BfR-Auswertung

Tierversuche im Zeichen der Coronapandemie

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Zentrums zum Schutz von Versuchstieren (Bf3R) am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) haben ermittelt, in welchem Umfang Versuchstiere für die Coronaforschung verwendet wurden.

Tierversuche

An erster Stelle unter den Coronaversuchstieren steht mit 89,5 Prozent die Maus. | filin174 – stock.adobe.com

Wie die Forschenden im Fachblatt „Embo Reports“ berichten, wurden in den ersten 17 Monaten der Pandemie 61.389 Versuchstiere für 102 Forschungsprojekte in Deutschland genehmigt. Das entspricht 2,1 Prozent der in diesem Zeitraum genehmigten Tierversuchsvorhaben (insgesamt 4.893 Projekte) und 0,8 Prozent der verwendeten Tiere.

DynaMiTES (Dynamic Micro Tissue Engineering System)

In zwei neuen Projekten wollen Forscherinnen und Forscher der TU Braunschweig menschliche Nasenschleimhaut- und Augenhornhautmodelle entwickeln. Beide Testsysteme sollen verlässlichere Aussagen als herkömmliche Verfahren liefern und helfen, Tierversuche zu vermeiden.

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Im Jahr 2018 wurde in Deutschland der Einsatz von 7,2 Millionen Tieren genehmigt, 2019 waren es 7,7 Millionen. Im Coronajahr 2020 sank die Zahl auf 5,8 Millionen. Momentan wird für 2021 mit einem weiteren Rückgang auf 4,7 Millionen Versuchstiere gerechnet. Grundlage der BfR-Auswertung ist die frei zugängliche Datenbank www.animaltestinfo.de. In ihr informieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler allgemeinverständlich über die von ihnen geplanten Tierversuche. Ein Eintrag in der Datenbank ist gesetzlich vorgeschrieben.

Gut geeignet für die Coronaforschung sind Hamster

An erster Stelle unter den Coronaversuchstieren steht mit 89,5 Prozent die Maus, gefolgt von Hamster (7,3 Prozent), Ratte (1,5 Prozent), Meerschweinchen (1,2 Prozent), Frettchen (0,3 Prozent), Affe (0,06 Prozent) und Hausschwein (0,05 Prozent). Diese Zahlen überraschen, weil sich die normale Labormaus nicht mit dem Pandemieerreger SARS-CoV-2 infiziert. Das Virus bindet sich zunächst an das in der Zellhülle verankerte Eiweiß ACE2. Bei Mäusezellen ist diese Bindung jedoch viel geringer als bei menschlichen Zellen, sodass sie in der Regel nicht erkranken. Allerdings eignen sich die Tiere unter bestimmten Bedingungen, wie zum Beispiel nach gentechnischen Veränderungen der Maus oder des Virus, als Modell für SARS-CoV-2. Zudem können Impfstoffe auch an Mäusen getestet werden, auch wenn diese nicht erkranken.

Gut geeignet für die Coronaforschung sind Hamster. Bei ihnen läuft eine Infektion ähnlich wie beim Menschen ab. Vor allem bei der Impfstoffentwicklung sind sie deshalb von Bedeutung. Die Zahl der Forschungsvorhaben mit Hamstern hat sich dementsprechend verdreifacht. Ebenfalls einsetzbar sind Frettchen, an denen sich die Übertragbarkeit und die Krankheitsmechanismen von SARS-CoV-2 sehr gut studieren lassen. Keine große Rolle spielen in Deutschland Versuche an Primaten.

 

Quelle: BfR, 07.10.2021