Thrombose-Vorsorge

Neues Computerspiel mit den Füßen steuern

Es gibt bereits viele Maßnahmen, um Thrombose vorzubeugen. Um hier die Motivation zu steigern, haben Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern ein Spiel für Tablet und Smartphone entwickelt, das über die Bewegung der Füße gesteuert wird.

jumpBALL

Daniel Steffen hat das Computerspiel jumpBALL entwickelt. | © Thomas Koziel/TUK

Nach Herzinfarkt und Schlaganfall ist eine Thrombose die dritthäufigste Herz-Kreislauf-Erkrankung. Vor allem ältere Menschen zählen zu den Risikogruppen, aber auch Patienten, die aufgrund einer anderen Erkrankung lange im Bett liegen müssen oder sich einer größeren Operation unterziehen müssen, gehören dazu. Kompressionsstrümpfe und Medikamente können gegen die Thrombose helfen. Doch auch gezielte Bewegungsübungen können das Risiko senken. „Bekannt ist dabei vor allem die Fußwippe oder sogenannte Muskel-Venen-Pumpe, kurz MVP“, sagt Daniel Steffen, Informatiker und Wissenschaftler in der Nachwuchsgruppe wearHEALTH an der TUK. Die Fußspitze wird hier zunächst nach vorne gestreckt und dann soweit wie möglich an den Körper herangezogen – das möglichst häufig und regelmäßig.

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Doch diese Übungen sind für den Patienten sehr monoton und ermüdend. Aus Studien wissen wir, dass rund 65 Prozent der Patienten solche Übungen nicht oder nur teilweise durchführen“, erläutert Steffen. Die neue App „jumpBALL“ soll hiergegen helfen. Bei diesem Spiel springt ein Wasserball über Baumstämme, auf denen verschiedene Gegenstände wie Diamanten, Münzen oder Sterne gesammelt werden sollen, Punkte zu erhalten. Monster, die sich auch auf den Baumstämmen befinden, ergeben Minuspunkte. Der Clou: Das Spiel wird mit den Füßen gelenkt, wodurch gleichzeitig MVP-Übungen durchgeführt werden. Den Informatiker unterstützen Dr. Markus Muhm und Dr. Tim Danko vom Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern.

Neben dem Smartphone oder Tablet ist nicht viel Technik notwendig, nur zwei drahtlose Sensoren, die mit Klettbändern am Fuß befestigt werden, um die Bewegung zu erfassen. „Mit dem linken Fuß etwa springt ein Wasserball einen Baumstamm weiter, mit dem rechten Fuß springt der Ball bis zum übernächsten Stamm“, fährt der Steffen fort. Bei solchen Spiele, die mit körperlichen Übungen verbunden sind, spricht man von Exergames.

Wirksamkeit in Studien belegt

In einer ersten Studie mit 40 Probanden untersuchte Steffen die Förderung der Motivation und wie oft und wie lange die Teilnehmer die Übungen durchführten. Dabei stand auch die Gebrauchstauglichkeit zur Debatte. Eine Kontrollgruppe spielte statt jumpBall eine Variante mit einer reinen Zählfunktion. Zur Anleitung sollten sich die Probanden der Kontrollgruppe vorstellen, Tretboot zu fahren. Allen Probanden war jederzeit erlaubt, das Spiel abzubrechen. „Wir haben festgestellt, dass die jumpBALL-Gruppe die Übungen deutlich länger und mit mehr Wiederholungen durchgeführt hat, die Motivation also deutlich höher war“, sagt der Informatiker.

Vor allem ältere Menschen sollen mit diesem Spiel angesprochen werden. Langzeitstudien sollen nun zeigen, wie diese mit der Technik zurecht kommen und inwiefern der spielerische Ansatz für den Reha-Einsatz genutzt werden kann. Zunächst wird das Spiel auf der Tagung „Mensch und Computer 2017“ in Regensburg vorgestellt, die vom 10. bis 13. Oktober 2017 stattfindet. Unterstützt wird die Forschungsgruppe wearHEALTH vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Veröffentlicht wird „jumpBALL – ein mobiles Exergame für die Thromboseprophylaxe“ im Sammelband der Tagung „Mensch und Computer“.

Quelle: Technische Universität Kaiserslautern, 06.09.2017