Interview mit Dr. med. Christel Vockelmann

Neue MTRA-Schule in Lüdenscheid

Dr. med. Christel Vockelmann ist Chefärztin der Radiologischen Klinik der Christophorus-Kliniken GmbH 
(Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Münster). Die Klinik kooperiert mit der neuen MTRA-Schule in Lüdenscheid. 
Im Folgenden geht sie auf den Fachkräftemangel sowie die Gründe für die Kooperation ein.

Neue MTRA-Schule in Lüdenscheid

Dr. med. Christel Vockelmann | © privat

Welche Bedeutung haben die MTRA für Ihre Klinik?

Die MTRA bilden das Rückgrat der bildgebenden Diagnostik. Nahezu jeder Patient in einem Krankenhaus – mit Ausnahme der Schwangeren und Neugeborenen – benötigt zur Diagnostik und Therapieplanung eine Bildgebung mit Röntgen, CT oder MRT. Und das auch rund um die Uhr in sehr guter Qualität. Dazu kommt die steigende Zahl an interventionellen Verfahren, bei der die MTRA zusammen mit dem Radiologen entscheidend an der Behandlung der Patienten beteiligt ist. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist die Thrombektomie beim Schlaganfall, ein Verfahren, das innerhalb kürzester Zeit die Therapie bei Schlaganfällen revolutioniert hat und ohne MTRA und Radiologen nicht denkbar ist.

Sind Sie auch vom MTRA-Mangel betroffen? Wie wirkt sich das bei Ihnen konkret aus?

Auch wir können seit einiger Zeit offene Stellen nicht ausreichend nachbesetzen. Das führt dazu, dass wir vereinzelt Großgeräte wie MRT oder CT nicht komplett besetzen können und Patienten etwas länger auf Untersuchungen warten müssen. Auch die eigentlich wünschenswerte und notwendige Dopplung von Diensten am Wochenende ist nicht möglich. Die erhöhte zeitliche Belastung für die MTRA versuchen wir zumindest teilweise durch Verteilung von MTRA-Tätigkeiten auf MFA in Anmeldung und Sekretariat sowie Ärzte zu kompensieren. So übernimmt den monatlichen Plakettenwechsel derzeit die Chefsekretärin für die fast 180 Mitarbeiter der Klinik, die eine Plakette tragen. Assistenz- und Oberärzte übernehmen die Durchführung von CT-Untersuchungen, damit die MTRA eine Mittagspause machen können. Das Einsortieren des Einkaufs für die Angiografie übernehmen die Mitarbeiter der Röntgenanmeldung. Wir versuchen, dem Mangel mit Teamarbeit in der Radiologie entgegenzuwirken.

Wie waren Ihre persönlichen Erfahrungen, als Sie selbst die MTRA-Dienste übernommen hatten?

Ich habe mich erinnert, wie anspruchsvoll eigentlich ein ordentlicher Röntgen Thorax ist …   In den Sommermonaten war die Zahl der Dienste für meine MTRA sehr hoch, dann kamen Krankheitsfälle dazu, was die Situation in der Dienstplanung noch weiter verkompliziert hat. Daher haben meine leitenden MTRA dann irgendwann widerstrebend mein Angebot angenommen, dass ich am Wochenende auch mal einen Dienst an unserem Standort in Dülmen übernehmen würde. Der Vorteil für mich an dem Standort ist, dass viele CT-Untersuchungen vor allem für die Neurologie anfallen, konventionell aber nur wenige Thoraxaufnahmen und kaum unfallchirurgische Untersuchungen notwendig sind. Da ich schon in meiner Assistenzarztzeit ein Faible für das CT hatte, kann ich da aushelfen. Die Spritze hatten mir allerdings die MTRA vorab aufgebaut und das Nachfüllen ging dank Verfahrensanweisung dann gut. Damit konnten wir durch unser Team gemeinsam verhindern, dass wir das Krankenhaus von der Notfallversorgung abmelden mussten, ein Vorgang, der sonst auch die Versorgung der Bevölkerung hier im ländlichen Raum bedroht hätte.

Sie möchten mit der neuen MTRA-Schule in Lüdenscheid kooperieren. Was sind die ausschlaggebenden Gründe dafür?

Es gibt hier im Münsterland zu wenig Ausbildungsplätze für MTRA. Die umliegenden Schulen können den eigenen Bedarf decken, für die Umgebung reicht aber das Ausbildungskontingent nicht aus. Daher haben wir überlegt, wie wir uns an der Ausbildung beteiligen können und bereits über die Gründung einer eigenständigen MTRA-Schule im Kreis Coesfeld nachgedacht. Der Weg dahin wäre aber ein sehr langer: Das notwendige Personal für eine Schule zu bekommen ist im Prinzip genauso schwierig, wie ausgebildete MTRA zu finden. Genau im richtigen Moment kam dann die Gelegenheit, mit der MTRA-Schule in Lüdenscheid zu kooperieren. Die Kooperation ermöglicht den beteiligten Häusern, relativ rasch den steinigen Weg einer Schulneugründung zu gehen und die ersten Schüler auszubilden. Für jeden alleine wäre das ein schwieriger Prozess mit hohen Kosten. Dabei spielen für die Krankenhäuser die anfallenden Kosten nicht die entscheidende Rolle, eine abgemeldete Radiologie bedeutet für das Krankenhaus im Prinzip Stillstand und ist damit sehr viel teurer.

Welche „Investitionen“ beziehungsweise Kosten müssen Sie dafür aufbringen?

Wir werden zwei MTRA zur Fortbildung zum Praxisanleiter schicken. Der Kurs kostet etwa 1.500 Euro, dazu kommen Unterbringung und Fahrtkosten. Wenn der Schulalltag begonnen hat, müssen die beiden Praxisanleiter beziehungsweise bei uns Praxisanleiterinnen dann natürlich auch Zeit haben, ihren Aufgaben im Rahmen nachzukommen. Dazu kommt das Ausbildungsgehalt, das seit Anfang des Jahres MTRA-Schülern in der Ausbildung zusteht. Die Kosten werden letztlich über eine Refinanzierung durch die Krankenkassen abgedeckt. Personell aufwendiger aber auch spannend ist die eigentliche Ausbildung der MTRA in den praktischen Teilen, die in den kooperierenden Kliniken stattfinden wird.

Wie wird die Bezahlung der MTRA-Schüler aussehen, da es nach Lüdenscheid ein längerer Fahrweg sein wird? Können Sie uns konkrete Zahlen nennen?

Die Bezahlung der MTRA-Schüler wird über das tariflich verhandelte Ausbildungsgehalt erfolgen. Um die Kosten für die theoretische Ausbildung am Schulstandort an den Märkischen Kliniken in Lüdenscheid zu decken, werden wir den Schülern vor Ort in Lüdenscheid eine Wohnung stellen, sodass aufgrund der Entfernung keine zusätzlichen Kosten auf die Schüler zukommen werden. Für die Schüler ist die Ausbildung ein bisschen vergleichbar mit Studentenleben: Man zieht von zu Hause aus in eine WG, darf aber am Wochenende nochmal unter die elterliche Bettdecke schlüpfen und bekommt die Studentenbude finanziert.

Ganz herzlichen Dank für das Interview.

 

Entnommen aus MTA Dialog 11/2019