Transparency Deutschland

„Neutralität von medizinischen Leitlinien gefährdet“

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland fordert gesetzliche Regelungen zur Erstellung und Qualitätssicherung von medizinischen Leitlinien für Ärzte und andere Heilberufe.

Leitlinien

Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Unabhängigkeit und Neutralität von medizinischen Leitlinien nicht gesichert ist. | Transparency Deutschland

In einer Untersuchung hat Transparency Deutschland die Rahmenbedingungen zur Erstellung von medizinischen Leitlinien analysiert. Die Auswertung kommt zu dem Ergebnis, dass die Unabhängigkeit und Neutralität von medizinischen Leitlinien nicht gesichert ist.

Medizinische Leitlinien sollen eine Orientierung geben, wie Patienten bestmöglich zu behandeln sind. Sie werden von medizinischen Fachgesellschaften veröffentlicht. Anders als Richtlinien, die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) für die anzuwendenden Leistungen der Versicherten erstellt, unterliegen sie, so Transparency Deutschland, keiner Qualitätskontrolle und würden durch kein deutsches Amt geprüft.

Transparency Deutschland zeigt im Rahmen einer aktuellen Publikation, dass medizinische Leitlinien weiterhin trotz freiwilliger Selbstkontrolle durch unterschiedliche Interessengruppen beeinflusst werden können. Das sei problematisch, da diese Handlungsempfehlungen eine wichtige Orientierungsfunktion hätten und teilweise sogar für gerichtliche Entscheidungen herangezogen würden.

Zusammenarbeit mit Einrichtungen der ärztlichen Qualitätssicherung

„Es geht nicht nur um individuelle therapeutische Entscheidungen einzelner Mediziner, sondern um die strukturelle Beeinflussung. Durch mangelnde Regulierung und fehlende Transparenz entstehen Einfallstore für Korruption“, sagt Christoph Stein, Autor der Studie und Mitglied der Arbeitsgruppe Gesundheit von Transparency Deutschland.

Transparency Deutschland fordert daher gesetzliche Bestimmungen, die die Transparenz und Methodik der Erstellung von Leitlinien regeln. Derartige Vorschriften sollten sich an bestehenden Beispielen, wie den Richtlinien des G-BA, orientieren und in Zusammenarbeit mit Einrichtungen der ärztlichen Qualitätssicherung erarbeitet werden. Ein aus Bundesmitteln finanziertes unabhängiges Gremium von hauptberuflichen Experten soll medizinische Leitlinien akkreditieren.  

„Leitlinienautoren sind häufig durch Interessenkonflikte belastet“, sagt Wolfgang Wodarg, Vorstandsmitglied von Transparency. „Ein fehlender gesetzlicher Rahmen und mangelnde Ressourcen gefährden die Unabhängigkeit der erstellten Leitlinien und damit auch das Vertrauen in das Handeln der Ärzte und anderer heilberuflich Tätiger.“


Quelle: Transparency International Deutschland, 15.08.2016