Tuberkulose

„Ungenügende Behandlungsmodelle“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) publiziert heute in Washington den Welt-Tuberkulose-Bericht 2017. Ärzte ohne Grenzen kritisiert, dass es beim Einsatz der beiden neuen Tuberkulosemittel im vergangenen Jahr keine signifikanten Fortschritte gegeben hat.

Tuberkulose

Der Bericht „Out of Step” kritisiert die völlig unzureichende Umsetzung der von der WHO empfohlenen Behandlungsmodelle. | Ärzte ohne Grenzen

Ärzte ohne Grenzen und die Allianz „Stop TB Partnership” veröffentlichen gleichzeitig zum Bericht der WHO den Bericht „Out of Step“, der den mangelnden Fortschritt bei der Umsetzung moderner TB-Bekämpfungsprogramme in 29 Ländern weltweit untersucht. Dr. Isaac Chikwanha, der Tuberkulose-Experte der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen, erklärt zur Veröffentlichung der beiden Berichte:

„Wie kann es sein, dass die tödlichste Infektionskrankheit der Welt zwar heilbar ist, aber im vergangenen Jahr fast 1,7 Millionen Menschen daran gestorben sind? Jahr für Jahr treten mehr Fälle resistenter Formen der Tuberkulose auf, aber die Lücke bei der Diagnose dieser Fälle bleibt enorm: Bei vier von fünf Menschen mit resistenter Tuberkulose wird die Krankheit nicht diagnostiziert, und nur die Hälfte derjenigen, die behandelt werden, wird geheilt. Zwei neuere Medikamente zur Behandlung von resistenter Tuberkulose – Bedaquilin und Delamanid – sind seit fünf Jahren erhältlich und könnten helfen, Leben zu retten. Jedoch bekommen weniger als fünf Prozent der Menschen, die diese Medikamente benötigen, sie auch tatsächlich. Im Jahr 2016 verbesserte sich die Versorgung im Vergleich zu 2015 nicht.

Der Bericht „Out of Step“ von Ärzte ohne Grenzen und „Stop TB Partnership“ zeigt: Alle Länder mit vielen Tuberkulosepatienten setzen die von der WHO empfohlenen Behandlungsmodelle und -instrumente völlig ungenügend um.

Globale Konferenz zur Beendigung von Tuberkulose

Nächsten Monat werden die Gesundheitsminister in Moskau zur allerersten globalen Konferenz der Gesundheitsminister zur Beendigung von Tuberkulose zusammenkommen. Im September 2018 werden die Staats- und Regierungschefs dann die Gelegenheit haben, am Rande der UN-Generalversammlung in New York am „UN High-Level Meeting on TB“ teilzunehmen – ebenfalls das erste seiner Art.

Ist es möglich, dass der Tuberkulose langsam die Bedeutung beigemessen wird, die nötig ist? Es muss bei diesen Treffen ein ernsthaftes Bekenntnis geben, bei der Tuberkulosebekämpfung die entscheidende Wende zu schaffen. Länder mit vielen Tuberkulosepatienten müssen sich der Herausforderung stellen, den Zugang zu Diagnose und Behandlung deutlich auszuweiten. Dazu gehören auch neue Behandlungsformen für resistente Tuberkulose. Die Regierungen müssen die Anstrengungen priorisieren, neue Behandlungsregime zu entwickeln, die gegen alle Formen der Tuberkulose wirken. Worauf warten wir noch?“

Quelle: Ärzte ohne Grenzen, 30.11.2017