Graft-versus-Host-Disease

Stammzelltransplantationen: Sicherer durch neue Therapie?

Lebensgefährliche Komplikationen nach einer Stammzelltransplantation sollen mit einer neuen Therapie deutlich besser behandelt werden können als bisher. Es wird sogar eine Anpassung der Leitlinien erwartet.

Ruxolitinib

Chemische Strukturformel des Arzneistoffs Ruxolitinib | Jü, Public domain

Für viele Menschen mit einer akuten Leukämie ist die Transplantation von Blutstammzellen gesunder Spender die letzte Behandlungschance. Doch bei etwa jedem zweiten Patienten greifen die eingesetzten Immunzellen einige Monate nach der Transplantation Gewebe des/der Empfänger/-in an und schädigen es zum Teil lebensbedrohlich. Fachleute sprechen von einer chronischen Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion oder Graft-versus-Host-Disease (GVHD). Lässt sich die GVHD nicht durch eine anschließende Kortisonbehandlung kontrollieren, können Ärzte künftig auf eine neue Therapie zurückgreifen. Wissenschaftler/-innen des Universitätsklinikums Freiburg zeigen nun, dass bei diesen Patienten eine Behandlung mit dem Wirkstoff Ruxolitinib deutlich besser wirkt als die bisherige Standardtherapie. Die Ergebnisse der weltweit durchgeführten Phase-3-Studie wurden am 15. Juli 2021 veröffentlicht.

„Deutlich wirksamere Behandlungsoption“

„Die Ergebnisse unserer Studie werden die Behandlung von Patienten/-innen mit chronischer GVHD weltweit verbessern. Für diese Patienten/-innen steht nun eine deutlich wirksamere Behandlungsoption als bisher zur Verfügung. Ich gehe davon aus, dass unsere Ergebnisse schon bald zu einer Änderung der Behandlungsleitlinien führen“, sagte Studienleiter Prof. Dr. Robert Zeiser, Leiter der Abteilung für Tumorimmunologie und Immunregulation der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Freiburg.

Besserung bei 50 Prozent der Patienten

In der REACH-3-Studie wurden 329 Patienten mit kortisonresistenter chronischer GVHD behandelt. Die Behandlung mit Ruxolitinib brachte Besserung bei 50 Prozent der Patienten, die nicht auf das Kortison ansprachen. Dagegen waren es bei der bisherigen Standardtherapie mit 26 Prozent gerade einmal die Hälfte. Außerdem hielt die Wirksamkeit der Therapie länger an.

In einer vorangegangenen Studie zeigte Zeiser bereits, dass Ruxolitinib auch bei der akuten Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion sehr wirksam ist. Die Krankheiten klingen sehr ähnlich, haben aber unterschiedliche Ursachen. Bei einer akuten GVHD richten sich die Antikörper-produzierenden B-Zellen gegen das Gewebe des Empfängers. Bei einer chronischen GVHD hingegen sind es in erster Linie T-Zellen, die die Immunregulation insgesamt steuern. Sie verläuft meist langsamer als eine akute GVHD und geht meist mit einer starken Verminderung der Lebensqualität einher. „Mit unserer Forschung ist es uns gelungen, Stammzelltransplantationen insgesamt wesentlich sicherer zu machen“, freut sich Zeiser.

 

 

Quelle: idw/Universitätsklinikum Freiburg