Selbsthilfebuch

Reduzierung von Burn-out und Stress – ganz ohne Therapeut

Ein Selbsthilfebuch hat das Potenzial, ganz ohne Therapeutenkontakt Burn-out, Stress und Symptome der Depression zu reduzieren.

Selbsthilfebuch

Stress am Arbeitsplatz stellt eine Bedrohung für die psychische und körperliche Gesundheit dar. | Gina Sanders - Fotolia

Jeder dritte Arbeitnehmer fühlt sich durch seinen Job gestresst. Interventionen gegen Stress und Burn-out gibt es zwar, oft sind sie aber für viele Arbeitnehmer nicht zugänglich. Ein Selbsthilfebuch, basierend auf der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT), hat das Potenzial, ganz ohne Therapeutenkontakt Burn-out, Stress und Symptome der Depression zu reduzieren. Dies berichten Forschende der Universität Basel in der Fachzeitschrift "Work & Stress".

Hefezellen

Viele Krankheiten des Menschen lassen sich auf entartete Proteine zurückführen, die sich zu Aggregaten zusammenlagern. Nun haben Forscher entdeckt, dass die Bildung dieser Protein-Aggregate in Hefezellen umkehrbar ist.

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Stress am Arbeitsplatz stellt eine Bedrohung für die psychische und körperliche Gesundheit dar und ist mit Einschränkungen und hohen sozioökonomischen Kosten verbunden. Programme gegen Stress oder Burn-out werden oft von einzelnen Organisationen für bestimmte Berufsgruppen angeboten. Betroffene Personen, die nicht von solchen Programmen Gebrauch machen können, werden sich selbst überlassen. Selbsthilfebücher könnten eine günstige Alternative zu Programmen bieten, die von Experten und Therapeuten geführt werden. Die Effektivität von solchen Büchern ist allerdings in den wenigsten Fällen nachgewiesen.

Erstmals haben nun Forschende der Universität Basel zusammen mit dem Institut für Arbeit und seelische Gesundheit (INSAS) in München die Wirksamkeit eines Selbsthilfebuches für Symptome von Stress und Burn-out ganz ohne Therapeutenkontakt untersucht. Dafür wurden Personen aus unterschiedlichen Berufsgruppen mit moderaten und schweren Stresswerten zufällig einer von zwei Gruppen zugewiesen. Die eine Gruppe arbeitete das Selbsthilfebuch sofort während fünf Wochen durch. Die zweite Gruppe erhielt das Buch erst nach einer Wartezeit.
Das Selbsthilfebuch zeigt auf, wie Burn-out mit emotionaler Rigidität zusammenhängt und beschreibt, wie ACT diese innere Rigidität verändern kann. Durch Achtsamkeit und Akzeptanz soll ein flexiblerer Umgang mit schwierigen Gedanken und Emotionen ermöglicht werden.

Signifikante Abnahme von Stress, Burn-out und Depressionssymptomen

Personen, die das Selbsthilfebuch erhielten, zeigten eine deutlich stärkere Verbesserung in den Bereichen Stress, Burn-out, Depressionssymptome und Wohlbefinden als Personen in der Wartelistegruppe. Drei Monate nach Abschluss berichteten die Studienteilnehmer von einer weiteren signifikanten Abnahme von Stress, Burn-out und Depressionssymptomen.

«Ein Selbsthilfebuch ganz ohne Therapeutenkontakt könnte finanzielle Barrieren überwinden sowie örtliche und zeitliche Flexibilität bieten», kommentiert Erstautorin Patrizia Hofer von der Fakultät für Psychologie der Universität Basel das Ergebnis. In der Studie wurden ähnliche Effekte für Stressreduktion und sogar eher stärkere Effekte für die Reduktion von Burn-out erzielt als dies in Meta-Analysen über verschiedene Interventionen mit Therapeuten für die Behandlung von Stress und Burn-out berichtet wurde.

«Nichtsdestotrotz ist ein Selbsthilfebuch ohne Therapeutenkontakt nicht für alle Personen geeignet. Bei langen Wartezeiten oder begrenzten Zugangsmöglichkeiten zur Psychotherapie könnte ein ACT-Selbsthilfebuch aber ein vielversprechender erster Schritt im Sinne eines gestuften Versorgungskonzeptes sein», so Studienleiter Prof. Dr. Andrew Gloster, Leiter der Abteilung Klinische Psychologie und Interventionsforschung an der Universität Basel.

 

Literatur:

Patrizia Hofer, Michael Waadt, Regula Aschwanden, Marina Milidou, Jens Acker, Andrea Meyer, Roselind Lieb, Andrew Gloster
Self-help for stress and burnout without therapist contact: An online randomised controlled trial
Work & Stress (2017), doi: 10.1080/02678373.2017.1402389

 

Quelle: Universität Basel, 27.11.2017