Hirntumor bei Kindern

Schonendere Krebstherapie

Ein Medulloblastom kann zwar in den meisten Fällen geheilt werden, doch häufig leiden die Patienten an den Folgen der aggressiven Behandlung. Forscher der Universität Bonn haben nun einen Weg gefunden, einen Teil der Erkrankten schonender zu behandeln.

Torsten Pietsch Tobias Goschzik

Im Labor: Prof. Dr. Torsten Pietsch (links) und Dr. Tobias Goschzik (rechts) vom Institut für Neuropathologie der Universität Bonn. | Barbara Frommann/Uni Bonn

Das Medulloblastom tritt insbesondere bei Kindern und Jugendlichen auf und ist eine Gruppe von unterschiedlichen Krebsarten. Die Tumorerkrankung des Kleinhirns lässt sich durch eine Behandlungskombination aus Operation, Strahlen- und Chemotherapie heilen, meist jedoch mit gravierenden Spätfolgen für die Patienten. Das sich noch in der Entwicklung befindende Gehirn wird irreparabel geschädigt, sodass lebenslange Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit die Folge sein können.

Zwei Formen innerhalb dieser Krebsgruppe sind bereits identifiziert und lassen sich medikamentös behandeln, sodass keine zusätzliche Strahlentherapie notwendig ist. Doch bei mehr als 80 Prozent der Fälle konnte der Therapieerfolg bisher nicht vorhergesagt werden. „Daher sind in diesen Fällen eine intensive Bestrahlung und Chemotherapie nach dem aktuellen Forschungsstand unverzichtbar“, erläutert Prof. Dr. Torsten Pietsch vom Institut für Neuropathologie der Universität Bonn.

PET/MRT Kombinationsgeraet

Glioblastome, unheilbare Hirntumoren, lassen sich nicht dauerhaft entfernen und nach der Behandlung müssen Patienten mit Rückfällen rechnen. Wissenschaftler haben erstmals gezeigt, dass eine spezielle Kombinationsdiagnostik aus PET und MRT eine deutlich individuellere Verlaufsprognose nach Radiochemotherapie ermöglicht.

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Eine Studie von Prof. Pietsch und Dr. Tobias Goschzik in Zusammenarbeit mit Kollegen aus England, Frankreich und Schweden fand nun eine weitere Variante des Medulloblastoms. In einer europaweiten Medulloblastom-Behandlungsstudie fanden die Wissenschaftler signifikante Veränderungen in der Anzahl der Chromosomen. In der Regel sind die 23 Chromosomen doppelt vorhanden. In den Tumorzellen der untersuchten Kinder und Jugendlichen waren hingegen das Chromosom 7 häufig dreifach vorhanden und die Chromosomen 8 und 11 teilweise nur einfach.

Hohe Heilungschancen

Kinder und Jugendliche mit dieser chromosomalen Veränderung ließen sich zu fast 100 Prozent mit der Standardtherapie heilen. Bei den restlichen Betroffenen lagen die Heilungschancen hingegen bei nur 64 Prozent. Von der Studie ausgeschlossen waren Erkrankte mit einer besonders aggressiven Form des Medulloblastoms. Hochgerechnet sind etwa 20 Prozent von dieser nun schonend behandelbaren Variante betroffen. Eine zweite Studie mit einer Patientengruppe in Newcastle bestätigte die Ergebnisse der Gruppe um Pietsch.

Im nächsten Schritt untersuchen die Forscher nun, wieso Patienten mit einer veränderten Chromosomenzahl besser auf die Therapie ansprechen. Langfristig können hieraus nicht nur neue Behandlungsmöglichkeiten für das Medulloblastom entstehen, sondern auch für eine Form der Leukämie. Auch hier gibt es chromosomale Auffälligkeiten.

 

Originalpublikation:

Tobias Goschzik, Edward Schwalbe, Debbie Hicks, Amanda Smith, Anja zur Muehlen, Dominique Figarella-Branger, François Doz, Stefan Rutkowski, Birgitta Lannering, Torsten Pietsch, Steven Clifford: Prognostic effect of whole chromosomal aberration signatures in standard-risk non-WNT/non-SHH medulloblastoma: a retrospective molecular analysis of the HIT-SIOP-PNET4 clinical trial. Lancet Oncology 2018, DOI: 10.1016/S1470-2045(18)30532-1

 

Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn