Gesundheits-Apps

Schwieriger Transfer in den Versorgungsalltag

Der Markt für Gesundheits-Apps entwickelt sich dynamisch. Jedoch gibt es bislang nur wenige Anwendungen „auf Rezept". Die Bertelsmann Stiftung hat analysiert, woran das liegt.

Gesundheits-Apps

Die Zahl der Gesundheits-Apps wächst stetig. | Fotolia(georgejmclittle

Einer Studie zufolge fehlt beim Transfer von Gesundheits-Apps vor allem an einem Standard zum Nutzennachweis, der – etwa bei Studiendauer und Kosten – den besonderen Anforderungen des Felds gerecht wird. 73 Prozent der Experten halten diese Hürde für sehr bedeutend, für 19 Prozent ist sie eher bedeutend. Auch die Unsicherheit über mögliche Finanzierungswege für Gesundheits-Apps und der daraus resultierende Suchprozess in der gesetzlichen Krankenversicherung wird von 50  Prozent als sehr und 46 Prozent als eher bedeutende Hürde angesehen.

„Die Zahl der Gesundheits-Apps und neuen digitalen Lösungen für Patienten wächst stetig. Bei weitem nicht alle Anwendungen sind aus Public-Health-Sicht oder medizinisch relevant. Dem Gesundheitssystem gelingt es aber noch nicht, aus der Menge der Anwendungen systematisch diejenigen zu identifizieren und zu nutzen, die echte Potenziale für Qualität und Effizienz haben", so Timo Thranberend, Projektleiter bei der Bertelsmann Stiftung. Auf der anderen Seite beklagten Start-ups, dass ihnen der Zugang in das Gesundheitssystem versperrt sei.

„Viele Gründer entscheiden sich darum für Anwendungen, die sich auf dem zweiten Gesundheitsmarkt direkt an zumeist gesunde Verbraucher richten, oder sie fokussieren ausländische Märkte". Darin liege auch ein Grund, dass Anwendungen für Menschen mit Risikofaktoren und chronisch Kranke bislang stark unterrepräsentiert sind. Es gäbe zwar schon Anwendungen „auf Rezept", jedoch sei der Transfer in den Versorgungsalltag derzeit häufig noch abhängig vom Engagement einzelner Pioniere aufseiten der Kostenträger sowie den Aktivitäten und der Systemkenntnis des jeweiligen Start-ups, so Thranberend. In der Folge würden Potenziale für Patienten und das System nicht ausgeschöpft.

Quelle: Bertelsmann Stiftung, 18.08.2016