Geringe Wachstumsrate

Stagnation im Medizintourismus

255.000 Patienten aus 177 Ländern ließen sich 2015 in Deutschland ambulant oder stationär behandeln. Dies bedeutet eine Wachstumsrate von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr - die niedrigste seit über zehn Jahren.

Krankenhausrezeption

Weniger ausländische Patienten kommen nach Deutschland | © Fotolia/Robert Kneschke

2015 hat Deutschland mit der Behandlung ausländischer Patienten Einnahmen von über 1,2 Milliarden Euro erzielt. Trotz der stattlichen Summe entspricht dies nur einem Wachstum von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die geringste Wachstumsrate seit über zehn Jahren. Dabei gibt es mehrere Gründe für diese stagnierenden Zahlen.

Schlechte Wirtschaftslage

Dabei verzeichnet das wichtigste Herunftsland für Medizintouristen, Russland, den stärksten Rückgang um 32,4 Prozent. Auch die Ukraine und Kasachstan verzeichnen rückläufige Zahlen (-17 Prozent). Vor allem die schlechte Wirtschaftslage wird als Begründung für das geringe Wachstum bzw. den Rückgang genannt. Steigende Verbraucherpreise durch den Verfall des Rubels, der niedrige Ölpreis sowie EU-Sanktionen wirken sich auch auf die medizinischen Auslandsreisen aus.

„Behandlungen im Ausland sind für die Russen sehr teuer geworden. Deshalb reisen sie nur noch in dringenden medizinischen Fällen", begründet Jens Juszczak von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg die sinkenden Zahlen. Auch wenn 2017 die Rezession ihren Tiefpunkt erreicht haben müsste, dürfe man in den nächsten Jahren nicht wieder die zweistelligen Wachstumsraten von vorher erwarten. „Insbesondere Bundesländer mit einer bisher großen Nachfrage aus Russland wie beispielsweise Berlin spüren dies deutlich. Mit einem Minus von 16 Prozent verzeichnete die Hauptstadt den stärksten Rückgang aller Bundesländer bei den Auslandspatienten", so Juszczak.

Entwicklung neuer Strategien

Die dennoch positive Entwicklung verdanken die Kliniken vor allem einer größeren Nachfrage aus Europa und aus den arabischen Golfstaaten. Die Golfstaaten verzeichneten mit +17 Prozent das höchste Wachstum, angeführt von Saudi Arabien (+34 Prozent) und Kuwait (+19 Prozent). Doch auch hier ist die Stabilität der Entwicklung zu bezweifeln. „Bereits seit Ende 2016 brechen die Patientenzahlen aus dem arabischen Raum ein", so Juszczak. „Auslöser sind eine deutliche Verringerung der finanziellen Mittel für Auslandsbehandlungen in vielen Golfstaaten, strukturelle Veränderungen in den Botschaften und Konsulaten sowie der Skandal um die internationale Abteilung des Klinikums Stuttgart".

Eine Investition in die Intensivierung der Marketingmaßnahmen und auch die Ergründung neuer Märkte sollen die sinkende Wachstumsrate aufhalten. Länder wie China oder auch der Iran gelten als vielversprechende Zielmärkte.

Quelle: Pressemitteilung Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (22.07.2017)