Universitätsklinikum Regensburg

Neues automatisiertes System zur Labordiagnostik

Das Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) hat ein neues automatisiertes System zur Labordiagnostik in Betrieb genommen. Mithilfe modernster Technik erlaubt es, Blut- oder Urinproben noch effizienter, schneller und sicherer zu untersuchen.

Laborstraße

Mit der neuen Laborstraße erfüllt das Institut für Klinische Chemie die aktuellsten und modernsten Anforderungen in der Labordiagnostik. | UKR/Klaus Völcker

Mehr als 20 Meter Strecke, zweispurig, insgesamt vier Kurven und teilweise übertunnelt. Nein, die Rede ist nicht von einer hochmodernen Autorennbahn, sondern von der neuen Laborstraße des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des UKR. Und dennoch kann man sich bei genauer Betrachtung eines Vergleiches mit dem beliebten Spielzeug nicht verwehren, auch wenn in Technik und Leistung Welten dazwischenliegen. „Rennautos fahren hier natürlich nicht um die Wette, sondern es werden Laborproben auf sogenannten Pucks direkt zu den einzelnen Analysegeräten gebracht und vollautomatisch auf die gewünschten Parameter hin untersucht“, erklärt Institutsleiter Prof. Dr. Ralph Burkhardt.

Drohne

Das Labor Berlin setzt Drohnen für den Transport von Laborproben ein. Zusammen mit Matternet bereitet sich das Labor seit längerem intensiv darauf vor, Laborproben per Drohnen zu transportieren. Damit wird der Grundstein für das erste innerstädtische BVLOS-Netzwerk (beyond visual line of sight) zur Lieferung medizinischer Materialien durch die Luft gesetzt.

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Das erhöht gegenüber den bisherigen Verfahren die zeitliche Effizienz in der Bearbeitung und erleichtert nachhaltig die 24-Stunden-Notfallversorgung, die Versorgung der intensivmedizinischen Patienten sowie die Versorgung der Patienten auf den regulären Stationen und in den Ambulanzen. „Nun sind wir in der Lage, bis zu 900 Proben pro Stunde rund um die Uhr automatisiert zu bearbeiten“, beziffert Prof. Burkhardt den Produktivitätsfortschritt.

Anforderungen an die Labormedizin steigen weiter an

Die Untersuchung von Blut und Urin ist ein essenzieller Faktor für beinahe alle medizinischen Fachbereiche. Je differenzierter die Analyse erfolgt, umso spezifischer können Diagnose und Therapieempfehlung daraus abgeleitet werden. Im Therapieverlauf und in der Nachsorge geben die Laborbefunde dann Aufschluss über den Behandlungserfolg und gegebenenfalls erforderliche Therapieanpassungen. „Mein Team und ich arbeiten zwar nicht direkt am Bett unserer Patienten, dennoch sind wir an etwa zwei Drittel der gestellten Diagnosen maßgeblich beteiligt“, so Burkhardt. Als Grundlage dafür dienen zum Beispiel Parameter wie Entzündungs- und Gerinnungswerte.

Immer komplexere Krankheitsbilder, Notfall- oder Spezialdiagnostik und Forschung. Die Anforderungen an die Labormedizin entwickeln sich stetig weiter. Im UKR werden die Proben nach Eingang im Labor computergesteuert erfasst und geprüft, bevor sie auf ihre vollautomatisierte Reise durch die Laborstraße gehen. Roboterarme heben die Proben von ihren Pucks (Transportvorrichtungen) und geben sie in die Zentrifugen oder teilen die Proben für weitere Untersuchungen auf.

Umbau bei vollem Betrieb durchgeführt

Wenn alle angeforderten Analysen an den Laborgeräten abgeschlossen sind, werden die Probenröhrchen bei vier Grad Celsius in einem angeschlossenen Kühlschrank für sieben Tage eingelagert und danach automatisch entsorgt. Hier können bis zu 13.000 Proben für eine Woche archiviert und bei Bedarf nachuntersucht werden. „Der standardisierte und robotergesteuerte Durchlauf der Proben erlaubt es uns, die Anforderungen der Qualitätssicherung noch effektiver umzusetzen als bisher. Zudem wissen wir zu jedem Zeitpunkt genau, wo sich jede einzelne Probe befindet. Eine medizinische Bewertung und Freigabe der Analyseergebnisse durch unsere Mitarbeiter ist aber trotz der Vollautomatisierung der Laborstraße weiterhin unerlässlich“, berichtet Dr. Petra Lehn, Geschäftsführende Oberärztin des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des UKR.

Nach dem Vergabeverfahren bis hin zur Fertigstellung vergingen 18 Monate, sieben davon wurden allein für den räumlichen Umbau benötigt – und das bei laufendem Betrieb und unter dem Einfluss der Coronavirus-Pandemie. „Es war nicht immer leicht, insbesondere während einer Pandemie den vereinbarten Zeitplan einzuhalten“, sagt Prof. Burkhardt. „Doch dank dem hochmotivierten Laborteam und allen am Umbau Beteiligten haben wir es geschafft und treten nun in eine noch modernere Phase der Labordiagnostik ein.“

Einen Eindruck über die Laborstraße können Sie sich auf der Homepage der Klinischen Chemie verschaffen.


Quelle: idw/UKR, 26.11.2020