Nuklearmedizin

Neue Präzisionswaffen im Kampf gegen Krebs



Bewährt hat sich die nuklearmedizinische Therapie bereits bei neuroendokrinen Tumoren (NET) des Magen-Darm-Traktes. Die sogenannte Peptid-Radio-Rezeptor-Therapie (PRRT) kommt vor allem nach einer Operation in Betracht, wenn die Erkrankung trotz medikamentöser Therapie fortschreitet oder Symptome verursacht. Auch hier erhält der Patient ein radioaktives Medikament als Infusion über die Armvene verabreicht, das an die Somatostatinrezeptoren andockt, die auf den Tumorzellen stark vermehrt vorhanden sind.

Positronen-Emissions-Tomographie (PET-Hybridbildgebung)

Die radioaktive Strahlung hindert die Krebszellen am weiteren Wachstum und tötet sie teils auch ab. „Die Behandlung verlängert das Gesamtüberleben der Patienten und führt zu einer 79-prozentigen Reduktion des Risikos für ein Fortschreiten der Erkrankung oder eines Todes dadurch, wie eine randomisierte Phase-III-Studie bereits zeigte“, so Kreißl. „Auch hier wird zunächst überprüft, ob die Zielstruktur, der Somatostatinrezeptor, ausreichend auf den Tumorherden vorhanden ist, bevor die PRRT begonnen wird.“ Etwa 1.000 Patienten unterziehen sich in Deutschland jährlich einer PRRT.

Die Präzision, die die Nuklearmedizin bietet, schlägt sich aber auch in der Bildgebung nieder – das gilt vor allem für die Positronen-Emissions-Tomographie (PET-Hybridbildgebung) mit radioaktiv markiertem Zucker (FDG, Fluordesoxylglukose). „Wir können damit Tumorherde sehr früh und genau über ihren gesteigerten Zuckerstoffwechsel im gesamten Körper darstellen“, so Kreißl. So ist die FDG-PET der höchstempfindliche Standard in der anfänglichen Bildgebung bei Lungenkrebs, dem Hodgkin-Lymphom und dem Kehlkopfkrebs.

Darüber hinaus kann die FDG-PET nicht nur Tumorherde aufspüren, sondern auch frühe Aussagen über den Erfolg einer Therapie machen, indem sie einen reduzierten Zuckerstoffwechsel in den durch die Behandlung geschädigten Krebszellen und -herden anzeigt. „Das ist der Grund, warum die PET-Hybridbildgebung vielfach in Studien zur Entwicklung neuer Behandlungen eingesetzt wird. Sie kann sehr früh nachweisen, ob die Therapie anschlägt“, erläutert Kreißl.

Neues Strahlenschutzgesetz

Die Bildgebung, die wiederum unübertroffen präzise Auskünfte über die Ausbreitung von Tumorherden bei Prostatakrebs-Rückfällen gibt, ist die PSMA-Positronen-Emissions-Tomografie. So legt es auch die S3-Leitlinie für das Prostatakarzinom fest. „Nach aktueller Studienlage ergeben sich bei mehr als der Hälfte der Patienten, die mit der PSMA-PET untersucht wurden, Befunde, die eine Änderung des ursprünglichen Behandlungsplans erforderlich machen“, erklärt der Magdeburger Nuklearmediziner. Das kann bedeuten, dass eine lokale Strahlentherapie oder auch eine erneute Operation vorzuziehen sind.

Ob Therapie oder Kontrolluntersuchung, ob bewährtes Verfahren oder neuer Ansatz: Die Anwendungen finden auf qualitativ höchstem Niveau statt und sind maximal sicher für Patienten wie Angehörige – dafür sorgt das neue Strahlenschutzgesetz, das zu Beginn des Jahres in Kraft getreten ist. „Handelt es sich um forschungsbezogene Untersuchungen oder Behandlungen, werden Genehmigungen beim Bundesamt für Strahlenschutz eingeholt“, betont Kreißl. „Auch bei jeder einzelnen klinischen Anwendung führt ein Facharzt eine Risiko-Nutzen-Analyse für den Patienten durch.“


Quelle: BDN, 13.05.2019