Digitales Angebot

Symptomcheck mittels künstlicher Intelligenz

Ein auf künstlicher Intelligenz (KI) basierender Symptomcheck erweitert seit dem 28. November das digitale Angebot der Techniker Krankenkasse (TK). Möglich wird dies durch eine Kooperation der TK mit dem Berliner Unternehmen "Ada Health".

Künstliche Intelligenz

Die App "Ada" funktioniert im Prinzip wie ein Chat. | Techniker Krankenkasse

Nutzer der App "Ada", die TK-versichert sind, können dort ihre Beschwerden eingeben, erhalten eine persönliche Analyse und werden auf Wunsch über passende digitale Versorgungsangebote der TK informiert. In der zweiten Ausbaustufe, die voraussichtlich Anfang 2019 startet, können TK-Versicherte den Symptomcheck direkt über die neue "TK-Doc"-App nutzen. Nach der Bewertung mittels Künstlicher Intelligenz können sie auf Wunsch das Ergebnis über die App unmittelbar telefonisch, per Mail, per Text- oder Video-Chat mit einem Arzt besprechen.

Darmkrebsvorsorge

Die Früherkennung von Darmkrebs könnte künftig durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz verbessert werden. In aktuellen Untersuchungen konnten die lernfähigen Systeme mit hoher Genauigkeit harmlose Wucherungen im Darm von gefährlichen Krebsvorstufen unterscheiden.

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"Ada funktioniert im Prinzip wie ein Chat. Der Nutzer beantwortet Fragen zu seinen Symptomen bis genügend Informationen für eine qualifizierte Einschätzung vorliegen. Ada informiert die Nutzer direkt über mögliche Ursachen ihrer Beschwerden und zeigt ihnen mögliche nächste Schritte auf - zum Beispiel, ob sie einen Arzt konsultieren sollten", erklärt Dr. Martin Hirsch, Mitgründer und Chief Scientific Officer von Ada Health.

Mehrere tausend Krankheiten und Symptome

"Mit dem digitalen Symptomcheck und anschließendem Arzt-Chat geben wir bereits heute einen Ausblick darauf, wie Versorgung in der Zukunft aussehen kann", sagt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. "In allen anderen Lebensbereichen haben wir bereits umfassende digitale Angebote und erledigen vieles online - unabhängig von Öffnungszeiten und von überall aus. Dass wir als Kasse Innovationen vorantreiben ist das Eine - hier ist aber auch die Politik gefordert, innovative Lösungen schneller ins Gesundheitswesen zu bringen."
 
Sieben Jahre Forschung stecken in der Künstlichen Intelligenz von Ada. Mittlerweile kennt Ada mehrere tausend Krankheiten und Symptome. Täglich kommen rund 30.000 neue Fälle hinzu. Es werden dauerhaft Qualitätssicherungen von Adas Ärzte-Team sowie externen Spezialisten durchgeführt.
 
Der Bedarf an digitalen Gesundheitsinformationen ist groß, wie eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der TK, die Studie "Homo Digivitalis", zeigt. Demnach macht sich die Mehrheit der Bevölkerung vor dem Arztbesuch im Netz schlau. 95 Prozent der Befragten nutzen Suchmaschinen - nur wenige steuern gezielt Gesundheitsportale oder staatliche Angebote an. "Unser Angebot des KI-gestützten Symptomschecks holt diejenigen ab, die qualitätsgesicherte, verständliche Gesundheitsinformationen suchen, die auf ihre individuellen Beschwerden zugeschnitten sind", so TK-Chef Baas.

Künstliche Intelligenz wird Ärzte nicht ersetzen

Auch Ärzten werden Assistenzsysteme künftig den Überblick über die ständig wachsenden medizinischen Datenmengen und Forschungsergebnisse erleichtern, um diese in Diagnostik und Therapie einzusetzen. "Besonders die Diagnose von extrem komplexen Krankheitsbildern macht es notwendig, große, unstrukturierte Datenmengen zu durchdringen", erklärt Prof. Dr. Jürgen Schäfer, Leiter des Zentrums für unerkannte und seltene Erkrankungen (ZusE) am Universitätsklinikum Marburg. Schäfer und sein Team gehören zu den Experten, die Ada validieren und die Inhalte im Rahmen von wissenschaftlichen Studien auf Herz und Nieren prüfen werden. "Es gibt mehr als 10.000 Diagnosen, allein 7.000 seltene Erkrankungen. Das sind Dimensionen, die ein einzelner Arzt gar nicht mehr verarbeiten kann", so Schäfer.
 
Keiner der drei Experten, die die App heute vorstellten, glaubt, dass Künstliche Intelligenz Ärzte ersetzen wird. TK-Chef Baas vergleicht KI-Assistenzsysteme vielmehr mit Bordcomputern, die den Piloten nicht ersetzen, aber entscheidend unterstützen können: "Wir werden immer Menschen brauchen, die die Daten deuten und die Empathie besitzen, daraus die richtige Therapie für den einzelnen Patienten abzuleiten. Patienten werden selbstverständlich auch weiterhin ihren Arzt oder Apotheker fragen. Allerdings bin ich sicher, dass es in zehn Jahren gar nicht mehr erlaubt sein wird, Diagnosen zu stellen, ohne ein digitales Expertensystem zu nutzen."


Quelle: TK, 28.11.2018