Hygiene – stiefmütterlich behandelt auf Radiologiekongressen?

Produktinnovationen und Arbeitskultur im wichtigen Kampf gegen die Keime

Hygiene: kein Thema auf Fachveranstaltungen der Radiologie? Auf der Agenda des Jahrestreffens der Radiological Society of North America (RSNA) war Hygienemanagement jedenfalls – außer einem wissenschaftlichen Paper – nicht zu finden.

Hygiene – stiefmütterlich behandelt auf Radiologiekongressen?

Das mobile Ultraschallgerät „Touch Prime“ von Carestream, hier auf dem RSNA in Chicago, weist ein komplett knopfloses Design mit glatter Oberflächenstruktur für bestmögliche Desinfektion auf. | © Mirjam Bauer

Einige Hersteller zeigten sich in Chicago jedoch bereit, mit ihren Lösungen zur Optimierung der Hygienesituation in der Bildgebung Position zu beziehen. Eine Durchsicht der Vortragsthemen und Papers auf dem RSNA-Jahrestreffen ergab eine einzige Fundstelle hinsichtlich Hygienemanagement: ein Paper von John Childress III MD, Deb Burch RT, Cheryl Kucharski RT, Ella Kazerooni MD MS und Matthew Davenport MD aus der Radiologischen Abteilung der Universität Michigan. Zwischen fünf und zehn Prozent der US-amerikanischen Krankenhauspatienten, so zitieren die Studienautoren die Centers for Disease Control and Prevention (CDC), erleiden eine nosokomiale Infektion. Die Forscher beschreiben die Tragweite: Jährlich resultieren hierdurch mehr als 75.000 Todesfälle, die Folgekosten betragen zwischen 28 und 33 Milliarden US-Dollar. Aus dieser alarmierenden Situation hat beispielsweise der öffentliche Kostenträger Medicare, der die Versorgungskosten für mehr als 55 Millionen US-Bürger übernimmt, die Konsequenz gezogen: Im Rahmen der qualitätsorientierten Vergütung – „pay for quality“ – „bestraft“ Medicare inzwischen Leistungserbringer, die überdurchschnittlich hohe Infektionsraten aufweisen.

Studie: Neue Methode zum Monitoring bakterieller Kontamination von CT-Geräten

Welchen Einfluss auf die Infektionsrate hat die Radiologie, welchen Beitrag sollte sie zur Reduktion des Risikos leisten? Radiologische Abteilungen weisen einen signifikanten Patientendurchsatz auf; Geräte wie CTs werden für zahlreiche Patienten eingesetzt und sind somit potenzielle Ansteckungsträger. Das Equipment sollte also zwingend in das Hygienemanagement von Krankenhäusern einbezogen werden. Das „traditionelle“ Monitoring der Desinfektion von Oberflächen auf Basis von Kulturen ist jedoch aufwendig, und Mikroorganismen wie Clostridium difficile (C. diff.) sind schwer zu kultivieren. Das Studienteam der Michigan University untersuchte daher die Effektivität von Adenosin-Triphosphat (ATP) als alternative Methode zur Detektion von Keimen. ATP, in der Lebensmittelindustrie seit mehr als 20 Jahren in Verwendung, wird von den CDC beim Hygienemonitoring von Oberflächen anerkannt, ist bislang jedoch kaum getestet. Die Vergleichsstudie des Teams in Ann Arbor zeigte: CTs sind tatsächlich Infektionsträger; ATP funktioniert als weit weniger aufwendiger Indikator der Belastung an Bakterien, sagt allerdings nichts über deren Pathogenität aus – kulturbasierte Nachuntersuchungen sind also je nach Ergebnis nötig. Und weitere Rückschlüsse der Studie sind: Neu aufgestellte Abläufe zur Reduktion der Bakterienlast müssen nachgehalten werden, sonst gewinnt das Mitarbeiterverhalten vor der Prozessänderung wieder die Oberhand.

Hygiene und Kontrastmittel

Eine einfache Methode, die Verbreitung von Keimen durch Kontrastmittel zu verhindern beziehungsweise zu vermindern, ist die Konfektionierung kleinerer Gebinde. Dadurch eliminiert man Schläuche mit Resten und vermeidet die Nutzung einer Einheit für mehrere Patienten. Dies ist beispielsweise ein Angebot von Bracco, die aus diesem Grund kleinere Einheiten oder Einzelflaschen anbieten. Schon vor Jahren hat der Kontrastmittelhersteller Guerbet einen großen Schritt bei der Hygiene im Bereich der Verpackungen nach vorn getan: Bei der „Scan-Bag“ handelt sich um ein geschlossenes System. So wird dieser Beutel, anders als bei den vorher gebräuchlichen Durchflusstaschen, nicht mehr mit einem Spike angestochen und dann mehr oder weniger offen mit einem Injektor verbunden, sondern über einen Luerlock-Konnektor – einen Schlauchverbinder – verbunden. Vor drei Jahren stellte der Anbieter zusätzlich zu dieser Verpackung einen Kontrastmittelinjektor vor, der auf das System abgestimmt ist. Dieses ebenfalls geschlossene System setzt sich aus einer Kammer zusammen, in der das Kontrastmittel warmgehalten wird, und einem Patientenschlauch mit einem doppelten Rückschlagventil, das einen Rückfluss vom Patienten verhindert. Alle anderen Systeme auf dem Markt haben separate Schläuche, die man manuell zusammenstecken muss. Dabei wird unerwünschte Raumluft eingesogen, sobald Flüssigkeit abgegeben wird. Das Nichterfolgen des Lufteintrittes sowie die Wirksamkeit des Rückschlagventils sind durch Studien belegt. Im Gegensatz dazu kollabiert der Scan-Bag mit dem Abfluss von Flüssigkeit. Zusätzlich zum Hygienevorteil sind hier Bruchsicherheit, Verpackungs- und Abfallvolumen sowie das Gewicht des Gebindes weitere Vorteile des Produkts. Auch der schnelle Gebindewechsel wird gut in Kliniken angenommen. Und noch ein positiver Effekt ergibt sich für Patienten: Vorgefüllte Hochdruckspritzen von Mallinckrodt (einem Hersteller, den Guerbet vor einiger Zeit übernommen hat) benutzt man mit erwärmten Steckern, die die Schläuche verbinden – die Patienten empfinden dies als viel angenehmer.