Telemedizin

Tele-Neurologie wird in Vorpommern ausgeweitet

Neben dem Sana-Krankenhaus Bergen (Insel Rügen) werden auch die Klinik in Teterow und eine Hausarztpraxis in Anklam mit der UMG vernetzt.

Tele-Stroke-Netzwerk

Minister lässt sich von Oberärztin Dr. Bernadette Gaida die Funktionsweise des Tele-Stroke-Netzwerkes erklären. | UMG/Angelika Ilgert

Seit dem vergangenen Jahr ist das Sana-Krankenhaus Bergen auf der Insel Rügen mittels Tele Stroke probeweise direkt mit den Schlaganfallexperten an der Universitätsmedizin Greifswald verbunden. Die erfolgreiche telemedizinische Brücke soll nun auf Initiative der Neurologischen Klinik auf weitere Standorte und medizinische Anwendungsfelder in Vorpommern ausgeweitet werden, erstmals auch auf eine hausärztliche Praxis in Anklam.

Der Minister für Wirtschaft, Bau und Tourismus, Harry Glawe, hat sich in der vergangenen Woche über das Tele-Stroke-Netzwerk an der Universitätsmedizin Greifswald informiert und einen Zuwendungsbescheid an den Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie, Prof. Christof Kessler, übergeben. „Mit der Unterstützung des Projektes der Universitätsmedizin Greifswald fördern wir den gezielten Ausbau der Tele-Neurologie. Das ist ein innovativer, patientenorientierter Ansatz für die bessere Versorgung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Menschen mit neurologischen Erkrankungen in Kliniken ohne entsprechende Fachabteilungen können so mit Hilfe modernster Kommunikationstechnologien durch die Universitätsmedizin Greifswald schnellstmöglich fachärztlich versorgt werden“, sagte Glawe.

Wirtschaftsministerium unterstützt Machbarkeitsstudie

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie soll geprüft werden, inwieweit Tele-Neurologie auch in einer Allgemeinpraxis fachärztliche Versorgungslücken schließen und die Behandlungsqualität für neurologisch erkrankte Patienten verbessert werden kann. „Die Ergebnisse können über die Grenzen von Mecklenburg-Vorpommern hinaus von wesentlicher Bedeutung sein, da es sich um ein Modellprojekt handelt“, unterstrich Glawe. Das Wirtschaftsministerium fördert das Vorhaben mit einer Laufzeit von zwei Jahren in Höhe von 90.000 Euro aus Landesmitteln. Die Neurologie der Universitätsmedizin Greifswald ist ein Zentrum mit einer überregionalen Schlaganfallstation (Stroke Unit), einem überregionalen Epilepsie-Zentrum mit Video-Überwachung und einer Epilepsiechirurgie, dem Muskelzentrum Mecklenburg-Vorpommern sowie einem Zentrum für Bewegungsstörungen (z. B. Parkinsonerkrankungen).

Lücken auf dem Land schließen

„Die Neurologische Klinik der Universitätsmedizin Greifswald ist dabei, mit Hilfe der Telemedizin Lücken in der fachärztlichen Versorgung in unserem Land zu schließen“, erklärte Professor Christof Kessler. „Auf dem Weg zum Gesundheitsland Nummer eins ist auch eine optimale ärztliche Versorgung anzustreben. Als Flächenland hat Mecklenburg-Vorpommern das Problem der weiten Wege, so dass die Patienten größere Strecken zurücklegen müssen, um zum nächsten Facharzt zu kommen. Ferner müssen in den Sommermonaten zusätzlich eine hohe Anzahl von Touristen mitversorgt werden. Gerade beim Schlaganfall und ähnlichen Akutfällen kommt es jedoch auf jede Sekunde an, um das Überleben zu sichern und Langzeitschäden zu verhindern.“

Patient, Hausarzt und Neurologe in der Telekonferenz

Das teleneurologische Konzept sieht vor, dass Schlaganfallpatienten, die in Kliniken ohne neurologische Fachabteilung aufgenommen werden, umgehend den Experten des Greifswalder Schlaganfallzentrums per Videoschaltung vorgestellt werden. Anschließend wird entschieden, ob der Patient in der dortigen Klinik bleiben kann oder per Hubschrauber bzw. Notarztwagen zur Intensivbehandlung in die Neurologische Universitätsklinik verlegt werden muss.

„Seit einem Jahr testen wir das sehr erfolgreich mit dem Sana-Krankenhaus Bergen auf Rügen“, sagte Kessler. „Nun gilt es, diesen Ansatz zu verstetigen. Durch die Anbindung an ein überregionales Zentrum wird es ermöglicht, rund um die die Uhr akute neurologische Erkrankungen zu diagnostizieren und zu behandeln. Das Netzwerk stärkt zudem die hoch frequentierte Tourismusregion Rügen.“