Innovative Technologie

Revolutionäre Technik bei Lebertransplantationen

Als eines der weltweit ersten Transplantationszentren hat Innsbruck ein neues Gerät für Lebertransplantationen in Betrieb genommen. Das Gerät, genannt „Metra“, hat das Potenzial, die Transplantationsmedizin zu revolutionieren: Erstmals kann eine Spenderleber für zunächst 24 Stunden außerhalb des Körpers am Leben erhalten werden.

METRA

Stefan Schneeberger und Annemarie Weißenbacher verladen die Leberspende in das Gerät. | MUI/F. Lechner

Am Innsbrucker Transplantationszentrum wurde am 1. Februar das neue Gerät „Metra“ der britischen Firma OrganOx eingeführt. Einer der Entwickler, der Direktor des Transplantationszentrums der Universität Oxford, Peter Friend, ist zur Inbetriebnahme angereist. Zwischen den beiden Zentren in Innsbruck und Oxford gibt es bereits seit vielen Jahren einen regen Austausch.

Das Beziehungsmuster zwischen der Leber und den Laborwerten

Die Leber ist die größte Drüse des Körpers, ist an einer Vielzahl von Stoffwechselprozessen beteiligt und produziert wichtige Enzyme und Eiweiße.

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„Hinter der Entwicklung von Metra steckt eine einfache Philosophie: Die Spenderleber soll nicht merken, dass sie außerhalb eines Körpers ist“, erklärt Peter Friend, der das Gerät gemeinsam mit dem Ingenieur Constantin Coussios entwickelt hat. Ziel der Entwicklung ist es, die Funktion von Spenderlebern außerhalb des Körpers für möglichst lange Zeit aufrechtzuerhalten und dabei im Detail zu testen.

Lebertransplantationen werden planbarer

Bisher werden zugewiesene Lebern bei einer Temperatur von vier Grad nach der Entnahme konserviert. Dem Transplantationsteam bleiben demnach derzeit nach der Durchtrennung bis zur erneuten Durchblutung im Spenderkörper sechs bis maximal zehn Stunden. Durch den Einsatz der „Metra“ erhöht sich diese Zeit auf zunächst 24 Stunden. „Lebertransplantationen werden dadurch planbarer. Wir können sowohl die Patientinnen und Patienten als auch das OP-Team besser vorbereiten und auf Noteingriffe in der Nacht verzichten“, erklärt Dietmar Öfner-Velano, Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie.

„Für uns ist das eine revolutionäre Technik. Wir hoffen, dass wir in naher Zukunft Spenderlebern für mehrere Tage oder Wochen aufbewahren können“, erklärt Stefan Schneeberger, Leiter des Innsbrucker Transplantationszentrums. „Eines Tages werden wir diese Technologie vielleicht auch für andere Organe einsetzen können oder beispielsweise eine erkrankte Leber direkt am Gerät therapieren können.“
 „Metra“ erzeugt für die Spenderleber ein ähnliches Umfeld wie im Körper. Die sogenannte ex vivo Perfusion erfolgt auf Körpertemperatur. Es wird keine künstliche Flüssigkeit, sondern Blut verwendet. „Sobald die Leber an das Gerät angeschlossen wird, funktioniert sie wie im Körper. Sie produziert Galle, verstoffwechselt Glucose und behält ihren physiologischen pH-Wert. ,Metra‘ ermöglicht damit auch eine Qualitätskontrolle über die Funktion der Leber“, erklärt Annemarie Weißenbacher. Die Innsbrucker Transplantationschirurgin absolviert derzeit ihr PhD-Studium in Oxford.

Auch Lebern von älteren Spendern können verwendet werden

Da die Funktion einer potenziellen Spenderleber im Detail überprüft werden kann, wird es möglich sein, auch Lebern von älteren Spendern und Spenderinnen nach entsprechender Prüfung für die Transplantation zu verwenden. „Die Sterberate auf der Warteliste kann dadurch weiter verringert werden“, sagt Stefan Schneeberger. Ein weiterer entscheidender Vorteil entsteht durch die zeitliche Trennung von Organentnahme und Transplantation. Dies ermöglicht eine Vorbehandlung des Empfängers. „Jene Therapien, die schon heute dazu beitragen die ,Toleranz‘ des Organempfängers gegenüber dem Spenderorgan zu erhöhen, könnten auch bei der Transplantation eines Organes von einem verstorbenen Spender eingesetzt werden“, erklärt Stefan Schneeberger. Das wäre ein entscheidender Schritt, um die Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems nach Transplantationen zu vermeiden.  

Quelle: tirol kliniken/Medizinische Universität Innsbruck, 01.02.2018