Iain Christie kennt beide Länder und er vergleicht die Situation

MTRA-Ländervergleich Deutschland/UK

Der gebürtige Schotte Iain Christie hat einen MSc in Medical Imaging und arbeitet in der Nuklearmedizin. Christie war im Rahmen eines Sabbaticals sechs Monate in einer deutschen Klinik beschäftigt. Im Folgenden vergleicht er beide Arbeits- und Ausbildungswelten.

MTRA-Ländervergleich Deutschland/UK

Iain Christie | © privat

Ursprünglich war ich 15 Jahre lang in der Pharmaindustrie als Marketing Manager tätig. Ich entschied mich dann für eine Umschulung zum MTRA (Radiographer), und mit meinem Hintergrund in Biowissenschaften konnte ich einen MSc in Medical Imaging absolvieren. Wir hatten eine sehr gründliche Ausbildung in den praktischen Aspekten der Arbeit, und uns wurden auch Fähigkeiten wie klinische Entscheidungsfindung, reflektierende Praxis und Führung vermittelt. Diese Fähigkeiten ermöglichen es uns, in einer sogenannten erweiterten Rolle zu arbeiten, das heißt, dass wir viele Aufgaben übernehmen, die normalerweise ein Radiologe ausführen würde, zum Beispiel intravenöse Injektionen und das Melden von Röntgenstrahlen.

Mit der Einführung von CT und MRT konnten Radiologen die Arbeitsbelastung nicht länger allein bewältigen. Um diese Arbeitslast zu verringern, hat der MTRA/Radiographer zusätzliche Aufgaben übernommen. Zur gleichen Zeit erwogen die britische Regierung und die Fachgesellschaft der Radiographer, die Ausbildung der MTRA/Radiographer zu ändern. Ziel war es, dass die Belegschaft besser mit der sich rasch verändernden Technologie zurechtkommt und die Fähigkeiten erlangt, in einer erweiterten Rolle zu arbeiten. Bis dahin waren die Ausbildung und Arbeitsinhalte von MTRA in Deutschland und Großbritannien ähnlich. Wir hatten auch ein Diplomsystem (Berufsschule), unsere Rollen waren auf ein enges Feld beschränkt und es gab eine starke Hierarchie. MTRA erstellten die Bilder und der Radiologe befundete sie.

Der Wechsel zu einem höher qualifizierenden Abschluss hat unseren Beruf im Vereinigten Königreich (UK) wiederbelebt. Er ermöglichte es, uns durch eine postgraduale Ausbildung zu spezialisieren, und ergänzte die Karrierestruktur, die Mitte der 1990er-Jahre eingeführt wurde. MTRA können nun promovieren und Berater werden. Heutzutage arbeiten MTRA und Radiologen in vielen radiologischen Abteilungen als Team zusammen, wobei die MTRA in den klinischen Entscheidungsprozess einbezogen werden. Davon haben die Patienten sehr profitiert. Jetzt haben wir eine nahtlose Kontinuität der Pflege, und die Bilder werden viel schneller berichtet. In Deutschland unterscheidet sich die Rolle der MTRA zu der im Vereinigten Königreich erheblich.

Was hat mich bewogen, in Deutschland zu arbeiten? Ich habe Deutschland schon immer sehr gemocht, ich glaube, man könnte mich als einen „Deutschophilen“ bezeichnen. Und als MTRA/Radiographer in der Nuklearmedizin bin ich beeindruckt, wie viel fortgeschrittener die Nuklearmedizin in Deutschland ist. Zum Beispiel gibt es eine größere Anzahl von PET/CT-Scannern pro Kopf, in Schottland führen wir gerade erst Ga68-PSMA-Scans ein. Also nahm ich die Gelegenheit eines Sabbaticals wahr, um sechs Monate in einer Nuklearmedizin-Abteilung einer Klinik in Deutschland zu arbeiten. Ich fand die Aufgaben der MTRA in Deutschland sehr eingeschränkt, und es gibt eine größere Hierarchie, bei der der Radiologe viel Kontrolle ausübt. Ich habe das Gefühl, dass MTRA zu wenig gefordert werden und dass es viele Bereiche gibt, in denen MTRA die Radiologen mehr unterstützen könnten.

Dazu trägt auch die Ausbildung der MTRA bei. Während das praktische Training ausgezeichnet ist, vermittelt die Ausbildung zum Beispiel keine Fähigkeiten in klinischer Entscheidungsfindung, durch die MTRA eine bessere Gleichstellung mit Radiologen erlangen können. Nichtsdestotrotz war ich sehr beeindruckt von der Kompetenz der MTRA in Deutschland. An der Ausbildung von britischen MTRA wird häufig kritisiert, dass es zu viel Theorie und zu wenig Praxis gibt. Ein weiterer Kritikpunkt am britischen System ist, dass die Radiographer für die zusätzliche Arbeit, die sie leisten, unterbezahlt sind. Gegenwärtig verdient ein leitender Röntgentechniker im Vereinigten Königreich ungefähr 35.000 Pfund pro Jahr.

Wird Deutschland den gleichen Weg wie Großbritannien gehen? Es ist schwer zu sagen. Deutschland hat den Mangel an Radiologen, den wir hatten, nie erlebt. Dies war der Katalysator, um die Rolle und die Ausbildung von MTRA/Radiographer in Großbritannien zu verändern. Dennoch würde ein Hochschulabschluss die berufliche Stellung der MTRA in Deutschland verbessern und die Grundlage für die Stärkung ihres Images schaffen. Es lohnt sich auch, darauf hinzuweisen, dass viele andere EU-Länder einen Studiengang für die MTRA eingeführt haben. Ein solcher Schritt kann die Karriereoptionen von MTRA in anderen europäischen Ländern erweitern.

Ich denke, es ist eine aufregende Zeit für MTRA in Deutschland mit der Möglichkeit, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Ich freue mich darauf zu sehen, was passiert.

 

Entnommen aus MTA Dialog 03/2018