Medizin

Verbesserungsbedarf bei der kardiovaskulären Bildgebung

Herzerkrankungen
Kli
Bildgebung des Herzens
Minimal invasive radiologische Methoden spielen eine immer wichtigere Rolle bei der Diagnose, Therapiesteuerung und Verlaufskontrolle von Herzerkrankungen. pangoasis – stock.adobe.com
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Wie gut sind herzkranke Patientinnen und Patienten bundesweit mit kardiovaskulären, radiologischen Leistungen versorgt? Die Veröffentlichung „Status der kardiovaskulären Bildgebung in Deutschland“ zeigt, dass es bereits ein dichtes Netz von spezialisierten radiologischen Zentren sowie Expertinnen und Experten in Deutschland gibt – aber auch, wo noch Verbesserungspotenzial besteht.  

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland und beeinträchtigen die Lebensqualität zahlreicher Patientinnen und Patienten. Aktuelle medizinische Leitlinien und wissenschaftliche Veröffentlichungen zeigen, dass bei der Diagnose, Therapiesteuerung und Verlaufskontrolle von Herzerkrankungen minimal invasive radiologische Methoden eine immer wichtigere Rolle spielen – da sie invasive Methoden, wie zum Beispiel die Herzkatheteruntersuchung, in vielen Fällen überflüssig machen. Radiologinnen und Radiologen setzen dabei insbesondere die Magnetresonanztomografie (MRT) und die Computertomografie (CT) ein. „Welches Verfahren gewählt wird, hängt zum einen von der vermuteten Erkrankung beziehungsweise Fragestellung einerseits und den Patientinnen und Patienten andererseits ab“, erklärt Prof. Dr. Claas Philip Nähle, Oberarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Uniklinik Köln. Während die MRT zum Beispiel bei der Diagnostik der Herzmuskelentzündung mittlerweile die Untersuchungsmethode der Wahl ist, rückt die CT zur Abklärung und Therapieplanung von Herzkranzgefäßerkrankungen, die bis zum Herzinfarkt führen können, in den Fokus.

Herzerkrankungen: Dichtes Netz spezialisierter Radiologen

Wie herzkranke Patientinnen und Patienten bundesweit mit radiologischen Leistungen versorgt sind, zeigt die aktuelle Veröffentlichung „Status der kardiovaskulären Bildgebung in Deutschland“. Die Veröffentlichung basiert auf einer Umfrage in radiologischen Abteilungen von Kliniken und niedergelassenen radiologischen Praxen sowie einer Analyse von Daten der Deutschen Röntgengesellschaft und der European Society of Cardiovascular Radiology.

„Das zentrale Ergebnis der Umfrage ist, dass ein dichtes Netz aus radiologischen spezialisierten Zentren und Expertinnen und Experten in ganz Deutschland vorhanden ist, um die unmittelbare Versorgung mit hochqualitativer kardiovaskulärer Bildgebung sicherzustellen“, erklärt Dr. Malte Sieren, Erstautor der Veröffentlichung und Radiologe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. „So haben Patientinnen und Patienten nahezu überall unmittelbaren Zugang zu entsprechender Expertise und auch die Zuweiserinnen und Zuweiser haben lokale radiologische Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner. Bemerkenswert ist vor allem, dass alle Institutionstypen, von der Universitätsklinik bis zur Niederlassung, die Expertise bereitstellen und an der Versorgung teilnehmen. Die Befundung wird dabei sowohl von Radiologinnen und Radiologen als auch in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit den klinischen Kolleginnen und Kollegen durchgeführt.“

Herz-MRT und Herz-CT in den Leistungskatalog der GKV

Das Potenzial der flächendeckenden Verfügbarkeit radiologischer Expertinnen und Experten zur besseren Versorgung herzkranker Patientinnen und Patienten im Bereich der kardiovaskulären Diagnostik ist in Deutschland aber noch lange nicht ausgeschöpft. So könnte die Diagnostik von Herzerkrankungen viel häufiger nichtinvasiv mit radiologischer Schnittbildgebung erfolgen, statt mit für Patientinnen und Patienten deutlich belastenderen Katheteruntersuchungen. So sehen es auch alle aktuellen medizinischen Leitlinien vor.

„Trotz dieser Vorteile können Herz-CT und Herz-MRT aber aufgrund fehlender Vergütungsmöglichkeiten in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht allen Patientinnen und Patienten zugänglich gemacht werden, die laut Leitlinien mit diesen Methoden untersucht werden sollten“, erklärt Prof. Dr. David Maintz, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Uniklinik Köln und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft „Herz- und Gefäßdiagnostik“ in der Deutschen Röntgengesellschaft. „Hier besteht dringender Handlungsbedarf für den Gemeinsamen Bundesausschuss, die Herz-CT und Herz-MRT in den Leistungskatalog der GKV aufzunehmen.“ Dieser Schritt ist nicht nur medizinisch, sondern auch gesundheitsökonomisch sinnvoll, da die CT und die MRT des Herzens deutlich teurere Herzkatheteruntersuchungen und stationäre Aufenthalte ersetzen können.  

Hier finden Sie ein ausführliches Interview zum Thema Herzbildgebung mit Dr. Malte Sieren, Erstautor der Veröffentlichung „Status der kardiovaskulären Bildgebung in Deutschland“ und Radiologe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Prof. Dr. David Maintz, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Uniklinik Köln sowie Prof. Dr. Claas Philip Nähle, Oberarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Uniklinik Köln.


Quelle: DRG, 17.11.2021

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