Hirnmetastasen bei Brustkrebs

Vielversprechende Ergebnisse der Hochpräzisionsbestrahlung

20-25% aller Brustkrebspatientinnen entwickeln Metastasen. Früher kam die Diagnose von Metastasen oft einem Todesurteil gleich, inzwischen ist es jedoch, auch dank der Strahlentherapie, zu einem Paradigmenwechsel gekommen.

Brustkrebs

Jährlich erkranken mehr als 71.000 Frauen und circa 700 Männer an Brustkrebs. | Sebastian Kaulitzki - Fotolia

„Sogar Hirnmetastasen können heute mit einer kurativen Zielsetzung strahlentherapeutisch behandelt werden“, erklärt Prof. Dr. Anca Grosu, Universitätsklinikum Freiburg. DEGRO-Präsident Prof. Dr. Wilfried Budach, Düsseldorf, ergänzt. „Durch rasante Fortschritte der Technologie sind hoch präzise Bestrahlungen schnell und komfortabel durchführbar. Verschraubungen mit dem Schädelknochen gehören der Vergangenheit an.“

Jährlich erkranken mehr als 71.000 Frauen und circa 700 Männer an Brustkrebs [1]. Ungefähr 316.000 Frauen leben in Deutschland mit einer Brustkrebserkrankung (Zahlen von 2013). Eine Heilung ist heute in 75-80 % der Fälle möglich (in den 60er-Jahren waren es nur 50-60 %). Beim Fortschreiten der Erkrankung bilden sich oft Metastasen, typischerweise in Knochen, Lunge und Leber, aber auch Hirnmetastasen sind relativ häufig (insbesondere bei den sogenannten HER2-Rezeptor-positiven Tumoren).

„Wohingegen die Diagnose von Metastasen früher oft einem Todesurteil gleichkam, können heute Patientinnen mit Hirnmetastasierung relativ lange bei guter Lebensqualität überleben, auch eine Heilung kann noch möglich sein, wenn rechtzeitig mit einer adäquaten Therapie begonnen wird“, erklärt Prof. Grosu. Bei Metastasen von HER2-positiven Tumoren spielt die Antikörpertherapie eine wichtige Rolle, eine systemische Chemotherapie dagegen ist bei Hirnmetastasen häufig unwirksam, da die Substanzen nicht ausreichend bis zu den Krebszellen vordringen (Phänomen der „Blut-Hirn-Schranke“).

Radiochirurgie und Ganzhirnbestrahlung „mit Hippocampus-Schonung“

Bei über 2-3 cm großen Hirnmetastasen ist eine Operation zu überlegen, insbesondere, wenn diese günstig für eine Operation liegen, sodass Folgeschäden unwahrscheinlich sind. Bei kleinen oder ungünstig gelegenen Herden ist die Strahlentherapie die Therapie der Wahl.

Die Strahlentherapie verfügt bei Hirnmetastasen über ein breites therapeutisches Spektrum und ermöglicht oft eine maximale Schonung gesunden Hirngewebes. Die Therapie ist nicht invasiv und daher sicherer für die Patienten als eine Operation. Der Einsatz erfolgt auch in Hirnarealen, die operativ nicht gefahrlos erreicht werden können, zudem ist die Therapie schmerz- und bei kleinen Herden praktisch nebenwirkungsfrei. Moderne Bestrahlungsverfahren sind bei Hirnmetastasen oftmals die effektivste Behandlung.