Brustkrebsmonat Oktober

Rosa Schleife am Rathaus Münster

Die Rosa Schleife hat schon am Eiffelturm in Paris, am Weißen Haus in Washington und vielen anderen Orten der Welt gehangen, um auf die Erkrankung Brustkrebs aufmerksam zu machen und Frauen für dieses Thema zu sensibilisieren.

Rosa Schleife am Rathaus Münster

Rosa Schleife am Stadtweinhaus von Münster | Für beide: © Roman Mensing

Was hat es mit der Rosa Schleife auf sich?

Evelyn Lauder, Schwiegertochter der Gründerin des Kosmetikunternehmens Estée Lauder, erkrankte 1989 an Brustkrebs. Früh begann sie mit einer weltweiten Kampagne zur Aufklärung im Kampf gegen diese Krankheit. Dazu hatte sie die Idee, eine rosa Schleife als internationales Symbol zu kreieren, vergleichbar mit der Roten Schleife (das internationale Symbol für die Solidarität mit HIV-Positiven und AIDS-Erkrankten). 1991 etablierte sie zusammen mit Alexandra Penney die Aktion „Pink Ribbon“. Seither wurden weltweit 150 Millionen rosa Schleifen verteilt und mehr als 1.000 Beleuchtungen von berühmten Sehenswürdigkeiten in pink initiiert. International gilt der Oktober als Brustkrebsmonat.

Die Rosa Schleife soll die Krebserkrankung ins öffentliche Bewusstsein rücken und darauf aufmerksam machen, dass jede neunte Frau im Laufe ihres Lebens mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert wird. Zugleich soll die Aktion „Pink Ribbon“ die wissenschaftliche Erforschung von Brustkrebs fördern.

15 Jahre Mammografie-Screening NRW

Seit 15 Jahren betreut das Referenzzentrum Mammographie am Universitätsklinikum Münster (UKM) das Brustkrebsfrüherkennungsprogramm (Box 1) in Nordrhein-Westfalen (NRW). Aktuelle, repräsentative Studien belegen, dass bei Screening-Teilnehmerinnen, die regelmäßig an diesem Programm teilnehmen, eine Reduktion fortgeschrittener Brustkrebsstadien zu verzeichnen ist (Quelle: 1. Weigel, 2. Khil 2020).

Das Referenzzentrum hat den Oberbürgermeister der Stadt Münster spontan überzeugt, im Brustkrebsmonat Oktober eine fahnengroße rosa Schleife am Stadtweinhaus neben dem Historischen Rathaus als „Stätte des Westfälischen Friedens“ aufzuhängen. Weitere Screening-Einheiten in Nordrhein-Westfalen haben sich dieser Aktion angeschlossen.

Von links nach rechts: C. Verloh, Oberbürgermeister M. Lewe, Prof. Dr. med. W. Heindel und Prof. Dr. med. S. Weigel – Leitung Referenzzentrum Münster und Programmverantwortliche Ärzte der Referenz-Screening-Einheit Münster Nord/Warendorf

Aufgaben des Referenzzentrums

Das Referenzzentrum Mammographie Münster ist für die medizinische und technische Qualitätskontrolle des Brustkrebsfrüherkennungsprogramms (Box 1) in NRW verantwortlich. Es betreut insgesamt 22 Screening-Einheiten mit deren dazugehörigen Mammografiestandorten. Diese sind sowohl stationär als auch mobil über ganz Nordrhein-Westfalen verteilt.

Ein Schwerpunkt des Referenzzentrums in Münster ist die wissenschaftliche Auswertung der Daten und Parameter des Programms sowie die regelmäßige Publikation der Ergebnisse. Im Referenzzentrum finden außerdem die erforderlichen Ausbildungs- und Weiterbildungskurse für Ärzte und MTRA statt. Durch intensive Schulung und Training werden die vorgeschriebenen erforderlichen Kenntnisse vermittelt, um im qualitätsgesicherten Mammographie-Screening-Programm arbeiten zu können.

Insgesamt gibt es deutschlandweit fünf Referenzzentren, die im ständigen Kontakt stehen.

Betätigungsfeld MTRA

Die Medizinisch-technische Radiologiefachkraft im Mammografie-Screening übernimmt eine besondere Verantwortung und arbeitet sehr eigenständig: Zum einen müssen die Mammografieaufnahmen den hohen Qualitätsanforderungen der europäischen Leitlinien entsprechen. Zum anderen ist die MTRA die wichtigste Ansprechpartnerin für die Screening-Teilnehmerinnen, da keine Ärztin oder Arzt vor Ort ist.

Insgesamt erwartet die MTRA, neben der Umsetzung der primären Mammografie-Erstellung, ein interessantes Betätigungsumfeld mit einem umfangreichen Aufgabengebiet. Je nach Praxisbetrieb erfolgt zum Beispiel zusätzlich ein Einsatz in der Abklärungsdiagnostik inklusive der Unterstützung bei Biopsien, Vorbereitung und Anwesenheit der wöchentlichen Konferenzen, gegebenenfalls Organisation und Evaluation der Praxisscreening-Daten oder bei der Mitwirkung der Öffentlichkeitsarbeit.

Ausblick

Der technologische Fortschritt im Bereich der Radiologie erlaubt der Medizin immer neue Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten, an die noch vor Jahren nicht zu denken war. Von diesem Fortschritt könnte auch künftig das Mammographie-Screening-Programm profitieren.

Derzeit wird in einer groß angelegten eins zu eins randomisierten Studie überprüft, ob die technische Weiterentwicklung der digitalen Mammografie zum Schichtverfahren (Brust-Tomosynthese) den derzeitigen Standard der mammografischen Brustuntersuchung voranbringt. Zwei Mammografietechniken stehen im Vergleich: 2-D-Digitale Mammografie (DM) versus Digitaler Brust-Tomosynthese (DBT) plus 2-D-synthetischer Bildgebung (SM).

Folgende Fragen sollen durch die ToSyMa-Studie beantwortet werden:

  • Erhöht sich die Tumorentdeckungsrate und hat die Tomosynthese (DBT plus SM) im weiteren Verlauf einen positiven Einfluss auf die Anzahl der Intervallkarzinome?
  • Werden durch den Einsatz der Tomosynthese (DBT plus SM) weniger Frauen zur Abklärungsuntersuchung eingeladen?

Das Mammographie-Screening-Programm ist ein spannendes Thema, welches das medizinische Personal immer neu herausfordert.

Box 1: Das Mammographie-Screeningprogramm

Das Mammographie-Screening-Programm ist ein Brustkrebsfrüherkennungsprogramm. Das Angebot besteht für Frauen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr. Die anspruchsberechtigten Frauen werden alle zwei Jahre zur Röntgenuntersuchung der Brust (Mammografie) in eine für sie zuständige, ortsnahe Screening-Einheit eingeladen. Nach der Erstellung der Mammografie werden die Aufnahmen von zwei radiologischen Fachärzten unabhängig voneinander befundet. Unklare Aufnahmen werden in einer Konferenz mit dem Programmverantwortlichen Arzt beziehungsweise mit der Programmverantwortlichen Ärztin (PVA) der Screening-Einheit zu dritt besprochen. Ist das Ergebnis nicht eindeutig, wird die Frau zu einer ergänzenden, personalisierten Abklärungsuntersuchung eingeladen.

Grund: Jährlich erkranken mehr als 70.000 Frauen in Deutschland an Brustkrebs, wobei das Risiko mit zunehmendem Alter steigt. Der Brustkrebs stellt für die Frauen immer noch das größte Risiko vorzeitigen Todes durch eine Tumorerkrankung dar. Trotz aller Fortschritte in der Therapie sterben jedes Jahr in Deutschland etwa 17.500 Frauen an einem Mammakarzinom.

Ziel des Mammographie-Screening-Programms ist es, Brustkrebs möglichst früh zu erkennen, um ihn erfolgreich und schonender behandeln zu können. Die regelmäßige Teilnahme an dem qualitätsgesicherten Programm bedeutet für die teilnehmenden Frauen mehr Sicherheit bei der Früherkennung von Brustkrebs.

Das Brustkrebsfrüherkennungsprogramm ist eingebettet in das Europäische Mammographie-Screening-Programm.

Interesse geweckt?

Wenn Sie mehr erfahren wollen, wenden Sie sich an die Autorin Claudia Verloh.

Anschriften der Autorinnen:

Claudia Verloh: Leitende und Lehr-MTRA, Klinik für Radiologie und Referenzzentrum Mammographie am Universitätsklinikum Münster, Albert-Schweitzer-Campus 1, Geb. A 1, 48149 Münster.

Beratendes Mitglied der Ärztlichen Stelle Westfalen-Lippe, Trainer für Vor-Ort-Schulungen. Kontakt: claudia.verloh@ukmuenster.de

Dr. Nina Oxenius: Referentin für Öffentlichkeitsarbeit am Referenzzentrum Mammographie am Universitätsklinikum Münster, Albert-Schweitzer-Campus 1, Geb. A 1 48149 Münster

Literatur

1.    Weigel S, Heindel W, Heidrich J, Heidinger O, Hense HW: Reduction of Advanced Breast Cancer Stages at Subsequent Participation in Mammography Screening. Rofo 2016; DOI: 10.1055/s-0041–107835.

2.    Khil L, Heidrich J, Wellmann I, Kääb-Sanyal V, Weigel S, Heindel W, Hense HW, Heidinger O: Incidence of advanced-stage breast cancer in regular participants of a mammography screening program: a prospective register-based study. BMC Cancer, 4 March 2020; 20 (1): 174, DOI: 10.1186/s12885–020–6646–5.

 

Entnommen aus MTA Dialog 12/2020