Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Therapieplätze sind rar

Eines der zentralen Themen des diesjährigen Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie befasst sich mit der Erstbehandlung psychisch Erkrankter.

Psychosomatische Medizin

Psychische Störungen sind mittlerweile der zweithäufigste Grund für krankheitsbedingte Arbeitsausfälle. | Fotolia/Gina Sanders

Psychische Störungen sind längst mehr als nur individuelles Schicksal. Sie rücken zunehmend als gesamtgesellschaftliches Thema in den Fokus. So sind nach Erhebungen der Bundespsychotherapeutenkammer psychische Störungen mittlerweile der zweithäufigste Grund für krankheitsbedingte Arbeitsausfälle und der häufigste Grund für Frühverrentung.

„Die Psychosomatische Medizin und Psychotherapie gehört zu den am stärksten wachsenden Fachgebieten“, sagt Kongresspräsident Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Bernd Löwe, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des UKE Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Chefarzt an der Schön Klinik Hamburg Eilbek. „In den Jahren von 2010 bis 2016 etwa stieg die Zahl der stationären psychosomatischen Therapieplätze in den Krankenhausplänen bundesweit um 21 Prozent – dennoch reichen diese Kapazitäten weiterhin nicht, um alle Patienten so zeitnah zu versorgen, wie es notwendig wäre.“

Eines der zentralen Themen des diesjährigen Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie befasst sich mit der Erstbehandlung psychisch Erkrankter: Bei gesundheitlichen Problemen – auch bei psychischen – ist gewöhnlich die Hausärztin oder der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Tatsächlich wird ein Großteil der Menschen mit psychischen Krankheiten sogar ausschließlich von Hausärztinnen und Hausärzten behandelt – auch weil Therapieplätze rar sind.

„Dieser Umstand wirft Fragen auf, mit denen wir uns beschäftigen müssen: Wie gut sind Menschen mit Depressionen, Ess- und Angststörungen bei Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmedizinern aufgehoben? Welche psychischen Erkrankungen können in der hausärztlichen Versorgung wirksam behandelt werden? Und wann ist eine Behandlung beim Facharzt oder der Fachärztin für Psychosomatische Medizin oder Psychotherapeuten unausweichlich?“, so Kongresspräsident Löwe. „Diese Fragen werden wir im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Psychotherapeuten, Allgemeimedizinern sowie Patienten- und Kassenvertretern diskutieren.“

Die Psyche als Auslöser körperlicher Beschwerden

Das wissenschaftliche Programm des Kongresses deckt das gesamte Spektrum der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie ab: Von den neuesten Standards bei Diagnostik und Behandlung von Depressionen, psychosomatischen und somatopsychischen Erkrankungen, bei Angst- und Zwangserkrankungen, Essstörungen sowie süchtigem oder impulsivem Verhalten bis hin zu aktuellen Erkenntnissen über die Wechselwirkung zwischen Psyche und Soma.

So befassen sich verschiedene Veranstaltungen mit den psychischen Belastungen, die mit chronischen Krankheiten oder Krebs einhergehen und beleuchten, inwieweit die Psyche den Verlauf dieser Erkrankungen positiv beziehungsweise negativ beeinflussen kann. Auch diskutieren die Expertinnen und Experten über die Frage nach der Psyche als (Mit)-Auslöser körperlicher Beschwerden wie beispielsweise dem Reizdarmsyndrom.

Informationen

Der gemeinsame Kongress des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM) und der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und ärztliche Psychotherapie (DGPM) findet unter dem Kongressmotto „Psyche-Soma. Mensch-System.“ vom 22. bis 24. März 2017 im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin statt. Die Eröffnungsveranstaltung am 22. März ist öffentlich. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe spricht dort zum Thema „Zukünftige Versorgung von Patienten mit psychischen und psychosomatischen Störungen in Deutschland: Perspektiven für die nächsten zehn Jahre“. Interessierte sind herzlich eingeladen, die Eröffnungsveranstaltung zu besuchen.



Quelle: Deutscher Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, 14.03.2017