Neben der Strahlentherapie

Sport ist eine effektive Zusatztherapie bei Krebs

Welchen Zusatznutzen hat Sport für Krebspatienten? Damit beschäftigen sich derzeit viele Studien weltweit. Ein aktuelles Review der Studienliteratur fasst die positiven Effekte zusammen.

Sport hat erwiesene positive Auswirkungen auf Krebspatienten. Dabei muss es nicht gleich ein Marathon sein: Auch ein kurzer Spaziergang kann die Lebensqualität erhöhen. | Terramara/pixelio

Die Daten sind eindrucksvoll – und zwar nicht nur in Bezug auf die Lebensqualität der Patienten, sondern auch, was die Therapieergebnisse betrifft. Danach zeigen verschiedene Studien, dass körperliche Aktivität sowie gezieltes Training mit einem Rückgang des Krebsrückfallrisikos und sogar der Mortalität einhergehen. Außerdem scheinen Bewegung und gezieltes Training die Wirksamkeit aller gezielten Krebstherapien zu verstärken, also der Chemo- und Immuntherapien, aber auch der Strahlentherapie.

Tumor-Fatigue-Syndrom schränkt Lebensqualität stark ein

Ein Faktor, der die Lebensqualität von Krebspatienten stark beeinträchtigt, ist das Tumor-Fatigue-Syndrom. Es zeichnet sich durch eine allumfassende Erschöpfung, Kraft- und Antriebslosigkeit sowie ständige Müdigkeit aus, die sich durch Schlaf nicht bessert. Konzentrationsschwäche, Angst, Depressivität und weitere Symptome können hinzukommen und das tägliche Leben der Betroffenen stark einschränken.

„Die Fatigue-Problematik gilt als eine Hauptursache einer reduzierten Lebensqualität (QoL) und ist eine häufige Begleiterscheinung einer Tumortherapie und der Tumorbehandlung“, erklärt Prof. Dr. Stephanie Combs, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO). „Auch unter Strahlentherapie kann es zum Fatigue-Syndrom kommen.“

Krebspatientin beim Krafttraining

Regelmäßiger Sport senkt nicht nur das Risiko, an Krebs zu erkranken. Körperliches Training kann auch die Therapie bei einer bestehenden Krebserkrankung unterstützen.

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Leider gibt es gegen das Fatigue-Syndrom derzeit noch keine wirkungsvollen Medikamente. Allerdings ist belegt, dass Bewegung beziehungsweise körperliche Aktivität und gezielte, sportliche Betätigung helfen können. So trägt Sport auf verschiedenen Wegen zu einer nichtpharmakologischen Modulierung beziehungsweise Regulierung des Mikromilieus im Tumor bei:

  • Körperliches Training erhöht die Spiegel des Wachstumsfaktors VEGF („vascular endothelial growth Factor“) und normalisiert die Blutgefäßstrukturen im Tumor, es kommt zu einer gleichmäßigeren Gefäßdichte, verbesserten Durchblutung und Sauerstoffversorgung. Damit einher geht eine bessere Verteilung von Chemotherapeutika im Tumor, aber auch die Wirksamkeit einer Bestrahlung nimmt deutlich zu, da Hypoxie beziehungsweise oxidativer Stress bekanntermaßen die Strahlensensibilität von Krebszellen verschlechtert.
  • Es konnte gezeigt werden, dass gezieltes Training zu einer dreifachen Abnahme von 8-OHdG (8-Hydroxydesoxyguanosin, einem Biomarker für oxidativen Stress) im Tumor führt. Das Sportprogramm bewirkte einen Anstieg der „anti-oxidativen Kapazität“ im Blut um 41% und eine Abnahme von Oxidationsprodukten um 36%. Diese Änderungen korrelierten mit der Fatigue-Symptomatik.
  • Sport aktiviert außerdem nachweislich die Immunabwehr. Die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten und Lymphozyten) nimmt zu, so zum Beispiel die Zahl der sogenannten NK-Zellen (natürliche Killerzellen) um das Zehnfache. Auch die Produktion von Zytokinen, wie zum Beispiel Interleukin-6 (IL-6), wird durch Sport angekurbelt. IL-6 fördert die Ausbildung verschiedener Oberflächenmerkmale auf den Tumorzellen, zum Beispiel Immun-Rezeptoren, wodurch die Einwanderung von Immunzellen in das Tumorgewebe gefördert wird.
  • Auch der Tumorstoffwechsel (Energieversorgung, Insulinspiegel, Glukosemetabolismus) verändert sich und verschiedene Entzündungsmarker im Blut sinken. Patienten, die während der Chemotherapie ein Sportprogramm absolvierten, wiesen neben sinkenden Entzündungswerten auch bessere geistige (neurokognitive) Leistungen auf.

DEGRO empfiehlt sportliche Aktivität

„Die Evidenz zu den positiven Effekten sportlicher Aktivität gilt heute als so stark – besonders bezüglich Fatigue und Lebensqualität, aber zunehmend auch hinsichtlich des Ansprechens von Chemo- und Strahlentherapien, einer Rückfallprophylaxe und dem Überleben, dass wir als Fachgesellschaft allen Bestrahlungspatienten/innen sportliche Aktivität empfehlen“, so Prof. Dr. Wilfried Budach, Düsseldorf, DEGRO-Präsident.

Grundsätzlich wird empfohlen, Ausdauer- und Kraftsport miteinander zu kombinieren. Dabei ist wichtig, dass für jeden Patienten eine individuell geeignete Sportart gewählt wird. Das Anstrengungslevel kann dabei kontinuierlich steigen: Vom 10-minütigen Spaziergang täglich bis hin zum regelmäßigen Joggen.

Wichtig ist dabei auch, den aktuellen Gesundheitszustand zu berücksichtigen: So können beispielsweise Fieber, Infektionen oder frische Wundheilungen Trainingspausen erfordern. Bei Knochenmetastasen besteht außerdem eine höhere Gefahr von Knochenbrüchen durch manche Sportarten. Außerdem können starkes Schwitzen, reibende Kleidung oder Chlorwasser die von einer Bestrahlung angegriffene Haut zusätzlich reizen.

Als Arzt eher zu Bewegung raten

„Die Erkenntnisse zum positiven Einfluss von körperlicher Bewegung und Sport bei Krebspatienten sind ganz besonders wichtig bei der Patientenberatung; leider raten einige Onkologen und Hausärzte noch immer eher zu körperlicher Schonung“, empfiehlt DEGRO-Pressesprecherin Combs den Behandlern.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (25.3.2019)