Hirnmetastasen bei Brustkrebs

Vielversprechende Ergebnisse der Hochpräzisionsbestrahlung



Abhängig von der Zahl der Hirnmetastasen stehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Die sogenannte Radiochirurgie (auch stereotaktische Hochpräzisionsbestrahlung) und die Ganzhirnbestrahlung „mit Hippocampus-Schonung“.

Hohe Effektivität der stereotaktischen Radiochirurgie

Die Radiochirurgie ermöglicht eine punktgenaue, hochdosierte Bestrahlung einzelner Metastasen. Bei der stereotaktischen Hochpräzisionsbestrahlung wird eine hohe Strahlendosis für eine kurze Behandlungsdauer von circa 20 Minuten eingesetzt. Eine Studie [2] zeigte die hohe Effektivität der stereotaktischen Radiochirurgie, sogar bei multiplen Hirnmetastasen bei Brustkrebspatientinnen. „Wir erreichen mit der Radiochirurgie eine lokale komplette Tumorkontrollrate von 50-70 %, bei maximaler Schonung von gesundem Hirngewebe“, erklärt Prof. Grosu. „Bei neu auftretenden Metastasen kann die Behandlung auch wiederholt werden.“

Während bei einer kleineren Zahl lokalisierter Metastasen (4-5 Stück gilt meistens als Grenze) die alleinige Radiochirurgie durchgeführt wird, so wird bei einer höheren Zahl oder wenn erneut immer wieder Metastasen auftreten eher die Ganzhirnbestrahlung empfohlen. Auch dabei ist die Zielsetzung immer lokal-kurativ. Derzeit läuft die multizentrische NOA-14/ARO 2015-3/HIPPORAD-Studie, die von der Deutschen Krebshilfe finanziert wird.

Deutlicher Gewinn an Lebenszeit

Es werden Patienten mit vier bis zehn Hirnmetastasen unterschiedlicher solider Tumoren mit einer Hippocampus-schonenden Ganzhirnbestrahlung behandelt – mit zusätzlichem Boost (das heißt stereotaktische Dosiserhöhung) auf die Metastasen. Verglichen werden die kognitiven Leistungen und morphologischen Hirnveränderungen der Patienten gegenüber einer Behandlung mit Ganzhirnbestrahlung und Boost, jedoch ohne Hippocampus-Schonung. „Wir erhoffen uns zwei Effekte“, so Prof. Anca Grosu, „nämlich eine noch höhere Bestrahlungseffektivität auf die Metastasen bei gleichzeitig weniger neurokognitiven Nebenwirkungen“.

„Insgesamt können Brustkrebspatientinnen mit Hirnmetastasen heute in einer früher ausweglosen Situation durch die moderne Strahlentherapie behandelt werden und gewinnen deutlich an Lebenszeit. In seltenen Fällen kann sogar eine Heilung erreicht werden. Durch die optimale Schonung gesunden Hirngewebes ist die Therapie nebenwirkungsarm“, fasst Budach zusammen.

 

Literatur

  1. RKI/Robert-Koch-Institut: www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebsgeschehen/Krebsges...
  2. Cho E, Rubinstein L, Stevenson P et al. The use of stereotactic radiosurgery for brain metastases from breast cancer: who benefits most? Breast Cancer Res Treat 2015; 149(3): 743-9

 
Quelle: idw/DEGRO, 20.02.2019