Studie

Stress macht morsche Knochen

Akuter und chronischer Stress „fahren“ uns langfristig in die Knochen. Zu diesem Ergebnis kam ein Forschungsteam unter der Leitung der Potsdamer Sport- und Gesundheitssoziologin Prof. Dr. Pia-Maria Wippert.

Stress

Eine längere physiologische Belastung wie chronischer Stress kann sich auch Jahre später noch negativ darauf auswirken, wie sich unser Knochenstoffwechsel an hohe Stressbelastungen anpassen kann. | psdesign1 - stock.adobe.com

In einer Studie konnten das Potsdamer Forschungsteam nachweisen, dass sich eine längere physiologische Belastung wie chronischer Stress oder aber ein frühkindliches Trauma auch Jahre später noch negativ darauf auswirken, wie sich unser Knochenstoffwechsel an hohe Stressbelastungen anpassen kann.

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In einem ersten Schritt fanden die Forschenden heraus, dass sich der Knochenstoffwechsel während einer akuten Depressionsepisode an die erhöhte Belastung anpasst. In einem zweiten Schritt gelang es dem Team zu zeigen, dass diese Anpassung – unabhängig vom Geschlecht – unterschiedlich stark ausfällt und die Ursachen dafür in der biografischen Belastung einer Person zu suchen sind. Konkret gibt es bei Menschen mit einer hohen physiologischen Belastung, zum Beispiel durch chronischen Stress, gar keine oder eine nur noch reduzierte anabole Anpassung. Menschen, die ein frühkindliches Trauma erlebt haben, zeigen durch die damit einhergehende höhere Stressreaktivität während einer Depressionsepisode wiederum eine überschießende anabole Reaktion. Bei beiden biografischen Belastungsformen steigt das Risiko einer geringeren Knochenmineraldichte.

Prävention altersbedingter Erkrankungen

„Die Differenzierung einer unterschiedlichen metabolischen Anpassung entlang der biografischen Risikolast wird mit Blick auf Medikation und Therapieformen bedeutsame Konsequenzen in der Behandlung von depressiven Patienten haben“, sagt Pia-Maria Wippert. „Diese Erkenntnis könnte ein wesentlicher Schritt für die Prävention altersbedingter Erkrankungen wie Osteoporose, Arthrose und Marschfrakturen sein.“

Pia-Maria Wippert und ihre Potsdamer Kollegin Karin Würtz-Kozak hatten 2015 damit begonnen, die Wechselwirkungen zwischen Depressionen, neuroendokrinen Stressreaktionen und dem Knochenstoffwechsel zu untersuchen. Bei ersten Knochenmikrostrukturanalysen an Mäusen, die zuvor frühkindlichem Stress ausgesetzt waren, gelang es ihnen, Veränderungen der Knochen, zum Beispiel in Hinblick auf neuronale Strukturen, aufzuzeigen. Im Austausch mit verschiedenen Spezialisten stellten sie weitergehende Untersuchungen an und überprüften die im Tierexperiment identifizierten Parameter mithilfe von Blutproben aus einer Humanstudie (DEPREHA).



Quelle: Uni Potsdam, 29.10.19