Care-Klima-Index

Pflegende fühlen sich im Stich gelassen

Die Ergebnisse des ersten Care-Klima-Index 2017 zeigen, dass sich die Pflege von der Politik im Stich gelassen fühlt. 56 % der professionell Pflegenden beurteilen den gesellschaftlichen Stellenwert ihrer Profession niedriger als den anderer Berufsgruppen.

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Die Einschätzung des Qualitätsniveaus der professionellen Pflege landet nur noch im Mittelfeld. | drubigphoto/Fotolia

Die zentralen Ergebnisse des ersten Care-Klima-Index Deutschland: Die Pflege fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. So bewerten 91 % der professionell Pflegenden, dass das Thema Pflege in der Politik einen geringen Stellenwert hat. Die neuen gesetzlichen Regelungen durch die Pflegestärkungsgesetze werden ebenfalls kritisch beurteilt: Bei den Pflegenden sehen 59 % noch keine relevanten Verbesserungen im Alltag. Die Kostenträger fällen mit nur 35 % jedoch ein deutlich positiveres Urteil.

 

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Im Dezember 2015 waren in Deutschland 2,86 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, hat die Zahl der Pflegebedürftigen im Vergleich zum Dezember 2013 um 234 000 (+ 8,9 %) zugenommen.

 

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Auch insgesamt fühlen sich die Pflegefachpersonen wenig wertgeschätzt: 56 % der professionell Pflegenden beurteilen den gesellschaftlichen Stellenwert ihrer Profession niedriger als den anderer Berufsgruppen. Eher neutral bis negativ wird die wirtschaftliche Lage bei den stationären Pflegeeinrichtungen beurteilt: Nur 17 % der Befragten sehen sie positiv, 31 % neutral, 36 % negativ.
Noch nicht im Pflegealltag angekommen sind digitale Innovationen: 67 % der professionell Pflegenden wissen noch nichts über sie, weitere 10 % sehen in ihnen keine Hilfen, lediglich 6 % bewerten sie positiv. Gut dagegen wird die Qualität der Ausbildung zumindest von den Pflegenden selbst eingeschätzt: 73 % beurteilen sie positiv. Pflegemanager beurteilen sie allerdings nur mit 35 % als gut.

Ernüchterung setzt dann im Berufsalltag ein: Die Einschätzung des Qualitätsniveaus der professionellen Pflege landet nur noch im Mittelfeld. Lediglich 15 % beurteilen die Qualität der Versorgung als hochwertig, 51 % nur als mittelmäßig und 28 % sogar als mangelhaft. Auch bei dem Stichwort der interdisziplinären Teamarbeit – ein wichtiges Kriterium für eine gut funktionierende Pflege – fällt die Stimmung eher unterkühlt aus: Zwar wird die interdisziplinäre Zusammenarbeit noch von 44 % der Ärzte positiv gesehen, aber nur 22 % der Pflegenden sehen das ebenso. Als großes Manko wird nicht zuletzt die personelle Ausstattung in der Pflege bewertet: 80 % der Pflegenden empfinden sie als nicht ausreichend, ebenso 72 % der Ärzte. Die Kostenträger zeigen sich stattdessen mit 45 % indifferent.

Bessere Personalausstattung gefordert

Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerates, fordert daher unverzüglich eine spürbar bessere Personalausstattung in allen Versorgungsbereichen: „Die Anforderungen an die Pflege steigen qualitativ wie quantitativ ständig an. Es wird aber nicht der Rahmen geschaffen, in dem Pflegende gut und zufrieden arbeiten können und dabei selbst gesund bleiben. Der extrem hohe Krankenstand in den Pflegeberufen und der Exodus aus dem Beruf sind deutliche Signale“, so Franz Wagner. „Die Sondierungsergebnisse begreifen wir als Schritt in die richtige Richtung. Es müssen aber schnell Taten folgen, und es darf nicht bei gut gemeinten Ankündigungen bleiben.“

Ein deutliches Signal an die Politik ist auch die Einschätzung zur Zukunft der Pflege: Die professionelle Pflege sieht die Versorgung künftig gefährdet – 65 % der befragten Pflegenden blicken düster und negativ in die Zukunft.


Quelle: Deutscher Pflegetag, 16.01.2018