Rückenleiden

Spezialisierte Schmerztherapie statt Skalpell

Jedes Jahr werden in Baden-Württemberg mehr als 13.500 Menschen wegen Bandscheibenschäden stationär behandelt. Die Alternative zur Operation ist in der Regel eine Kombination von Schmerz-, Verhaltens- und Physiotherapie.

Rückenleiden

Häufig wird eine konservative Behandlung empfohlen statt des Griffs zum Skalpell. | Fotolia/goir

Zur Überprüfung, ob eine OP wirklich notwendig ist, bietet die Techniker Krankenkasse (TK) ihren Versicherten in Baden-Württemberg seit 2010 eine unentgeltliche ärztliche Zweitmeinung für Operationen an der Wirbelsäule an. Das Ergebnis: "Bei mehr als neun von zehn Patienten im Land waren die Eingriffe überflüssig, und es wurde eine konservative Behandlung empfohlen statt des Griffs zum Skalpell", erklärt Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung in Stuttgart.

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Die Alternative zur Operation ist in der Regel eine Kombination von Schmerz-, Verhaltens- und Physiotherapie. "Gerade bei Rückenleiden besteht ein erhebliches Potenzial, auch ohne Operation erfolgreich zu behandeln. Voraussetzung ist, dass der Patient ein auf ihn individuell zugeschnittenes fachübergreifendes Behandlungskonzept erhält. Ermöglicht wird dadurch eine schnelle Aktivierung und Schmerzreduktion", sagt Gerhard Müller-Schwefe, Leiter des Schmerz- und Palliativzentrums Göppingen, einem von bundesweit 33 spezialisierten Schmerzzentren, die dem TK-Netzwerk angehören.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der TK suchen schon heute drei Viertel der Befragten - auch die 60- bis 70-Jährigen - nach Gesundheitsinformationen vorwiegend oder ausschließlich im Internet. "Das Internet kann eine wichtige Informationsquelle sein. Aber gerade bei komplexen Symptomen ersetzt ,Dr. Google‘ keine qualifizierte Zweitmeinung", betont Vogt. Deshalb hat die Techniker ihr Angebot ausgeweitet. TK-Versicherte können sich nun auch vor einem geplanten operativen Eingriff an der Hüfte, der Schulter oder dem Knie kostenlos eine professionelle zweite Meinung bei einem Team aus Physio-, Schmerz- und Psychotherapeuten einholen.

Quelle: TK, 05.11.2016