Infektion mit dem Hepatitis E-Virus (HEV) ist vor allem die betroffene Personengruppe ein Kriterium, inwieweit „gefährlich“ das Virus für die Gesundheit ist. So sind Schwangere und immungeschwächte Personen besonders anfällig für HEV-Infektionen, es besteht hier sogar die Möglichkeit einer Chronifizierung der Erkrankung.

Die WHO hat als Ziel ausgegeben, bis 2030 Hepatitis als globale Bedrohung zu eliminieren. Was muss aus Ihrer Sicht als Forscherin passieren, damit dieses Ziel erreicht werden kann? Welches sind die drängendsten Forschungsfragen, die gelöst werden müssen?
Gerade HBV weißt Charakteristika auf, die eine Eliminierung möglich erscheinen lassen, wie zum Beispiel die Tatsache, dass das Virus spezifisch den Menschen befällt, Transmissionswege bekannt sind und es eine effektive Impfung dagegen gibt. Konkrete, von der WHO etablierte nationale und regionale Hepatitis-Kontrollziele sind sehr hilfreiche Orientierungspunkte. Hierzu zählt bei HBV beispielsweise, die HBV-Impfung von Neugeborenen auszuweiten. Dies ist vor allem relevant für Länder, in welchen die Übertragung des Virus von der Mutter auf das Kind während der Geburt erfolgt. Was jedoch nötig ist, um konkrete Hepatitis-Kontrollziele zu etablieren und deren Erreichung zu messen, sind belastbare Zahlen und Daten zum Beispiel zur Krankheitslast und deren Änderungen im Zeitverlauf. Daran arbeiten wir als Epidemiologen unter anderem mittels Durchführung von sero-epidemiologischen Surveys mit Beprobung und Erfassung relevanter Daten wie dem Impfstatus. Solche Studien sind gerade von Bedarf in Regionen mit hoher geschätzter HBV-Prävalenz, wo jedoch wenige Personen über ihren Krankheitsstand oder ihr Infektionsrisiko Bescheid wissen. Da diese Erhebungen personell und finanziell vieler Ressourcen bedürfen und die Infrastruktur in manchen Ländern erst etabliert werden muss, um diese Studien durchzuführen, ist mehr globale Aufmerksamkeit vor allem hinsichtlich chronischer Hepatitiden nötig.

Quelle: idw/Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung