PCR-Positivrate sinkt erneut langsamer

SARS-CoV-2: Variante B.1.1.7 breitet sich weiter aus

In der KW 07 wurden laut ALM e.V. insgesamt 934.350 SARS-CoV2-PCR-Tests durchgeführt - vier Prozent mehr als in der Woche zuvor (902.494). Die Positivrate lag in der KW 07 mit 6,5 Prozent nur noch geringfügig niedriger als in der KW 06 mit 6,8 Prozent. In KW 05 waren es noch 7,9 Prozent.

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Die Zahl der in Anspruch genommenen SARS-CoV2-PCR-Tests ist in der vergangenen Woche wieder leicht gestiegen. Das zeigen die Ergebnisse der wöchentlichen Datenerhebung der Akkreditierten Labore in der Medizin - ALM e.V., an der 171 Labore der ambulanten und stationären Versorgung teilnehmen. In der KW 07 wurden insgesamt 934.350 SARS-CoV2-PCR-Tests durchgeführt - vier Prozent mehr als in der Woche zuvor (902.494). Entsprechend dem Infektionsgeschehen sank die Positivrate, jedoch nicht so stark wie in den Wochen davor. Lag diese in der KW 06 mit 6,8 Prozent noch um mehr als einen Prozentpunkt niedriger als in der Vorwoche (KW 05: 7,9 Prozent), so liegt die Positivrate der KW 07 mit 6,5 Prozent nur noch geringfügig niedriger. Insgesamt fielen 60.441 (Vorwoche: 61.270) SARS-CoV2-PCR-Tests positiv aus.

Warum die Tests im Vergleich zum vierten Quartal rückläufig sind, versuchte ALM-Vorstand Prof. Jan Kramer damit zu begründen, dass es sinkende Infektionsquoten gebe. Durch Kontaktbeschränkungen etc. gebe es weniger Testbedarf. Durch das bessere Wetter sei auch die Erkältungssaison vorbei und es würden mehr Antigentests eingesetzt. Dr. Michael Müller, 1. Vorsitzender des ALM e.V., ergänzte, dass die Antigentests in Deutschland nicht systematisch erfasst würden. Nina Beikert, ebenfalls im ALM-Vorstand, gab noch zu bedenken, dass es nicht überall gewährleistet sei, dass bei Symptomen auch wirklich die PCR eingesetzt werde. Das Testen werde teilweise weniger ernstgenommen als am Anfang der Pandemie. Einige Ärzte würden nur Quarantäneempfehlungen aussprechen.

Varianten breiten sich aus

Sorgen bereitet den fachärztlichen Laboren insbesondere die Ausbreitung der Britischen Variante B. 1.1.7. „Die Kombination aus einer Zunahme von Kontakten und der schnellen Verbreitung der Virusvarianten geben Anlass zur Sorge“, so Kramer. Aktuell geht Müller von einem Anteil von etwa 30% B 1.1.7 aus. „Diese Entwicklung ist besorgniserregend, die Varianten B.1.1.7 und B.1.351 werden zunehmend häufiger identifiziert“, erklärte Müller. „Gerade in diesen frühlingshaften Tagen, wo die Menschen nach draußen drängen, ist es wichtig, dass wir alle weiterhin konsequent und überall die Zahl der Kontakte möglichst gering und die Abstandsregeln einhalten, Masken tragen, in Innenräumen ausreichend lüften sowie die Hygieneregeln befolgen. Und dazu ist es gut, die um das Kontakttagebuch ergänzte und auch sonst weiter verbesserte Corona-Warn-App zu nutzen.“

Mangel an Verbrauchsmaterial?

Für Aufsehen hatte die Warnung der DGP (Deutsche Gesellschaft für Pathologie) gesorgt, es seien aktuell Lieferschwierigkeiten bei den täglichen Verbrauchsmaterialien zu beklagen. Dazu zählten vor allem Pipetten- bzw. Filterspitzen verschiedener Hersteller und Reagenzien- bzw. Isolationskits, aber auch NGS-Panels für die molekulare Diagnostik sowie Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel. Weitere Engpässe sollen Verbrauchsmaterial für Kapillarelektrophorese (Polymer, Puffer) sowie Reagiergefäße (sog. „Eppendorf“-Tubes) in verschiedenen Größen betreffen. Dies gefährde die prädiktive Krebsdiagnostik. Auf Nachfrage konnten die ALM-Vertreter dies in der Breite allerdings nicht bestätigen. So betonte Müller, dass es zwar von Labor zu Labor unterschiedlich sei, aber eine flächendeckende Knappheit sei nicht zu erkennen. Beikert ergänzte, dass während der Pandemie z.T. einzelne Artikel nicht so lieferfähig gewesen seien, aber diese Probleme hätten sich deutlich reduziert. Auch Kramer sagte, er kenne aktuell keine Lieferengpässe.

Antigentests sind kein Freifahrtschein

Dass die Bürger/-innen sich langsam nach einer Rückkehr zur Normalität sehnen, sei verständlich, stellte Beikert fest. Sie verwies außerdem auf die Diskussionen zum breiten Einsatz der Antigen-Schnelltests. „Mit der richtigen Aufklärung und Begleitung sowie korrekt angewendet, können diese eine wichtige Rolle bei der Eindämmung der Pandemie und auf dem Weg hin zu mehr Normalität spielen.“ Vornehmlich sollten Antigen-Schnelltests in Alten- und Pflegeheimen, im Krankenhaus und im risikobehafteten, betrieblichen Umfeld zum Einsatz kommen, um in Ergänzung zum lokalen Hygiene- und Infektionsschutzkonzept zusätzliche Sicherheit zu gewinnen.

Die Antigen-Schnelltests dürften jedoch auf keinen Fall als Freifahrtschein gelten, die Verhaltensregeln nicht mehr ernst zu nehmen oder gar über Bord zu werfen. So warnte Beikert davor, den Freifahrtschein auszustellen, denn wenn etwa 2 von 10 Getesteten nicht als positiv erkannt würden, könnte dies schnell zu Superspreaderevents führen. Dann habe man nichts gewonnen. Positiv sei dagegen, so Müller, wenn durch die Antigentests die Infizierten erkannt werden, die sonst nicht getestet worden wären. Damit könne man Infektionsketten unterbrechen.

Ein sicheres „Freitesten“ sei mit diesen Tests aber nicht möglich. Dies gelte insbesondere auch im Hinblick auf die so genannten Corona-Heim- oder Laientests, mit deren Zulassung und Inverkehrbringen zeitnah zu rechnen sei. „Der Fokus sollte unbedingt darauf liegen, dass diese auch in den Händen von Laien richtig durchgeführt werden und dass den Menschen konkrete Handlungsanleitungen mitgegeben werden - für die Anwendung und insbesondere für den Fall eines positiven Tests. Niemand sollte mit einem solchen Ergebnis zu Hause allein gelassen werden“, so Vorstand Evangelos Kotsopoulos.

Zur Vermeidung falsch-positiver Antigen-Testbefunde sei es darüber hinaus von zentraler Bedeutung, positive Antigen-Schnelltests - ob von medizinischem Personal oder Laien durchgeführt - grundsätzlich und unmittelbar mit einem PCR-Test zu bestätigen. Um auch weiterhin ein klares Bild über die Entwicklung der Pandemie zu erhalten und Kontakte nachverfolgen zu können, müssten alle Neuinfektionen unbedingt auch künftig an die Gesundheitsämter und an das Robert Koch-Institut gemeldet werden.

Entscheidung zur Datenanalyse des ALM e.V. fiel vor einem Jahr

Am 26. Februar feiert der ALM e.V. ein kleines Jubiläum. Die Entscheidung des ALM e.V., eine Datenanalyse zum SARS-CoV-2-Testgeschehen vorzunehmen, liegt nun genau ein Jahr zurück: Am 26. Februar 2020 war dieses Thema der Vorstandssitzung. „Wir danken an dieser Stelle allen teilnehmenden Laboren und vor allem auch denjenigen, die diese Daten seit so vielen Monaten mit uns auswerten - allen voran Uli Früh. Eine großartige Leistung des ALM e.V. und der Labore“, lobte ALM-Vorsitzender Müller.