Frühgeborenensimulator

Praxisnahes Notfalltraining

Patientensimulator „Paul“ macht das Üben für lebensbedrohliche Situationen bei den Kleinsten möglich.

Frühgeborenensimulator

Patientensimulator „Paul“ | SIMCharacters

Am 12. April wurde im Tübinger Uniklinikum eine Weltneuheit der Frühgeborenenmedizin vorgestellt: der Patientensimulator „Paul“. Als eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland erhält die Neonatologie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin den aus Spenden finanzierten 60 000 Euro teuren Simulator, mit dem künftig das Personal für Notfallsituationen bei Frühgeborenen trainiert.
1.000 Gramm Gewicht und eine Körpergröße von 35 cm. Das ist der kleine „Paul“, liebevoll auch Paulchen genannt. Er atmet schnell, sein Herz pocht und auch sein Puls ist deutlich spürbar. Erst auf den zweiten Blick fällt auf: „Paul“ ist überhaupt kein echtes Frühgeborenes.

„Paul“ ist ein Patientensimulator – eine detailgetreue Nachbildung eines Frühchens der 27. Schwangerschaftswoche. Rund 120 Frühgeborene wie „Paul“ kommen jedes Jahr in der Tübinger Frauenklinik zur Welt. Bei der anschließenden medizinischen Betreuung der Frühchen kommt es immer wieder zu Notfallsituationen, auf welche das Personal vorbereitet sein muss. Abläufe müssen aufeinander abgestimmt sein, Handgriffe müssen sitzen und binnen Sekunden müssen lebenswichtige Entscheidungen getroffen werden. Daher ist Übung für alle Beteiligten unerlässlich. So auch für Kinderarzt Dr. Rangmar Goelz: „Junge Ärzte müssen lernen, wie man beispielsweise ein Baby intubiert, dessen Köpfchen kaum größer als ein Apfel ist. Sie sollten ihre Erfahrungen aber nicht am lebenden Kind erwerben. Daher ist das Training an einem solchen Patientensimulator so wichtig.“

Die Relevanz solcher Übungen wird durch Statistiken deutlich: Ihnen zufolge mangelt es nicht an medizinischem Fachwissen des Personals, sondern an Kommunikation, Koordination und Ressourcenmanagement. Durch Patientensimulatoren wie „Paul“ können solche Kompetenzen trainiert werden.

Drahtlos und über Funk

Künftig werden in der Neonatologie noch praxisnähere Übungseinheiten mit „Paulchen“ stattfinden. Bislang wurde im Tübinger Patientensicherheits- und Simulationszentrum mit einem 5 kg-Babysimulator trainiert. Mit dem Patientensimulator der österreichischen Herstellerfirma „SIMCharacters“ können bestimmte Notfallsituationen einfacher auch vor Ort auf der Station nachgestellt werden, denn „Paulchen“ arbeitet drahtlos und wird über Funk angesteuert.
 
Anschließend werden diese Übungen gemeinsam im Team ausgewertet und besprochen, damit in realen Situationen das medizinische Vorgehen optimiert werden kann. Die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Tübingen und die Uni-Kinderklinik Lübeck sind die ersten Krankenhäuser in Deutschland, die mit einem solchen Frühgeborenensimulator trainieren. Angeschafft wurde der 60.000 Euro teure Simulator durch Spenden an die Stiftung „Hilfe für kranke Kinder“. Dabei wurde der Großteil des Geldes durch die Weihnachtsspendenaktion des „Schwäbischen Tagblatts“ gesammelt, zusätzlich haben „Dachtel hilft kranken Kindern“ und „Lichtblick“, der Förderverein der Frühgeborenenabteilung gespendet.

 „Leider übernehmen weder die Krankenkassen noch der Staat die Kosten für eine solche Anschaffung.“ bedauert Goelz. Umso mehr freue er sich darüber, dass bei der Weihnachtsspendenaktion des „Schwäbischen Tagblatts“ so viel zusammengekommen ist und erklärt: „Für die Ausbildung des Personals sind die Simulatoren ein Riesenfortschritt, der entscheidend dazu beiträgt, Leben zu retten“.

Quelle: Uniklinik Tübingen, 12.04.2017