Fachärztliche Labore

PCR-Kapazität reicht für Diagnostik und Mutationssuche

Die Suche nach den vermehrt auftretenden SARS-CoV-2-Varianten B.1.1.7 und B.1.351, nach denen nun mittels Vollgenomsequenzierung und auf spezifische Mutationen ausgerichtete PCR-Untersuchungen gefahndet wird, fordert die Labore besonders.

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„Sowohl die breite, möglichst flächendecke Surveillance der Mutationen im Rahmen der PCR-Nachtestung als auch die Fortführung der SARS-CoV-2-Diagnostik zur Aufdeckung von Infektionen laufen auf Hochtouren“, erklärte Dr. Michael Müller auf der ALM e.V.-Pressekonferenz. Der 1. Vorsitzende des ALM betonte: „Alle Daten werden vom RKI zusammengefasst ausgewertet und mit Blick auf die Gesamtsituation in Deutschland beurteilt. Die Labore tragen mit ihrer Arbeit dazu bei, ein umfassendes Bild der Verbreitung von SARS-CoV-2 in Deutschland sowie dem Auftreten spezifischer Mutationen und Varianten zu erstellen.“ Die Kapazität sei aktuell größer als der Bedarf. Vorstand Wolf Kupatt sagte, dass die Labore die Sequenzierung schnell hochgefahren hätten und leistungsfähig seien. Das Nachtesten von positiven PCR-Ergebnisse stelle die Labore nicht vor Kapazitätsprobleme, allenfalls müsste man mal einen Tag länger auf ein Ergebnis warten. Dies bringe das System aber nicht ins Rutschen. Evangelos Kotsopoulos, ebenfalls Vorstand im ALM e.V., rechnete vor, dass die Vollgenomsequenzierung mehrere Tage dauere. Auf die Aussage, inwieweit sich die Virusmutation schon in Deutschland ausgebreitet habe, wollte sich Kotsopoulos nicht einlassen. Müller betonte jedoch, dass ihn jede Zahl, die etwas größer sei, beunruhige.

In der KW 04 lag die Zahl der SARS-CoV-2-PCR-Testungen mit 981.404 (993.304/KW 03) abermals niedriger als in der Vorwoche, die Positivrate sank auf 8,9 Prozent (Vorwoche: 10 Prozent). Insgesamt fielen bei den 170 an der Datenanalyse teilnehmenden Laboren aus dem ambulanten und stationären Bereich 87.156 SARS-CoV-2-PCR-Tests positiv aus (Vorwoche: 99.716). Allerdings gibt es nach wie vor große Unsicherheiten, wie viele Schnelltests in Deutschland durchgeführt werden. So wisse man nicht, ob wirklich alle positiven Antigentests auch wirklich mit PCR nachgetestet werden, gab Kotsopoulos zu bedenken. Auch die Zahl der negativen Tests sei nicht bekannt. Dr. Müller erläuterte beim Pressegespräch außerdem, dass es eine erhebliche Zahl von falsch negativen und falsch positiven Ergebnissen bei den Antigentests gebe. Es handele sich nicht um einen Freitest z.B. bei Symptomen wie Halskratzen o.ä. Auch wenn aktuell die Kapazitätsauslastung bei den PCR-Tests bei etwa 51% liege, sieht Kotsopoulos eine Aufweichung der Testkriterien aber kritisch. Dies könne schnell wieder zu einer Auslastung von 100 % führen. Man brauche Puffer, um bei lokalen Ausbrüchen u.ä. reagieren zu können. „Dieses Pulver sollte trocken bleiben“.

„Durch die vermehrte Untersuchung sehen wir, dass die Mutationen auch in Deutschland angekommen sind“, stellte Prof. Jan Kramer, Stellvertretender Vorsitzender des ALM e.V., fest. Ob Wildtyp oder Variante: Die stete und konsequente Einhaltung der bekannten Coronaregeln bleibe weiterhin das Maß der Dinge. Dr. Michael Müller: „Was zum Schutz gegen eine Infektion mit dem so genannten Corona-Wildtyp hilft, das hilft auch zur Vorbeugung gegen eine SARS-CoV-2-Infektion mit einer der Varianten“. Kontaktreduktion, Abstandhalten und Maske tragen seien wichtig, ebenso die Nutzung der Corona-Warn-App und das Lüften in Innenräumen.

Für die KW 04 sei eine Kapazität von 1,9 Millionen PCR-Tests verfügbar. Kupatt erklärte, dass sich die vor einigen Wochen noch bestehende Knappheit an Verbrauchsmaterialen für die Diagnostik weitgehend normalisiert habe. Die Labore und auch die Diagnostika-Hersteller hätten dies mit großen Anstrengungen in den Griff bekommen. „Die fachärztlichen Labore können also problemlos die PCR-Kapazitäten zur Untersuchung symptomatischer Personen, deren Kontaktpersonen und der vulnerablen Gruppen sowie für die Testung in Pflegeheimen bereitstellen“, so die Vorstände des ALM e.V.

Quelle: ALM e.V.