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SARS-CoV-2: Nachbetreuung von Patienten

Der Berufsverband der Pneumologen (BdP) hat erstmals ein Schema entwickelt, um nach einheitlichem diagnostischem Standard bundesweit eine vollständige Nachuntersuchung der weiterhin symptomatischen Patienten zu gewährleisten.

COVID-19-Nachsorge

In den meisten pneumologischen Praxen nimmt die Zahl der Patienten mit abgelaufener SARS-CoV-2 Infektion oder Covidpneumonie erheblich zu. | Romolo Tavani - stock.adobe.com

Erfreulicherweise hat sich die aktuelle Situation mit SARS-CoV-2 Neuinfektionen auf niedrigem Niveau bundesweit erstmal stabilisiert. Ob und wann uns eine zweite Welle von Neuinfektionen bei weiterhin sehr niedriger Immunität der Bevölkerung in Deutschland erreicht, ist nicht vorhersagbar. Bei Screening-Untersuchungen zum Beispiel bei Blutspendern zeigt sich nur bei etwa einem Prozent ein positiver IgG-Antikörperbefund gegenüber Coronaviren.

Aber auch in der Nachbetreuung und Beratung von Patienten, die die Infektion durchgemacht haben, sind die Pneumologen gefordert: In den meisten pneumologischen Praxen nimmt die Zahl der Patienten mit abgelaufener SARS-CoV-2 Infektion oder Covidpneumonie erheblich zu. Dabei handelt es sich um Patienten mit langanhaltender Symptomatik unterschiedlichster Ausprägung. Um die Folgen der neuen und komplexen Erkrankung mit den Beschwerden der Patienten und den funktionellen Defiziten vollständig zu erfassen, sind komplexe Untersuchungsalgorithmen erforderlich.

Lungenultraschall-Protokoll

Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) und der schweizerischen und österreichischen Ultraschall-Fachgesellschaften (SGUM/ÖGUM) haben vor kurzem ein Lungenultraschall-Protokoll für COVID-19-Fälle entwickelt.

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Eine standardisierte Nachsorge für die in überwiegender Zahl ambulant behandelten Patienten ist bisher nicht beschrieben. Die internationale Literatur zu Follow-up-Untersuchungen ist extrem spärlich. Daher hat der Berufsverband der Pneumologen (BdP) erstmals ein Schema entwickelt, um nach einheitlichem diagnostischem Standard bundesweit eine vollständige Nachuntersuchung der weiterhin symptomatischen Patienten zu gewährleisten. Der Vorschlag erscheint aber auch für die im Krankenhaus behandelten und oft lange beatmeten COVID-Patienten, die sich zur Nachuntersuchung vorstellen, sinnvoll.

Bisher noch völlig unzureichende Datenlage

Das Ziel soll auch sein, die bisher international noch völlig unzureichende Datenlage zu Folgeschäden der Erkrankung strukturiert zu erfassen, um damit den betroffenen Patienten die bestmögliche spezifische Therapie anbieten zu können.

Als ein Beispiel finden sich nach SARS-CoV-2 Infektionen überdurchschnittlich häufig thrombembolische Ereignisse wie Lungenembolien, die oft nur durch sehr differenzierte Untersuchungsabläufe erkennbar werden. Sie sind aber für den Patienten prognostisch extrem wichtig und haben unmittelbare therapeutische Konsequenzen.
Diese Arbeit ist als Work in Progress zu sehen und wird sicherlich nach weiteren Erfahrungen mit diesen Patienten und Veröffentlichungen zum Follow up nach stationärer und ambulanter Therapie aktualisiert werden.

Das Schema zur Post-Covid-Nachsorge ist auf der BdP-Seite abrufbar.


BdP, 16.06.2020