Wissenschaftsorganisationen

„Tierversuche verstehen“

Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen startet eine Informationsinitiative zu tierexperimenteller Forschung.

Tierversuche

Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen stellte in Berlin ihr gemeinsames Projekt „Tierversuche verstehen“ vor. | Tierversuche verstehen.de/Michael Berger

Die Wissenschaft in Deutschland will mit einer neuen Initiative Tierversuche in der Forschung informieren. Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen stellte dazu heute in Berlin ihr gemeinsames Projekt „Tierversuche verstehen“ vor. Dieses bietet auf einer Internetplattform und über die sozialen Medien vielfältiges Informationsmaterial an, vermittelt Experten und ermöglicht interaktiv Diskussionen.
„Wir betrachten es als unsere gesellschaftliche Verantwortung, nicht nur die biomedizinische Forschung selbst zu fördern, sondern auch die Kommunikation darüber“, sagte Jörg Hacker, der Präsident der in diesem Jahr in der Allianz der Wissenschaftsorganisationen federführenden Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, bei der Vorstellung der Initiative im WissenschaftsForum Berlin.

Hacker unterstrich den Anspruch und die Bereitschaft der Wissenschaft, auch zu kontroversen und häufig emotional diskutierten Themen wie dem Einsatz von Versuchstieren Stellung zu beziehen. „Wir haben in der Vergangenheit immer wieder festgestellt, dass sich festgefügte Positionen zu Tierversuchen bewegen und Vorurteile auflösen, wenn wir mit Öffentlichkeit und Medien einen aktiven Dialog führen“, so Hacker. „Dies wollen wir nun noch intensiver tun.“

Entwicklung von Ergänzungs- und Alternativmethoden

Die neue Initiative wolle „Sorgen und Fragen zu Tierversuchen ernst nehmen und die Grundlage dafür schaffen, dass sich unterschiedliche Zielgruppen auf Basis solider und umfassender Informationen mit dem Thema auseinander setzen können", betonte Stefan Treue, Präsidiumsbeauftragter für Tierschutzfragen der Leibniz-Gemeinschaft und Sprecher der Initiative. Untersuchungen an Tieren seien vor allem in der Grundlagenforschung in vielen Bereichen nach wie vor unverzichtbar, weil sich nur mit ihrer Hilfe komplexe Vorgänge im Organismus abbilden ließen. Gerade dadurch würden sie jedoch vielfach zum Ausgangspunkt für herausragende wissenschaftliche Erkenntnisse sowie für Fortschritte in der medizinischen Versorgung und Verbesserungen der Lebensqualität der Menschen

„Der Impfstoff gegen Kinderlähmung basiert auf Untersuchungen, die ein halbes Jahrhundert vorher durchgeführt wurden. Aids war in den 1980er-Jahren mit einer Lebenserwartung von einem Jahr verbunden, heute ist die Immunschwäche eine behandelbare chronische Erkrankung“, nannte Treue zwei Beispiele. Aktuell zeige der Kampf gegen das Zika-Virus die Notwendigkeit solcher Forschungen. Gleichwohl gelte es, die Belastung von Versuchstieren auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Die Entwicklung von Ergänzungs- und Alternativmethoden sei daher ein wichtiges Anliegen der Wissenschaft.

Über diese und zahlreiche weitere Aspekte will die Initiative ab sofort vor allem auf einer eigens gestalteten Internetplattform informieren.


Quelle: Allianz der Wissenschaftsorganisationen, 06.09.2016