Deutsche Gesellschaft für Infektiologie

Neues Coronavirus: Einzelne Fälle in Deutschland wahrscheinlich

Die Erkrankungsfälle mit einem neuartigen Coronavirus nehmen weiter zu. Die Experten der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie rechnen damit, dass es auch in Deutschland zu eingeschleppten Einzelfällen kommen wird. Für die Bevölkerung bestehe dennoch kein Anlass zur Sorge.

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Aktuell haben sich in China mehr als 500 Menschen mit dem neuen Coronavirus infiziert. | Jo Panuwat D - stock.adobe.com

Die Erkrankungsfälle mit einem neuartigen Coronavirus nehmen weiter zu, aktuell haben sich in China mehr als 500 Menschen infiziert, 17 sind verstorben. Zu einzelnen importierten Fällen kam es in Thailand, den USA, Japan und in Südkorea. Die Experten der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) rechnen damit, dass es auch in Deutschland zu eingeschleppten Einzelfällen kommen wird. Für die Bevölkerung bestehe dennoch kein Anlass zur Sorge: Kliniken – und dort speziell die infektiologischen Abteilungen – bereiteten sich aktuell darauf vor, um auf diese Fälle schnell reagieren zu können. Jeder Verdachtsfall sollte so früh wie möglich durch einen Infektiologen begleitet werden, empfiehlt die DGI.

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Das neue Coronavirus breitet sich aus. Bisher sind 222 Fälle identifiziert worden. Das Robert Koch-Institut (RKI) gibt Empfehlungen und eine Risikoeinschätzung.

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Während zunächst alle Infektionen auf Besuche eines inzwischen geschlossenen Fischmarkts in Wuhan, China, zurückgeführt werden konnten, wurden mittlerweile auch Erkrankte identifiziert, die sich bei anderen Patienten angesteckt haben. Zu einzelnen importierten Fällen kam es in Thailand, den USA, Japan und in Südkorea.

„Wir müssen damit rechnen, dass es auch in Deutschland zu eingeschleppten Einzelfällen kommen wird“, sagt Prof. Dr. med. Bernd Salzberger, Leiter der Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg und Vorsitzender der DGI. Auf diese Situation bereiteten sich die Kliniken – und dort speziell die infektiologischen Abteilungen – jetzt bereits vor.

Nachweistest für das neue Virus

Für 2019-nCoV-Verdachtsfälle in Deutschland hat das Robert Koch-Institut bereits ein Ablaufschema für Ärztinnen und Ärzte zur Verdachtsabklärung, Diagnostik, Hygienemaßnahmen, Patientenisolierung sowie Behandlung entwickelt. Da die Veröffentlichung der Erbsequenz des Virus vor rund zwei Wochen erfolgte, konnten Wissenschaftler der Charité bereits einen Nachweistest für das neue Virus entwickeln, der beim RKI zur Verfügung steht und kurzfristig auch an virologischen Instituten verwendet werden kann.

„Wichtig ist jetzt vor allem, Ärzte und medizinisches Personal in Kliniken und Praxen für das Thema zu sensibilisieren, damit Verdachtsfälle schnell identifiziert werden“, sagt Prof. Dr. med. Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie am Universitätsklinikum Essen.

Zudem sollte jeder Verdachtsfall so früh wie möglich durch einen Infektionsspezialisten begleitet werden. „Die qualifizierte infektiologische Behandlung kann auch sicherstellen, dass Mitpatienten und Klinikpersonal nicht gefährdet werden und die Infektion nicht weiterverbreitet wird“, so Witzke.

Einheitliche Empfehlungen für die gesamte Europäische Union

Für die Bevölkerung in Deutschland besteht nach Einschätzung der DGI-Experten derzeit kein Anlass zur Beunruhigung. Auch das Robert Koch-Institut schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland zurzeit als gering ein (Stand 23. Januar).

Es gibt keinen Anlass zur Panik, aber wir müssen die Situation ernst nehmen und genau beobachten“, erklärte der gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Fraktion (Christdemokraten) im Europäischen Parlament, Dr. med. Peter Liese, angesichts der Ausbreitung des neuen Coronavirus.

Es gebe in allen EU-Mitgliedstaaten eine 24-Stunden-Bereitschaft und das europäische Gesundheitsamt ECDC in Helsinki beobachte die Lage sehr genau. „Wir haben einheitliche Empfehlungen für die gesamte Europäische Union. Vor einigen Jahren war es noch so, dass etwa in den Niederlanden völlig anders mit solchen Gefahren umgegangen wurde als in Deutschland. Wenn man berücksichtigt, dass Fluggäste im Grenzgebiet oft Flughäfen des Nachbarlandes nutzen, war das eine absurde Situation“, so Liese abschließend.

 

 

Quelle: DGI/Peter Liese, 23.01.2020