Innovationsschub

Strahlentherapie am Universitätsklinikum Heidelberg

Konsortium des Universitätsklinikums und des Deutschen Krebsforschungszentrums setzte sich im Förderwettbewerb der DFG durch. Kombination aus Bestrahlungseinheit und Kernspintomograph soll Strahlentherapie weiter verbessern. DFG fördert Anschaffung eines neuartigen Hybridgeräts mit 8,1 Millionen Euro.

MRT

MRT liefert bessere Weichteilkontraste und mehr Informationen über den Tumor | Heinz-Peter Schlemmer, DKFZ

Ein innovatives Hybridgerät für die Strahlentherapie wird ab 2017 am Universitätsklinikum Heidelberg installiert. Das Heidelberg MRgRT (MR-geführte RadioTherapie)-Konsortium, bestehend aus Abteilungen des Universitätsklinikums und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), setzte sich mit einem umfassenden Forschungskonzept in einer kompetitiven Ausschreibung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) durch.

Weltweit nur vier dieser Einheiten im klinischen Einsatz

Ausgewählt wurde neben Heidelberg auch das Universitätsklinikum Tübingen. An diesen Standorten finanziert die DFG die Anschaffung der neuartigen Geräte, die Magnetresonanz-tomografie (MRT) mit bildgeführter Strahlentherapie kombinieren, im Wert von jeweils 8,1 Millionen Euro. Weltweit sind bisher vier dieser kombinierten Bestrahlungseinheiten im klinischen Einsatz, ein weiteres Hybridsystems befindet sich in der Entwicklung.

„Mit unseren Kooperationspartnern im DKFZ haben wir eine langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Etablierung innovativer Methoden und Techniken in der Strahlentherapie“, sagt Professor Dr. Dr. Jürgen Debus, Ärztlicher Direktor der Klinik für RadioOnkologie und Strahlentherapie des Universitätsklinikums Heidelberg und Sprecher des Konsortiums. „Mit der Ausarbeitung der MR-geführten Strahlentherapie gehen wir diesen Weg konsequent weiter und wollen die Präzision der modernen Bestrahlungsverfahren – beispielsweise der Intensitäts¬modulierten Radiotherapie – noch weiter verbessern.“ Das Heidelberger Konsortium überzeugte das Auswahlgremium unter anderem mit dem gebündelten Knowhow der Kooperations¬partner in den Bereichen Radioonkologie, Radiologie und Medizinphysik.

MRT liefert mehr Informationen über den Tumor

Bisher werden bei den bildgeführten Bestrahlungstechniken unmittelbar vor dem Start der Bestrahlung die Lagerung des Patienten und damit auch die aktuelle Position des Tumors über Röntgenbildsysteme wie die Kegelstrahl-Computertomographie (CT) kontrolliert. Eine MRT wäre der CT allerdings  überlegen: Mittels MRT lassen sich die Unterschiede zwischen Tumor und gesundem Gewebe, der sogenannte Weichteilkontrast, und damit die Tumorgrenzen besser abbilden. Zudem liefert sie zusätzliche aktuelle Informationen aus dem Inneren des Tumors, z.B. ob dieser gut oder schlecht durchblutet ist, oder welche Bereiche eine hohe Stoffwechselaktivität aufweisen. Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass sogenannte hypoxische Tumorbereiche mit geringer Sauerstoffversorgung weniger empfindlich gegenüber Strahlung sind und daher eine höhere Dosis benötigen. Die Informationen dieser „biologischen Bildgebung“ erlauben nun möglicherweise,  die benötigte Strahlendosis für die einzelnen Tumorareale besser anzupassen. Nicht zuletzt kommt die MRT ohne zusätzliche Strahlenbelastung des Patienten aus und kann daher problemlos mehrmals wiederholt werden.