Tagung der Tropenveterinärmedizin

Tiermedizin in Zeiten weltweiter Krisen

Vom 4. bis 8. September kommen Wissenschaftler aus mehr als 55 Ländern zu einer von der Freien Universität Berlin organisierten Fachtagung zusammen.

tropische Buntzecke Amblyomma variegatum

Die tropische Buntzecke Amblyomma variegatum vor und nach der Fütterung | A. Nijhof

Ob Schweinepest oder Blauzungenkrankheit: Weder Tierseuchen noch die Überträger von Erregern – wie Insekten oder Zecken – machen halt vor Ländergrenzen. In Anbetracht grenzüberschreitender Probleme kommen Anfang September mehr als 250 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Tropenveterinärmedizin und der Internationalen Tiergesundheit in Berlin zusammen, um gemeinsam neue Konzepte für Lehre und Forschung zu entwickeln. Die Tagung beschäftigt sich unter anderem mit folgenden Fragen: Was kann die Veterinärmedizin gegen die zunehmend beobachteten Antibiotika-Resistenzen von Tier und Mensch tun? Wie lässt sich die Ausbreitung von Infektionen durch Insekten und Zecken eindämmen? Welche Rolle spielt der Klimawandel bei der Ausbreitung von Tierseuchen? Wie lassen sich Erkrankungen durch infizierte tierische Lebensmittel verhindern?

Breite Organisation der Konferenz

Die Konferenz Tropical Animal Diseases and Veterinary Public Health: Joining Forces to Meet Future Global Challenges (Tropische Tierkrankheiten und öffentliches Veterinärwesen: Mit vereinten Kräften globalen Herausforderungen begegnen) wird organisiert vom Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin sowie dem Centre for Veterinary Public Health am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin, das durch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen als FAO-Referenzzentrum anerkannt ist. Mitveranstalter sind das Friedrich-Loeffler-Institut / Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, das Bundesinstitut für Risikobewertung, die Lebenswissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, Tierärzte ohne Grenzen e.V. und die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft. Veranstaltungsort ist die Humboldt-Universität zu Berlin. Die Konferenzsprache ist Englisch.

Suche nach gemeinsamen Lösungsansätzen

Die Konferenz steht erstmals unter der gemeinsamen Schirmherrschaft der Association of Institutions for Tropical Veterinary Medicine (AITVM) und der Society for Tropical Veterinary Medicine (STVM). Sie ist die bisher größte ihrer Art. In Podiumsdiskussionen, wissenschaftlichen Vorträgen, Poster-Präsentationen und Exkursionen zu wissenschaftlichen Einrichtungen in der Region, wie dem Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK) und dem Leibniz Centre for Agricultural Landscape Research (ZALF) in Müncheberg, suchen die Wissenschaftler nach gemeinsamen Lösungsansätzen für drängende Probleme der internationalen Tiermedizin. Die Teilnehmer und Referenten der Tagung kommen unter anderem aus Ägypten, dem Sudan oder Thailand. Hier eine Auswahl der Konferenzthemen und Ansprechpartner:

Ausbreitung von Tierseuchen

Das Risiko der weltweiten Ausbreitung von Tierseuchen ist unter anderem durch den internationalen Handel mit Tieren und tierischen Produkten gestiegen. Der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche 2001 in England, Ausbrüche der klassischen Schweinepest in Mitteleuropa oder der Vogelgrippe haben gezeigt, dass Seuchen nicht vor Ländergrenzen haltmachen. Die zunehmende Verbreitung von Insekten sowie der von ihnen übertragenen Krankheitserreger werten Wissenschaftler auch als Folge der Globalisierung und Zeichen einer fortschreitenden Klimaerwärmung. So kam es erstmals vor 10 Jahren in Mitteleuropa zum Ausbruch der Blauzungenkrankheit und 2011 zur Infektion mit dem Schmallenberg-Virus bei Rindern und kleinen Wiederkäuern, die durch hier heimische Gnitzen (kleine Stechmücken) übertragen werden.

Künstliches Fütterungssystem
Künstliches Fütterungssystem von Schildzecken. K. Seidl

Wirkstoffresistenzen, Medikamenten- Antibiotikaresistenz

Forscher weltweit stellen fest, dass bei mehr und mehr Tieren Mittel wie Antibiotika, Insektizide oder Medikamente gegen Wurmbefall wirkungslos bleiben. Erhöhte Wirkstoffresistenzen erfordern auch bei der Bekämpfung von Zecken und Insekten alternative Lösungsansätze. Viele Vorträge der Tagung beschäftigen sich mit der Entwicklung von Impfstoffen gegen Zecken, aber auch mit der Entwicklung von Impfstoffen, die eine simultane Wirkung gegenüber Zecken und den von ihnen übertragenen Erregern entfalten. Vortrag von Jaap A. Wagenaar, David C. Speksnijder, Dick Heederik: The emerging threat of antimicrobial resistance and interventions: antibiotic stewardship in animal production.

Bei der künstlichen Zeckenfütterung simulieren Forscher der Freien Universität mit einer dünnen Schicht aus Silikon ein Stück Haut. Das Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin erforscht, wie Zecken Krankheiten übertragen und welche Medikamente vor Zeckenbefall schützen.

Erkrankungen durch infizierte Lebensmittel

Der weltweit zunehmende Handel mit tierischen Produkten erhöht die Gefahr der Verbreitung von Erkrankungen durch infizierte Lebensmittel und Lebensmittelvergiftungen über Grenzen hinweg.

Zur Eröffnungsveranstaltung am 5. September um 9.00 Uhr im Audimax der Humboldt-Universität (Unter den Linden 6, 10099, Berlin) haben Ihre Teilnahme zugesagt die Präsidenten der AITVM und der STVM, der Dekan der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Bernhard Grimm, und der Dekan des Fachbereiches Veterinärmedizin an der Freien Universität, Prof. Dr. Jürgen Zentek. Frau Dr. Maria Flachsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), wird die internationalen Gäste begrüßen und die Tagung eröffnen. (idw, red)