Kongresse in Südkorea und Malta

Radiologie international 2016

Im Oktober 2016 fand im südkoreanischen Seoul der 19. Weltkongress der ISRRT statt. Die EFRS hatte im November 2016 zur 9. Jahreshauptversammlung nach Malta eingeladen.

International

Die ISRRT Board Members | © www.isrrt.org

International Society of Radiographers and Radiological Technologists (ISRRT)

Im Oktober 2016 fand im südkoreanischen Seoul der 19. Weltkongress der ISRRT statt. Wichtige personelle Änderungen waren der angekündigte Rücktritt des langjährigen CEO Sandy Yule, dessen Geschäfte ab 2017 Dimitris Katsifarakis übernehmen wird. Dessen frei werdende Position als Regional Director Europe wird dann von Bodil Andersson aus Schweden besetzt werden.

Die ISRRT ist von ihrem Konzept her eine Charity-Organisation und fühlt sich in erster Linie verpflichtet, denjenigen Ländern, die das aus eigener Kraft nicht schaffen, Unterstützung zukommen zu lassen. Nicht umsonst sind die Werte der ISRRT wie folgt definiert: Professionalität, Exzellenz, Hingabe, Mitgefühl und Integrität. Neben finanziellen Mitteln findet Unterstützung in Form von Lehrmaterialien, Organisation von Weiterbildung und tatkräftiger Hilfe vor Ort statt. Hier hat sich besonders Philippe Gerson aus Frankreich hervorgetan, der seit vielen Jahren regelmäßig in die französischsprachigen Länder Afrikas reist, um vor Ort Radiographer (MTRA) aus- und weiterzubilden.

Dennoch hat die ISRRT auch berufspolitische Ambitionen, insbesondere hinsichtlich der Wichtigkeit und Eigenständigkeit des Berufes Radiographer (MTRA) weltweit. Derzeit hat die ISRRT 86 Mitgliedsverbände aus allen fünf Kontinenten, und die Vertreter der Mitgliedsländer (Council Members) treffen sich jeweils im Vorfeld der im Zweijahresrhythmus stattfindenden Weltkongresse, um sich diesbezüglich politisch zu positionieren. Im Mission Statement hört sich das so an: Die ISRRT strebt eine Verbesserung der Standards hinsichtlich der Ausübung von Radiologischer Diagnostik und Strahlentherapie weltweit im Sinne einer internationalen Dachorganisation für medizinische Strahlentechnologie an. Außerdem tritt sie für eine hochwertige Patientenversorgung, Ausbildung und Forschung in den medizinischen Strahlenwissenschaften ein.

So wurde in diesem Jahr die Stellung der Radiographer in Bezug auf die Anwendung und Optimierung der exponierten Strahlung diskutiert. Demnach sind die Radiographer als diejenigen Personen, die ionisierende Strahlung an den Patienten anwenden, nicht nur für die Untersuchung an sich verantwortlich, sondern auch dafür, dass die Dosis so weit wie möglich minimiert und optimiert sowie gegebenenfalls die Untersuchung gar nicht durchgeführt wird. Dieses Statement ist im Prinzip richtig, jedoch gibt es nationale Regelungen, die Teile dieser Aufgaben an andere Fachberufe übertragen, wie zum Beispiel in Deutschland, wo gemäß Röntgenverordnung die „Rechtfertigende Indikation“ vorgegeben wurde, die von fachkundigen Radiologen/-innen auszuüben ist.

Der nächste Weltkongress der ISRRT wird 2018 in Trinidad und Tobago stattfinden.

European Federation of Radiographer Societies (EFRS)

Die EFRS hatte im November 2016 zur 9. Jahreshauptversammlung nach Malta eingeladen. Die EFRS hat derzeit 37 Vertretungen von Berufsverbänden und von 55 Ausbildungsinstitutionen europaweit, etwa die Hälfte davon hat teilgenommen.

EFRS-Jahreshauptversammlung 2016 in Malta mit den deutschen Teilnehmerinnen Susanne Huber
und Anke Ohmstede, ganz oben hinten | © EFRS

Im Gegensatz zur internationalen ISRRT beschäftigt sich die EFRS ausschließlich mit europäischen Themen. Schwerpunkte sind immer die Zusammenarbeit mit anderen relevanten Organisationen, politische Positionierung der Radiographer, Ausbildung, Weiterbildung und Forschung.

Von besonderem beruflichen Interesse ist die Einstufung der Radiographer gemäß Ausbildungsstandards hinsichtlich des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR). Hier ist in Deutschland die Einstufung der/s MTRA in Level 4 vorgesehen und in denjenigen Ländern, in denen die Ausbildung an Hochschulen stattfindet, in Level 6. Das entspricht einem Bachelor-of-Science-Abschluss. Das von der EFRS gemeinsam erarbeitete Dokument mit der Beschreibung aller Tätigkeiten, bezogen auf Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen, wird zum Beispiel vom DVTA zur politischen Diskussion um die Akademisierung der/s MTRA in Deutschland verwendet. Derzeit wird ein gleiches Papier für den Level 7 erarbeitet, bei dem der Master-of-Science-Abschluss beschrieben wird, den es in vielen europäischen Ländern gibt, daneben im Übrigen auch die Promotion (PhD). Akademisierung geht immer mit Forschung einher, und so ist es für die EFRS unerlässlich, sich auch hier zu positionieren. Sie hat daher das folgende Mission Statement formuliert: Es ist die Mission der EFRS im Bereich der klinischen Radiographie, eine Entwicklung von hochqualitativer Forschung zu ermutigen und zu unterstützen, indem das Basiswissen der Radiographie-Wissenschaften in speziellen Fachbereichen der Diagnostischen Radiografie, Strahlentherapie und Nuklearmedizin ausgebaut und evidenzbasierte Radiographie umgesetzt werden soll.

Nach neun Jahren Bestehen der EFRS war es wichtig, im Rahmen der letztjährigen Jahreshauptversammlung noch einmal die Aufgaben der EFRS zu diskutieren. Zu den drei Hauptthemenblöcken Organisation der EFRS, Berufsausübung und Qualität/Patientenversorgung wurden die Inhalte in Arbeitsgruppen ausführlich diskutiert und neue Weichen für die Zukunft gestellt:

Organisation (EFRS): Es ist eine zukunftsfähige interne Organisation zu etablieren, die die Arbeit der EFRS bis 2019 unterstützt und ermöglicht.

Berufsausübung: Es ist Aufgabe der EFRS, den Beruf der Radiografie – den ganzen Bereich von Radiologischer Diagnostik, Strahlentherapie und Nuklearmedizin umfassend – in Europa zu repräsentieren, zu fördern und weiterzuentwickeln, darüber hinaus alles, im weitesten Sinn, das direkt oder indirekt damit zusammenhängt beziehungsweise förderlich für die Profession ist.

Qualität und Patientenversorgung: Die EFRS wird an allen relevanten Aktionen auf europäischer und, falls erforderlich, weltweiter Ebene teilnehmen, um die Rolle der Radiographer hervorzuheben und zu den fortlaufenden Verbesserungen in der Qualität der Dienstleister in klinischer Bildgebung und Strahlentherapie sowie Patientensicherheit beizutragen.

Themen der Ausbildung werden im EFRS-Educational Wing EW (ehemals HENRE Higher Education Network for Radiographers in Europe) diskutiert. Die Mitglieder des EW sind Vertreter/-innen von Radiographer-Ausbildungsinstitutionen. In dem gut etablierten Netzwerk werden gemeinsam zu behandelnde Aufgaben identifiziert und bearbeitet. Aktuell wurde eine Publikation zum Thema „Patientensicherheit im Lehrplan der Basisausbildung (undergraduate level) Radiographie in europaweiter Betrachtung“ vorgestellt, die in diesem Jahr veröffentlicht wird. Weitere Aufgaben sind derzeit unter anderem:

  • Evaluation des EQR-Level 6 Benchmarking Dokuments (s. oben)
  • Erstellung des EQR-Level 7 Benchmarking Dokuments (s. oben)
  • Diskussion um die Erstellung eines europäischen Diploms
  • Vorschläge zu Radiografie-bezogenen Forschungspreisen
  • Entwicklung von Fortbildungsrichtlinien (CPD)
  • Mitarbeit bei EFRS-Surveys
  • Mitarbeit bei der Erstellung des Fortbildungsprogramms „Radiographer“ anlässlich des European Congress of Radiology ECR.

 

Entnommen aus MTA Dialog 02/2017