Telemedizin

TELE-KASPER soll Einsatz von Antibiotika bei Kindern verringern

Das Projekt TELE-KASPER soll mittels Telemedizin und einer App die Antibiotikagabe bei Kindern optimieren und den Verbrauch um mindestens 20 Prozent reduzieren.

 

TELE-KASPER

Telemedizinisches Konsil zur infektiologischen Beratung: Prof. Hübner (links) und Dr. von Both (rechts) im Gespräch mit der Kollegin Angelika Ihling vom Universitätsklinikum Halle | LMU Klinikum

Noch immer werden in deutschen Kinderkliniken und Kinderarztpraxen zu häufig und oft unnötig Antibiotika verschrieben. Ein interdisziplinäres Team um Prof. Dr. Johannes Hübner, Infektiologe im Dr. von Haunerschen Kinderspital am LMU Klinikum München, möchte dies gemeinsam mit Kollegen des Universitätsklinikums Halle (Saale) ändern: Die Experten haben ein Projekt namens TELE-KASPER initiiert, das mittels Telemedizin und einer App die Antibiotika-Gabe bei Kindern optimieren und den Verbrauch um mindestens 20 Prozent reduzieren soll.

künstliche Intelligenz

Neue Technologien können für eine deutliche Verbesserung der Krankenversorgung auch außerhalb von Gesundheitseinrichtungen sorgen. So kann Telemedizin nachweislich die Lebenserwartung und Lebensqualität von Hochrisikopatienten mit Herzschwäche steigern und Krankenhausaufenthalte verkürzen. Bisher können einzelne Telemedizinzentren aber nicht mehr als 750 Patienten aus der Ferne betreuen – dabei ist der Bedarf sehr viel größer.

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TELE-KASPER steht für „Telemedizinisches Kompetenznetzwerk Antibiotic Stewardship in Pediatrics“. Mit diesem Projekt wollen vier deutsche Universitätskinderkliniken mittelfristig den Antibiotika-Einsatz bei Kindern um mindestens 20 Prozent verringern. Beteiligt sind daran primär das LMU Klinikum München, das Universitätsklinikum Halle (Saale), das Universitätsklinikum Essen und das Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg sowie weitere Partner, wie regionale Krankenhäuser sowie die AOK Bayern.

Reduzierung von Antibiotika um 50 Prozent

 In der Kinderklinik und Kinderpoliklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital des LMU Klinikums existiert bereits seit acht Jahren ein Antibiotic Stewardship (ABS) Programm: Ein interdisziplinäres Team aus pädiatrischen Infektiologen, Apothekern und Statistikern konnte in der Haunerschen Kinderklinik die Verschreibung von Antibiotika bereits erfolgreich um 50 Prozent reduzieren. „Dies hat uns gezeigt, dass wir mit unserem Ansatz den Antibiotikaverbrauch deutlich herunterfahren können, zum Wohle unserer kleinen Patientinnen und Patienten“, sagt Prof. Johannes Hübner, Konsortialführer des Projekts.

„Nun möchten wir gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus Halle, Essen und Homburg das Konzept in der Regelversorgung etablieren und hoffen darauf, dass uns dies mit unserem interdisziplinären Ansatz gelingen wird. Unsere Erfahrung zeigt uns, dass der Bedarf definitiv da ist und das wir handeln müssen“, ergänzt Prof. Hübner, Leiter der Abteilung für Infektiologie im Dr. von Haunerschen Kinderspital.

Pilotphase: Zehn Kinderkliniken im Münchner Umland

In der Pilotphase wird das Expertenteam der Haunerschen Kinderklinik zehn Kinderkliniken im Münchner Umland über 27 Monate hinweg beraten. Das gleiche wird auch in den anderen Standorten mit insgesamt 35 Kliniken aus der jeweiligen Umgebung durchgeführt. „Geplant ist, ein infektiologisches Netzwerk aufzubauen und eine App zu entwickeln. Mittels Telemedizin und App als Kommunikationsmittel können sich Kinderärztinnen und -ärzte der teilnehmenden umliegenden Krankenhäuser zum Einsatz von Antibiotika von Experten beraten lassen. Damit stehen kompetente Ansprechpartner zur Verfügung“, sagt Dr. Stefan Moritz, der am Universitätsklinikum Halle (Saale) für das Projekt verantwortlich ist und dieses gemeinsam mit Prof. Johannes Hübner und Dr. Ulrich von Both entwickelt hat.

Optimierung der individuellen antibiotischen Therapie

Mit der App werden verschiedene Optionen geboten: Sie enthält einen Antiinfektiva-Leitfaden, es können aber dank des Telemedizinansatzes auch gezielt Anfragen gestellt und Patientenfälle geschildert werden. Eine Antwort gibt es entweder direkt per Kurznachricht oder auch per Videokonferenz in Form eines telemedizinischen Konsils. Weitere Optionen seien wöchentliche Fallkonferenzen mit mehreren Partnern sowie Fortbildungen für medizinisches Personal, so Hübner und Moritz.
 
„Neben der Reduktion des Antibiotikaverbrauchs geht es uns auch darum, die individuelle antibiotische Therapie der entsprechenden Kinder im Hinblick auf Substanzauswahl und Dosierung zu optimieren“, sagt Dr. Ulrich von Both, ärztlicher Leiter des Projekts. „Eine indizierte Antibiotikatherapie muss adäquat erfolgen. Hier möchten wir die beteiligten nichtuniversitären Häuser unterstützen und auch Fortbildungsinhalte innerhalb des Netzwerks anbieten.“
 

Quelle: LMU, 15.10.2020