"Mit Blut- zur Datenspende"

Umfassende Bestimmung der SARS-CoV-2-Seroprävalenz

Die flächendeckende Testung von Blutspendern bietet, so der DRK-Blutspendedienst West, die einzigartige Möglichkeit einer umfassenden und kontinuierlichen Bestimmung der SARS-CoV-2-Seroprävalenz in Deutschland.

"Mit Blut- zur Datenspende"

Zentrallabor des DRK-Blutspendedienstes West in Hagen, in welchem täglich bis zu 3.500 Blutspenden auf verschiedene Infektionserkrankungen getestet werden | DRK-Blutspendedienst West

Es ist in Deutschland bisher strittig, ob und wenn in welcher Breite Antikörpertestungen auf SARS-CoV-2 Sinn ergeben. Die Initiative "Mit Blut- zur Datenspende" des DRK-Blutspendedienst West setzt auf die etablierten Blutspendestrukturen und Kompetenzen der professionellen Einrichtungen ebenso wie auf die hohe intrinsische Motivation der vielen Blutspender in Deutschland. Eine deutliche Verbesserung der Datenlage zur Immunitätsperspektive ergebe sich durch die Verbindung von standardmäßiger Blutspende mit dem spezifischen Forschungsanliegen der Datengenerierung des Antikörperstatus in der statistischen Breite und mit der entsprechenden Nachhaltigkeit.

Coronavirus: Blutspenden

Viele Menschen sind den zu Beginn der Coronavirus-Epidemie gestarteten Aufrufen zur Blutspende gefolgt: Die Zahl der Spender ist deutschlandweit erfreulich gestiegen. Die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) ruft weiterhin zur regelmäßigen Blutspende auf, trotz und gerade in Zeiten der Coronavirus-Krise.

weiterlesen

Der „Innovationskreis Blutspendewesen“ des DRK-Blutspendedienstes West bündelt seine internen Kompetenzen und Erfahrungen mit dem Ziel der Förderung von innovativen Weiterentwicklungen des Blutspendewesens und ist eine Plattform für innovative Forschungsinitiativen und Ideen. Die Innovationskreis-Mitglieder PD Dr. med. Thomas Zeiler und Prof. Dr. phil. Stefan Heinemann setzten sich in einer umfangreichen Ausarbeitung mit einer möglichen flächendeckenden Testung von Blutspendern auseinander.

NRW: Mehr als 5.000 Blutspendetermine geplant

Denn: Die flächendeckende Testung von Blutspendern biete die einzigartige Möglichkeit einer umfassenden und kontinuierlichen Bestimmung der SARS-CoV-2-Seroprävalenz in Deutschland und das mit einem geringen Aufwand innerhalb bereits bestehender Strukturen. In Deutschland sind, so der DRK-Blutspendedienst West, nur sehr wenige Strukturen verfügbar, die in einer solchen Breite und Tiefe Menschen unterschiedlichen Alters und Herkunft erreichen könnten und das mit der notwendigen fachlichen Qualität der Methoden und einer entsprechenden Glaubwürdigkeit.

Um die Dimension aufzuzeigen, in der die SARS-CoV 2-Antikörpertestungen innerhalb der Blutspendetermine des DRK durchführbar wären, sei exemplarisch nur auf die Blutspendetermine des DRK-Blutspendedienstes West verwiesen, welcher für die Versorgung der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland zuständig ist: Allein in NRW sind für das Jahr 2020 in der Zeit vom 1.6.2020 bis zum 31.12.2020 (2. Halbjahr) noch mehr als 5.000 Blutspendetermine mit erwarteten 361.400 Spenderinnen und Spendern geplant. Würden die Spenden aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland ebenfalls eingeschlossen, dann wären es in diesem Zeitraum sogar mehr als 6.460 Blutspendetermine mit rund 472.500 Spenderinnen und Spendern.

"Blut wird überall in Deutschland gespendet"

PD Dr. med. Thomas Zeiler: "Warum nicht alle Blutspenderinnen und Blutspender auf SARS-CoV-2 Antikörper turnusmäßig breit testen? Blut wird überall in Deutschland gespendet, jeden Tag und die Blutspenderinnen und Blutspender stellen einen soliden Querschnitt der Bevölkerung im Alter von 18 bis 75 Jahren dar, die oft mehrfach Blut spenden aus intrinsischer Motivation und für eine solche besondere Datenspende sicher zu begeistern sind.“ Ein möglicher resultierender "Seroprävalenz- oder Immunitätsmonitor" wäre auf Nachhaltigkeit hin anzulegen.

Der Ärztliche Geschäftsführer des DRK-Blutspendedienstes West, Priv. Doz. Dr. med. Thomas Zeiler und Prof. Dr. phil. Stefan Heinemann, FOM Hochschule/Universitätsmedizin Essen (Ökonomie, Ethik, Digitalisierung, digitale Medizin), haben sich im wissenschaftlichen Aufsatz „Mit Blut- zur Datenspende: Erkenntnis- und Lösungspotenziale einer breiten SARS-CoV-2 Antikörpertestung als integraler Bestandteil der Blutspende“ mit der beschriebenen Grundproblematik auseinandergesetzt und schlagen Lösungen vor.

 
Quelle: DRK-Blutspendedienst West, 14.07.2020