Wiederbelebung

„Schüler retten Leben“

25 Lehrer aus Dresden haben in einer zweistündigen Fortbildung das Rüstzeug dafür bekommen, künftig Schülern ab der 7. Klasse die Grundprinzipien der Wiederbelebung nach Herzstillstand nahezubringen.

Wiederbelebung

Instruktorin Sigrid Brenner vom Dresdner Uniklinikum gibt Thilo Klemz von der Oberschule Ebersbach Tipps, wie er mit Schülern die Herzdruckmassage am Übungsphantom trainieren kann. | Uniklinikum Dresden/Holger Ostermeyer

Die Pädagogen legen den Grundstein dafür, dass in Zukunft Schülerinnen und Schüler in Sachsen einmal im Jahr eine zweistündige Unterrichtseinheit zur Laienreanimation absolvieren können. Die Konzepte für die Lehrerfortbildung und die darauf aufbauenden Schülerkurse hat die Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus entwickelt.

Basis für diese und weitere Fortbildungen ist ein Beschluss des Schulausschusses der Kultusministerkonferenz (KMK). Das Schulungsprogramm findet am 10. Januar in Leipzig und einen Tag später in Chemnitz statt. Dort sind es Anästhesisten der Uniklinik Leipzig und der Zeisigwaldkliniken Bethanien, die die Lehrer ebenfalls ehrenamtlich schulen werden.

Weitere Partner des Projekts „Schüler retten Leben“ sind das Sächsische Staatsministerium für Kultus, das im Rahmen des Projektstarts 42 Schulen mit jeweils sieben Reanimations-Phantomen für die Kurse ausstattet, sowie die Sächsische Landesärztekammer.

Die ersten Minuten sind entscheidend

Diese hat das Uniklinikum beim Erstellen des Konzepts und den Abstimmungsgesprächen mit dem Kultusministerium unterstützt sowie die Koordination der Schulungen in Dresden, Chemnitz und Leipzig übernommen. Um sicherzugehen, dass das Fortbildungskonzept eine verlässliche Basis für die Schülerkurse ist, evaluieren die Dresdner Anästhesisten dessen Erfolg.

Täglich erleiden in Deutschland bis zu 175 Menschen einen plötzlichen Herzstillstand. Aber nur in etwa 30 Prozent dieser Notfallsituationen greifen nichtprofessionelle Helfer aktiv ein, bevor der Rettungsdienst eintrifft. Es sind aber gerade die ersten Minuten, die für das Überleben des Betroffenen entscheidend sind. Immerhin werden immer mehr Deutsche in einem solchen Notfall selbst aktiv: 2010 lag die Quote noch nicht einmal bei der Hälfte.

Doch in anderen europäischen Ländern werden die lebensrettenden Maßnahmen in 65 bis 75 Prozent der Fälle von medizinischen Laien begonnen. Einer der Gründe für die höhere Bereitschaft zur Laienreanimation ist, dass in diesen Ländern die Erste-Hilfe-Thematik nicht wie in Sachsen lediglich in den Lehrplänen verankert ist, sondern dort die Herz-Druck-Massage mit den Schülerinnen und Schülern trainiert wird.

Die Überlebenswahrscheinlichkeit entscheidend erhöhen

Daher hat der Schulausschuss der „Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland“ die Empfehlung beschlossen, dass das Thema „Wiederbelebung“ künftig ab der siebten Klassenstufe in jährlich zwei Schulstunden behandelt werden sollte und dafür die Lehrkräfte entsprechend zu schulen sind. Mit dem Start der Fortbildungen wird diese Empfehlung vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus in Kooperation mit der Sächsischen Landesärztekammer (SLÄK) und dem Dresdner Uniklinikum umgesetzt.

Wie und warum diese einfache Form der Reanimation wirksam ist, erklärt der stellvertretende Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Dresdner Uniklinikums, Axel Heller: „Mit einer einfachen Herzdruckmassage kann der Restsauerstoff von der Lunge aus ins Blut gelangen und dort zirkulieren. So lässt sich die Überlebenswahrscheinlichkeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes entscheidend erhöhen“.

Dabei geht es lediglich um die drei simplen Regeln „Prüfen. Rufen. Drücken!“: Prüfen, ob die bewusstlose Person noch atmet. Dann unter der europaweit gültigen Notrufnummer 112 den Rettungsdienst rufen. Und schließlich fest und mindestens 100 Mal pro Minute in der Mitte des Brustkorbs drücken und nicht aufhören, bis Hilfe eintrifft.

„Mit der Erhöhung der Wiederbelebungsrate durch Laienhelfer könnten in Deutschland jährlich rund 5.000 Menschenleben gerettet werden“, berichtet Heller, der als Notfallmediziner zur Erstversorgung von Patienten regelmäßig in Rettungswagen und im Hubschrauber unterwegs ist. Diese Art der Reanimation folgt den Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften und basiert auf den Ergebnissen mehrerer wissenschaftlicher Studien.

Quelle: idw/Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, 06.01.2017