Parkinson

Tiefe Hirnstimulation bei Verhaltensauffälligkeiten

Bleibt der Effekt der Tiefen Hirnstimulation positiv oder schadet sie eher, wenn Patienten gleichzeitig krankheitstypische Verhaltensauffälligkeiten zeigen? Zu dieser Frage liefert die Publikation eines deutsch-französischen Forschungsverbunds in dem Fachjournal „The Lancet Neurology“ nun einen wesentlichen Beitrag.

Tiefe Hirnstimulation

Die Dosis der dopaminergen Medikamente konnte durch die Tiefe Hirnstimulation um durchschnittlich 39 Prozent reduziert werden. | gorbovoi81_stock.adobe.com

Verhaltensauffälligkeiten bei Parkinsonpatienten sind verbreitet und oft direkt abhängig von der therapeutisch notwendigen Medikation, die den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen muss. Dass Patienten mit Bewegungsstörungen bereits in einem frühen Stadium der Erkrankung von der Tiefen Hirnstimulation profitieren, hatte 2013 bereits die EARLYSTIM-Studie gezeigt. Bleibt der Effekt der Tiefen Hirnstimulation aber positiv oder schadet sie eher, wenn Patienten gleichzeitig krankheitstypische Verhaltensauffälligkeiten zeigen? Zu dieser Frage liefert die Publikation eines deutsch-französischen Forschungsverbunds in dem renommierten Fachjournal „The Lancet Neurology“ nun einen wesentlichen Beitrag und trägt damit zur Klärung bei (EARLYSTIM-Folgestudie).

Tiefe Hirnstimulation

Die Leopoldina hat ein Diskussionspapier zur Tiefen Hirnstimulation bei psychischen Erkrankungen wie Zwangsstörungen und Depressionen vorgelegt.

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Morbus Parkinson gehört zu den häufigsten Krankheiten des Nervensystems weltweit. In Deutschland geht man von einer Gesamtzahl von circa 220.000 Parkinson-Patienten aus. Auf Grundlage der EARLYSTIM-Studie, in der 251 Teilnehmer an 17 Zentren in Frankreich und Deutschland über einen Zeitraum von zwei Jahren untersucht worden waren, haben die Autoren, aus Düsseldorf Prof. Dr. Alfons Schnitzer und PD Dr. Lars Wojtecki, Institut für Klinische Neurowissenschaften und Medizinische Psychologie, die Wirkung der Tiefen Hirnstimulation auf verhaltensauffällige Patienten untersucht.

Solche Auffälligkeiten – beeinträchtigte Impulskontrolle, nächtliche Hyperaktivität, depressive Verstimmung und Angst – können direkte Folgen entweder des Dopaminmangel oder eines Dopaminüberschusses sein. Die Dosierung der notwendigen Medikamente wiederum ist in erster Linie abhängig vom Stadium der Erkrankung beziehungsweise der Ausprägung und Behandlungsbedürftigkeit der Symptome zum Beispiel der typischen Bewegungsstörungen.

Alle Patienten der EARLYSTIM-Studie litten unter früh einsetzenden Bewegungsstörungen. Die Hälfte der Studienteilnehmer wurde mit Tiefer Hirnstimulation plus medikamentöser Therapie, die andere nur medikamentös behandelt. Im Ergebnis verbesserten sich die Verhaltensstörungen bei Patienten mit Dopaminüberschuss signifikant (Ardouin Scale) bei Behandlung mit Medikamenten plus Tiefer Hirnstimulation im Gegensatz zur alleinigen Medikamententherapie, wo sich die Symptome verschlechterten. Die Dosis der dopaminergen Medikamente konnte durch die Tiefe Hirnstimulation um durchschnittlich 39 Prozent reduziert werden.

Bei Patienten mit Störungen aufgrund von zu wenig Dopamin blieben die Verhaltensauffälligkeiten etwa gleich. Eine Verschlechterung der psychischen Situation wird also durch die Tiefe Hirnstimulation an sich nicht ausgelöst.

Aufgrund der heute klugen Dosierung der Medikamente und der trainierteren Wahrnehmung, wann eine therapeutische Anpassung der Dosierung notwendig wird, gehen, so ein Fachkommentar in The Lancet Neurology zu der Studie, behandlungsabhängige Komplikationen zurück. Gleichzeitig werden weitere Therapieoptionen geprüft.



Quelle: Universitätsklinikum Düsseldorf, 01.03.2018