Patiententötungen

Niels H. soll weitere 84 Menschen getötet haben

Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. hat mindestens 90 Menschen getötet. Für sechs Taten wurde er bereits verurteilt.

Patiententötungen

Karl H. Beine und Jeanne Turczynski beschäftigen sich in ihrem Buch "Tatort Krankenhaus" (hier Ausschnitt des Covers) unter anderem auch mit dem Fall Niels H.

Für den gesamten Zeitraum der Tätigkeit von Niels H. in den ehemaligen Städtischen Kliniken Oldenburg wurden 119 Ermittlungsverfahren eingeleitet, 35 Verstorbene wurden exhumiert.

Auf der Station 211 der damaligen Städtischen Kliniken Oldenburg, auf der der Beschuldigte vom 15. Juni 1999 bis zum 9. Dezember 2001 gearbeitet hat, sind derzeit 36 Sterbefällen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf Tathandlungen von Niels H. zurückzuführen. Diese verteilen sich auf die vom Beschuldigten verwandten Wirkstoffe wie folgt:

•    9 Taten unter Verwendung von Ajmalin (Medikamentenname: Gilurytmal),
•    3 Taten unter Verwendung von Sotalol (Medikamentenname: Sotalex),
•    12 Taten unter Verwendung von Lidocain/Xylocain,
•    2 Taten unter Verwendung von Amiodaron (Medikamentenname: Cordarex),
•    7 tödlich verlaufende Vergiftungen unter Verwendung von Kaliumchlorid.

Drei weitere Taten beruhen ohne Substanznachweise auf tatgeständigen Einlassungen.
In einigen wenigen Fällen konnte ein Tatnachweis - insbesondere bei den Vergiftungen mittels Kalium - ohne Exhumierung auf Basis der Krankenakten und Sachverständigengutachten erfolgen.

Im Zeitraum von Dezember 2001 bis September 2002 arbeitete Niels H. nach einer klinikinternen Umsetzung in der Anästhesie der ehemaligen Städtischen Kliniken Oldenburg. Für diesen Zeitraum lassen sich keine Morde mit der notwendigen Beweissicherheit feststellen. Ab dem 25. September 2002 versah der Beschuldigte keinen Dienst mehr in Oldenburg. Unter Beteiligung der Geschäftsführung der damaligen Städtischen Kliniken Oldenburg und des Betriebsrats erfolgten zu dieser Zeit diverse Personalgespräche, nach denen Niels H. zum 31. Dezember 2002 kündigte.

Im Oktober 2002 bewarb sich Niels H. beim damaligen Städtischen Krankenhaus in Delmenhorst, wo er am 15. Dezember 2002 seinen Dienst aufnahm. Im Zeugnis, das dem Beschuldigten vom ehemaligen Städtischen Klinikum Oldenburg ausgestellt worden war, fanden sich keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten, auffälliges Verhalten oder gar den Verdacht von Manipulationen zum Nachteil von Patientinnen und Patienten.

Ermittlungsergebnisse für Delmenhorst

Am 15. Dezember 2002 nahm Niels H. seinen Dienst auf der Intensivstation im ehemaligen Städtischen Krankenhaus Delmenhorst auf. Bereits am 22. Dezember 2002 beging er seine erste Mordtat, die er auch gestanden hat.

Für den Zeitraum, in dem Niels H. am ehemaligen Städtischen Krankenhaus Delmenhorst gearbeitet hat, wurden durch die Sonderkommission „Kardio“ 200 Ermittlungsverfahren eingeleitet. 99 Exhumierungen wurden durchgeführt. Die bisherigen Ergebnisse führten zum dringenden Tatverdacht des Mordes in 48 Sterbefällen, die sich, bezogen auf die unterschiedlichen Wirkstoffe, wie folgt verteilen:

•    29 Taten unter Verwendung von Ajmalin (Medikamentenname: Gilurytmal),
•    4 Taten unter Verwendung von Sotalol (Medikamentenname: Sotalex),
•    12 Taten unter Verwendung von Lidocain/Xylocain.


Auch hier basieren drei weitere Taten ohne positiven Substanzbefund auf geständigen Einlassungen des Beschuldigten. Kalium und Amiodaron konnten als mögliche Tatmittel in Delmenhorst nicht identifiziert werden.

Niels H. ist bereits für sechs Patiententötungen, die er im ehemaligen Städtischen Krankenhaus Delmenhorst begangen hatte, in zwei abgeschlossenen Prozessen rechtskräftig zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Unter Berücksichtigung dieser Taten muss man davon ausgehen, dass Niels H. in Delmenhorst 54 Patientinnen und Patienten getötet hat.

Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen können Niels H. somit in Oldenburg und Delmenhorst 90 Mordtaten zugerechnet werden.

Die Angaben über die Opferzahlen sind auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht abschließend. Für 41 Sterbefälle liegen noch nicht alle Ergebnisse der toxikologischen Untersuchungen vor. Alle notwendigen polizeilichen Ermittlungen sind jedoch weitestgehend abgeschlossen.

Quelle: Staatsanwaltschaft Oldenburg, 28.08.2017